Die Kunst, eine Flaschenpost zu gestalten.


Die Allermeisten, die von Suchmaschinen aus auf diesem Blog landen, suchen nach Basteltips für ihre Flaschenpost. Für die klebe ich diesen Artikel auf die Startseite, damit es ohne viel Sucherei gleich losgehen kann. Und zwar nicht mit einem Hochzeitsglückwunsch oder einer Einladung zu einem Kindergeburtstag, sondern mit einer echten seetüchtigen Flaschenpost! 🙂 

Ich lade aber auch herzlich dazu ein, mal in den „neuesten Beiträgen“ oder in den „Artikeln nach Themen“ in der rechten Spalte zu stöbern! (Dazu evtl. ein bischen nach unten scrollen.) Oder auch mal einen Suchbegriff in das Textfeld darüber einzugeben und zu gucken, was dann kommt. Alle unterstrichenen Begriffe, auch in den Texten, sind Verknüpfungen („links“) zum weitersurfen. Viel Freude dabei!

Aber nun gehts los:

Flasche her, Zettel rein, Deckel drauf, – und tschüß!

Maritime Romantik, in Glas gefüllt.

Flaschenpost: maritime Romantik, in Glas gefüllt.

Das ist simpel, dafür braucht man keine Anleitung! Die allermeisten Flaschenposten entstehen so. Manch einer  stopft einfach eine Visitenkarte in die Buddel*. Okay, so kann’s gehen. Gegen solche Spontanflaschenposten ist auch gar nichts einzuwenden, oft sind gerade sie für besondere Überraschungen gut. Aber wenn man etwas Zeit hat, darf eine Flaschenpost schon etwas mehr Mühe wert sein, finde ich. Immerhin geht es darum, ein Stück maritime Romantik in das technische Zeitalter zu retten, einem Menschen eine Freude zu machen oder auch zum Nachdenken anzuregen. Deswegen hier ein paar Impulse zum Schreiben und Basteln von Flaschenposten.

Die Flasche

…ist schon eine Wissenschaft für sich. Die meisten Flaschenposten, die heutzutage gefunden werden, stecken in Plastik. Genauer: in Polyethylenterephtalat, kurz PET. Die Gründe sind schnell genannt: Solche Flaschen sind leicht,  unzerbrechlich, die Schraubdeckel sind dicht, aber gut zu öffnen. Vor allem aber sind sie überall zur Hand. Besonders in Urlaubsgegenden, wo man sich in der Regel nicht die Mühe macht, schwere Glasflaschen vom Laden zum Strandkorb und wieder  zurück zu tragen. Aber selbst Pfandflaschen sind heute oft aus Kunststoff. Plastik ist einfach omnipräsent.

Was spräche also dagegen, für die Flaschenpost so einen PET-Behälter zu nehmen? Der eine Grund ist vordergründig: Die leichten Plastikflaschen werden weggeblasen. Ob der Weg der Flasche nun von der Strömung oder mehr vom Wind bestimmt ist, mag egal sein. Aber auch, wenn die Flasche am Ufer angekommen ist, kann sie sonstwohin gepustet werden, und das wäre nicht in unserem Sinne.

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Wir leben im Plastikzeitalter.

Der entscheidende Grund gegen PET ist jedoch ein anderer. So unkaputtbar, wie es scheint, sind die Plastikflaschen nämlich nicht. Unter dem Einfluss von UV-Strahlung und Seewasser beginnt PET erst matt zu werden und dann langsam zu zerbröseln. Ein paar Monate, vielleicht auch Jahre kann die Flasche schwimmen. Wenn sie bis dahin nicht gefunden wurde, gibts ein Problem. Nicht, weil die Flaschenpost dann hinüber ist, sondern weil das Plastik die Umwelt belastet. Die Plastikpartikel werden zwar immer kleiner, aber sie verschwinden nicht. Sie können über Jahrhunderte im Ozean treiben oder am Strand liegen. In manchen Meeren treibt schon mehr Kunststoff herum als Plankton. Seevögel  halten die Flitter für Krill, fressen sie oder füttern ihre Jungen damit. Sie fühlen sich dann satt  und verhungern doch mit vollem Magen. Auch in Fischen wird immer mehr solch „synthetisches Plankton“ nachgewiesen. Chemische Bestandteile werden vom Körper aufgenommen und gelangen in die Nahrungskette…

Strandwanderer sind  per se Naturfreunde, die ihre Umwelt aufmerksam wahrnehmen und sich über Müll am Spülsaum ärgern. Und Flaschenpost-Versender haben sich, weil von gleicher Wesensart, in der Regel auch dem Umweltschutz verschrieben.  Es gibt leider auch Idioten, die meinen, sie müssten eine extra Ladung Kunststoffmüll in die Umwelt befördern, aber die disqualifizieren sich nur selbst.

Und Glas? Natürlich kann eine Glasflasche von der Brandung an einer Felsenküste oder auf Strandgeröll zerschlagen werden. Und dann gibt’s erst einmal Scherben, – logisch! Aber obwohl ich oft an der Küste unterwegs bin, habe ich dort noch nie scharfkantige Glassplitter gefunden! Aber schon oft wunderschön rundgeschliffenes und mattiertes Seeglas. Einige Stücke liegen als Dekoration in meiner Kaktusschale, aus anderen hab ich kleine Schmuckstücke gebastelt. Es geht offensichtlich rasend schnell, bis die Brandung das Glas abgerundet hat und sich Scherben nur durch die Farbe von Kieselsteinen unterscheiden. Wenn sich ein Badeurlauber doch blutige Füße holt, liegts also meistens an im Suff zertrümmerten Hinterlassenschaften feuchtfröhlicher Strandparties weit außerhalb der Brandungzone, da muss die Beschwerde aber an andere Stelle gehen. Oder es liegt an Sandklaffmuscheln, und die sind natürlichen Ursprungs.

Glas wird in der Brandung schnell rundgeschliffen.

Glas wird in der Brandung schnell rundgeschliffen.

Trotzdem ist es von Vorteil, eine möglichst robuste Flasche auszuwählen. Sektflaschen und Halbliter-Mehrwegflaschen sind besonders dickwandig. Je kleiner die Flasche, desto besser ist in der Regel das Verhältnis Wandungsstärke/Größe, aber man sollte schon sicherstellen, dass die Flasche überhaupt schwimmt und nicht zu schwer ist. Eine 200 ml Mehrweg-Glasflasche ist so gerade noch schwimmfähig, wenn man sie nicht zu schwer belädt.

Natürlich muss die Flasche innen sauber und trocken sein. Sonst wird der Flaschenbrief stockfleckig. Oder, noch schlimmer,  er verschimmelt. Ein häufiges Problem für Finder ist auch durch Feuchtigkeit unleserlich gewordene Schrift. Also: mit warmem Spülwasser ausspülen und über Kopf gründlich trockenen lassen.

Bei Pfandflaschen lässt sich auch das Etikett im Wasserbad recht gut ablösen. Bei anderen Flaschen kann das umständlich werden, da sind die Kleber oft hartnäckig. Dann muss man das Etikett mit Terpentin oder Petroleum anlösen und dann mit einem alten Topfschrubber  abrubbeln. Eine ziemliche Arbeit, und stinken tut es auch! Aber die Flasche soll ja nachher schick aussehen und nicht für Müll gehalten werden. (Angeblich soll auch ein Bad in Natronlauge Wunder wirken, aber das habe ich noch nicht ausprobiert.)

Bei klarem Glas sieht man gleich, ob ein Zettel drin ist oder nicht.

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Eine Flaschenpost wie aus dem Bilderbuch!

Bei Buntglas dagegen kann es hilfreich sein, die Flasche auffällig zu bemalen. Acrylfarbe deckt ganz gut, blättert im Wasser aber schnell ab. Porzellanmalfarbe hält wesentlich besser. Glasmalfarbe deckt nach meiner Erfahrung nicht besonders gut, ist also nur für zarte, transparente Malereien geeignet. Aber das wäre ja auch mal eine Gestaltungsidee!

bemalte Flaschenpost

Wo Flaschenpost draufsteht, wird wohl auch Flaschenpost drin sein.

Auch die Flasche auf dem nächsten Bild ist eine Flaschenpost, nur ist es wegen des dunklen Glases kaum zu erkennen. Hier ist die Chance groß, dass sie für Müll gehalten wird und unbeachtet liegen bleibt. Oder aber sie wird von einem besonders aufmerksamen und neugierigen Strandwanderer gefunden, und die sind uns Flaschenpostredakteuren die liebsten Leser!

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Geheimnisvoll!

Damit so eine Flasche nicht versehentlich unerkannt und ungeöffnet entsorgt wird, sollte man sicherheitshalber eine kleine Münze, ein paar Muscheln oder Steinchen mit hineintun. Dann klimpert es beim Aufheben verheißungsvoll und der Finder guckt genauer hin.

Tja, in jedem Detail kann eine ganze Dramaturgie stecken!

Der Verschluss

Schraubverschlüsse können recht lange dicht halten, wenn sie gut sitzen.  Aber oft tun sie es eben nicht. Entweder weil sie bei Gebrauch leicht verbogen wurden oder weil sie im Laufe der Zeit korrodieren. Und deshalb ist eine zusätzliche Abdichtung nicht verkehrt. Ich nehme dazu gern Siegellack.

Seeklar!

Gut abgedichtet!

Das fällt auf und gibt der Flasche ein schönes malerisches Aussehen. Am einfachsten ist es, den Siegellack in einer leeren Tomatenmarkdose über einer Kerze zu schmelzen (den „Tiegel“ dabei mit einer Zange festhalten) und dann die verschlossene Flaschenmündung über Kopf hineinzutauchen. Hochweriges Kerzenwachs (Stearin) oder Bienenwachs dichten sogar noch besser, da sie nicht aufquellen. Diese Wachse sind im Gegensatz zu Paraffin (gewöhnliches Kerzenwachs) biologisch abbaubar.

Weniger aufwendig: das Gewinde mit etwas Vaseline, Staufferfett oder einem anderen Fett bestreichen (zur Not tut es auch Lip Gloss oder Labello). Das verhindert auch, dass der Schraubverschluss festkorrodert.

Richtig stilecht sind natürlich die ganz klassischen  Stopfen aus Kork. Richtigem Kork aus der Rinde der Korkeiche und nicht diese Nachbildungen aus braunem Plastik. Nur werden die immer seltener. Echte Korken gibt es fast nur noch auf  Weinflaschen des oberen Preissegments oder bei ganz edlen Sektsorten. Da heißt es Augen offenhalten und sammeln!

Wichtig ist, dass der Stopfen tief und fest im Flaschenhals steckt. Also richtig kräftig reindrücken, am Besten die Mündung über Kopf auf den Fußboden pressen!

Echte Korken sind wegen der darin enthaltenen Gerbsäure langlebig. Die Flaschen, die man aus der Umgebung des Titanic-Wracks geborgen hat, zeigen es. Aber ob die Buddeln aus dem Bestand des Luxusliners auch nach einem Jahrhundert auf dem Meeresboden wirklich noch Wein und nicht Seewasser enthalten, habe ich noch nicht testen können. (War jemand auf einer entsprechenden Verkostung dabei?)  Also kann eine zusätzliche Abdichtung mit Siegellack auch hier nicht schaden. Nur für den Fall, dass sich die Driftfahrt länger hinzieht.

Screenshot, NDR-Fernsehen, Sendung DAS! 16.05.2014

Screenshot, NDR-Fernsehen, Sendung DAS! 16.05.2014

Manche umwickeln den Verschluss mit Klebeband. Aber das fällt für mich wieder unter die Rubrik „Kunststoff im Meer“; das Thema hatten wir ja schon. Außerdem hat das einfach keinen Stil.

Der Flaschenbrief

Aber bevor wir die Flasche verschließen, gehört noch der Flaschenbrief hinein! Und auf den Flaschenbrief gehört was draufgeschrieben! Natürlich etwas, womit der Finder auch etwas anfangen kann.  Wenn es nur der fast nicht mehr lesbare Vorname ist, bleibt nichts als Rätselraten, und das ist schade. Meine jungen Kolleginnen Mia und Katharina schreiben in ihrem Weblog eine schöne Anleitung in Deutsch und Englisch zum Verfassen eines Basistextes:

„Eine Flaschenpost sollte immer so Aufgebaut sein: 1. Datum von dem Tag, an dem du die Flaschenpost in den Fluss geschmissen hast 2. Begrüßung an den Finder 3. „Bitte schreibe zurück“ 4. Wenn du willst noch irgendetwas über dich erzählen 5. Verabschiedung und Name von dir. Zwei Beispiele für einen Brief in einer Flaschenpost: (Du musst natürlich deinen eigenen persönlichen Daten einfügen)

1. 30.08.12 Hallo lieber Finder der Flaschenpost, bitte schreibe uns zurück unter: flaschen.luftpost@web.de Wir sind zwei Mädchen aus Deutschland und würden uns sehr freuen. Liebe Grüße, Mia und Katha.

2. Hurra! Du hast unsere Flaschenpost gefunden, die wir am 30.08.2012 in die Enz geworfen haben. Bitte informiere uns in einer E-Mail darüber. Unsere E-Mail-Adresse lautet: flaschen.luftpost@web.de Wir sind beide 13 und beste Freundinnen aus Deutschland. Wir freuen uns schon auf deine Antwort. Katha und Mia. […]

A message in a bottle should always built like this:1. Date from the day, when you threw the bottle into the river2. Welcome to the finder 3. „Please write back!“ 4. If you want, you can write something about your self 5. Say goodbye and write your name Two examples for a message in a bottle: (of cause you have to insert your own personal information)

1. 30.08.12 Hello dear finder of the message in my bottle. Please write back to: flaschen.luftpost@web.de We are two girls from Germany and we would be very happy. Greetings Mia and Katha.

2. Harray! You found our message in the bottle, which we throw on the 30th August 2012 in the Enz. Please inform us in an e-mail. Our email address is: flaschen.luftpost@web.de We both are 13 years old and best friends from Germany. We will be very happy if we get your reply. Katha and Mia.“

Wer eine Anlandung in noch internationaleren Gewässern erwartet, kann Texte in weiteren Sprachen hinzufügen, wie bei jenem berühmt gewordenen Formular der verschollenen Franklin-Expedition, aber das dürfte wohl nur selten nötig sein.

Der Kreativität bei der Gestaltung des Flaschenbriefes sind nur zwei Grenzen gesetzt. Die Eine ist der Anstand: Eine Flaschenpost muss jugendfrei sein und darf niemanden verunglimpfen. Es sollte sich auch nicht nur um die trivialen Reste einer durchzechten Nacht handeln, wie ich sie mal entdeckt habe. (Und offensichtlich nicht nur ich.)

Die andere Grenze ist nur noch das Fassungsvermögen der Flasche. 😉

Man kann das Papier interessant gestalten, Bilder malen, etwas über Land und Leute erzählen, dichten, philosophieren…

Je interessanter der Brief, desto größer die Wahrscheinlichkeit einer Antwort! Ein schönes Beispiel habe ich hier gefunden (und hier die Rückseite).

Reizvoll finde ich auch den Text von Jerrie in dem nachfolgenden Video. Auch wenn ich meine, dass er sich bei der Auswahl seiner Flasche etwas vergriffen hat, denn gerade dieses grüne Ding mit so unromantischem Firmenaufdruck wird wohl am ehesten für Müll gehalten. Das über den Deckel gebundenen Packpapier dürfte schnell ziemlich gümmelig und vermoddert aussehen. Und bitte auch den Brief nicht so lieblos hineinknüllen! Aber der Text ist inspirierend:

Kindern macht es offensichtlich immer wieder Spaß, eine Karte einer Phantasieschatzinsel zu zeichnen und die Finder so in die Welt von Robinson Crusoe zu entführen. Kleiner Tip: Um das Papier alt aussehen zu lassen kann man es vor dem Schreiben bzw. Malen für zehn Minuten in eine Schüssel mit schwarzem Tee legen. Oder in Kaffee, wie hier beschrieben. Dann natürlich erst einmal wieder trocknen lassen. Das wirkt echter als ankokeln.

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Auch Kaffee lässt vorzeitig altern. Jedenfalls Papier, wenn man es damit einpinselt.

In der heutigen Zeit, in dem sich Informationen, aber auch Lügen und Verleumdungen blitzschnell und unkontrolliert im Internet verbreiten, muss man nur mit all zu persönlichen Mitteilungen vorsichtig sein. Mia und Katha geben deshalb, wie oben zu sehen, nur eine eigens für Flaschenpostzwecke eingerichtete Internetadresse für Rückantworten an.

Wer mit Füllertinte schreibt, muss damit rechnen, dass der Text bei Nässe in der Flasche unleserlich wird. Also darauf achten, dass innen alles trocken ist und auch trocken bleibt! Normale Filzstifte und Fineliner bleichen schnell aus. Kugelschreiber sind auch nicht besser, wie ein von mir durchgeführter Test gezeigt hat. Manchmal braucht der Finder schon kriminalistische Fähigkeiten, um etwas erkennen zu können.  Nicht zu verachten ist dagegen der gute alte Bleistift oder der etwas aus der Mode gekommene dokumentenechte Kopierstift. Oder Buntstifte. Inzwischen gibt es auch speziell für Geo-Caching entwickelte wasser- und lichtechte Fineliner (hier zu sehen). Wer so etwas besitzt, ist damit natürlich auf der sicheren Seite. Allerdings schlagen die, wie man hier sieht, leicht durch. Optimal wäre natürlich, mit einer klassischen Schreibfeder und Scriptol zu schreiben bzw. zu zeichnen, aber der Umgang damit erfordert schon ein gewisses Maß an Übung.

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Zusammenbinden nicht vergessen! Foto: Feodora Federkiel.

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Sorgfältig verpackt: Flaschenpost von Feodora Federkiel.

Der Flaschenbrief wird sorgfältig zusammengerollt und – ganz wichtig! – mit einem Faden zusammengebunden oder mit Büroklammern fixiert. Er darf sich nämlich nicht wieder entrollen, der Finder soll ihn ja leicht aus der Flasche herausbekommen (Mehr zum Herausholen hier). Manch einer hat in seiner Ungeduld schon die Flasche zerschlagen, um an den Inhalt zu gelangen, und das ist Flaschenpostfrevel! So ging das zu Bruch, was die „Blaue Mauritius“ unter den Flaschenposten hätte werden können: Der Künstler Ruppe Kosileck hatte einmal nicht nur einen Brief, sondern gleich ein richtiges Buddelschiff gestaltet und in der Eckerförder Bucht auf die Reise geschickt. Dumm nur, dass die Spaziergängerin, die das edle Stück aufhob, vor lauter Papier den kleinen dänischen Rahsegler in der Flasche nicht gesehen hatte. Was als Sammlerstück einen Ehrenplatz auf dem Kaminsims hätte finden können, endete deshalb als Scherbenhaufen. Schade! Auch die auf Amrum gefundene Buddel, die mit 108 Jahren den aktuellen Rekord der längsten Reisezeit hält, wurde ein Opfer des Hammers, weil die darin befindliche Postkarte nicht freiwillig herauswollte. Hier war es besonders deswegen bedauerlich, weil die Flaschenpost mit Bleiballast als „bottom drifter“ konstruiert war, um knapp über dem Meeresboden entlangzudümpeln. Das wäre ein für die Geschichte der Ozeanographie hochinteressantes Artefakt gewesen.

Aber bitte den Bindfaden nicht aus der Öffnung heraushängen lassen! Das funktioniert vielleicht bei Pippi Langstrumpf im Film, aber in Wirklichkeit dringt über den Faden nur Wasser ein.

Wer Lust hat, kann nun noch ein paar Muscheln vom Strand, einen interessanten Zeitungsartikel (natürlich auch sorgfältig zusammengerollt!) oder sonst etwas Nettes hinzufügen.

Eine Besonderheit sind Wanderflaschenposten. Das sind solche, die vom Finder wieder ausgesetzt werden sollen, um ihre Reise immer wieder fortzusetzen. Dazu gibt es hier eine ausführliche Beschreibung mit vielen Basteltipps.

So unterschiedlich können Flaschenposten aussehen, wenn sie fertig sind:

sieben Flaschenposten-1

Seeklar!

Das Gewässer

Alles drin? Flasche gut verschlossen? Dann kann es ja losgehen! Am besten natürlich von einem Schiff, fernab der Küste. Aber dazu hat nun nicht jeder die Gelegenheit. Wer also selbst noch am Ufer steht, sollte überlegen, wie die eigene Flaschenpost möglichst weit kommt. Einmal sah ich, wie Kinder am Strand von Büsum eine Flaschenpost losschickten. Kaum war die im Wasser, so stürzte sich gleich eine ganze Meute von Badegästen darauf. Na, da hätten die Kids ihren Brief auch gleich dem nächsten Strandkorbnachbarn in die Hand drücken können. Badestrände sind also nicht geeignet.

Besser sind abgelegene Küstenabschnitte, optimal Kaps mit einer starken, möglichst seegehenden Strömung und ablandigem Wind. Während die frühen Ozeanographen Flaschenposten benutzten, um Meeresströmungen zu erforschen, gehen wir den umgekehrten Weg: Wir nutzen die Kenntnisse über Strömungen, um unsere Post möglichst weit zu bringen. Wenn das Meer einen Tidenhub aufweist (z. B. die Nordsee)  kann ein Blick auf den Tidenkalender nicht schaden. Was für die Sekretärin im Büro die Briefkastenentleerung bei der Post ist, das ist für uns dann nämlich die einsetzende Ebbe, also der Zeitpunkt, wenn die Flut ihren Scheitelpunkt erreicht hat und das Wasser gerade wieder seewärts abzufließen beginnt. So, wie es hier geschildert wird, ist es geradezu professionell!

Aber auf keinen Fall bei ablaufendem Hochwasser hinausschwimmen, um etwa die Flasche weiter vom Ufer wegzubrinden! Das Risiko, dass man dann selbst nicht wieder zurückkommt, ist riesengroß!

Aber man kann es auch ganz anders machen. Warum nicht einmal eine Flaschenpost in einem Hafenbecken aussetzen, wo viele Leute sie sehen, aber wegen der hohen Kaimauern keiner rankommt? 😉 Oder sie in der Mitte des Feuerwehrteiches „verankern“? Sie hinter nie gelesenen Schwarten im Regal der Stadtbibliothek verstecken, in Omas Rumpelkammer oder im Gebälk einer verlassenen Scheune?

Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt!

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*Anmerkung: Die unterstrichenen Begriffe sind Verknüpfungen/Links!

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19 Gedanken zu „Die Kunst, eine Flaschenpost zu gestalten.

  1. Pingback: Faszination Flaschenpost | flaschenposten

  2. Pingback: Wie hoch ist die Chance, auf eine Flaschenpost Antwort zu bekommen? | flaschenposten

  3. gabiwendtland

    Was für ein interessanter Beitrag! Da wächst die Lust, selber mal eine Flaschenpost zu schreiben und dem Meer anzuvertrauen. Oder im Hafenbecken auszusetzen und zu beobachten, wie die Tide die Flasche rauszieht … genial. Wenn es soweit ist, werde ich es Dir berichten.
    Winky! Gabi

  4. Pingback: Ein ganz und gar ungewöhnlicher Flaschenposttag. | flaschenposten

  5. Pingback: Wie lange hält ein Korken dicht? | flaschenposten

  6. Moin
    Ich habe dein Blog bei Ina entdeckt.
    Wir machen im Juli eine Kreuzfahrt, die uns von Hamburg über die Norwegische Küste bis nach Island führt und von dort zurück nach Hamburg. Ich bin jetzt inspieriert, eine Flaschenpost vorzubereiten und irgendwo auf dem Weg von Spitzbergen nach Island dem Nordatlantik zu übergeben.

    • Moin Hans-Georg!
      Ach, bei dieser Reiseroute wäre ich gern mit dabei! Das ist ein spannendes Seegebiet dort oben! Die Grenze zwischen Nordatlantischem- und Ostgrönlandstrom, – da ist wirklich nicht abzusehen, wohin die Reise für die Flaschenpost geht. Auf jeden Fall eine robuste Buddel und einen lichtechten Stift nehmen! Der Törn könnte ja etwas länger dauern und womöglich sogar ins Eismeer führen. Wenn du im Flaschenbrief ein paar Reiseeindrücke schilderst, eine Seite aus einer Bordzeitung oder die Menükarte befügst, wird es für den Finder besonders reizvoll. 🙂

      Eine gute Reise und ein frohes Treiben – lassen!

  7. Pingback: Welchen Stift nehmen? Der Ausbleichtest. | flaschenposten

  8. Briefeschreiberin

    Vielen Dank für die ausführliche Anleitung!!! 🙂
    Leider wohne ich nicht an der Küste und komme da vorerst auch nicht so schnell hin. Zwar haben wir einen recht großen Fluss, der durch unsere Stadt strömt, aber dafür auch ein Schiffshebewerk.
    Irgendwelche Tipps diesbezüglich, wie man seine Flaschenpost in so einem Fall doch „verschickt“ bekommt?

    • Hm, liebe Briefeschreiberin, da bin ich auch etwas ratlos. Zwar haben auch Flussflaschenposten ihren Reiz, aber Staustufen, Wehre und Schleusen stellen in der Tat ein Hindernis dar. Aber trotzdem solltest du es versuchen! Mit Flaschenposten passieren manchmal so erstaunliche Dinge, dass es viel zu schade wäre, sich dieses kleine Abenteuer zu verkneifen. 😉 Vielleicht hat der Schleusenwärter ein Herz und schleust die Buddel doch gebührenfrei durch. Oder ein Kanufahrer nimmt sie ein Stück per Anhalter mit. Wer weiß?

      Immerhin ist schon eine Flaschenpost, die in den Oberrhein (Schweiz!) geworfen wurde, an der Küste Südafrikas gefunden worden. Okay, da hat jemand noch Platz im Fluggepäck gehabt und ein bischen nachgeholfen, aber was wäre die Welt ohne so liebevolle Menschen! 🙂

      Guck dir doch mal das besagte Schiffshebewerk und seine Umgebung auf einer Karte oder bei Google Earth an. Gibt es da nicht einen Umweg um die Staustufe herum, die die Flasche nehmen könnte? Oder könnte sich eine Radtour in die Umgebung lohnen, so dass du die Post hinter dem Hindernis dem Fluss übergeben kannst?

      Sonst fällt mir nur noch ein, die Buddel jemandem mitzugeben, der Urlaub an der Waterkant macht oder eine Schiffsreise vor hat. Da fällt natürlich das Erlebnis des verträumt Hinterherguckens weg, aber Teamwork ist ja auch was Schönes!

      Oder du lässt dir was ganz Anderes einfallen. Z. B. kann es interessant sein, die Flaschenpost an einem besonderen Ort an Land zu deponieren und dann abzuwarten, was passiert. Ich habe mal eine kleine Buddel in die Ausstellung eines Museums geschmuggelt. Die lag wochenlang da. Es meinten wohl alle, die gehöre dahin. 😀

      Also, versuche es! Lass dir was einfallen!
      Und wenn es nicht auf Anhieb klappt, dann versuche es noch einmal!
      Viel Erfolg! 🙂

  9. Sanna

    Vielen Dank für diesen wunderbaren Artikel! Ich wohne an der Küste und sammle gerade kleine Flaschen um dann daraus diverse „Flaschenpöstchen“ zu machen und Dein Artikel hat mir bei der Vorbereitung wirklich gut geholfen. Auf Siegelwachs wäre ich z.B. niemals alleine gekommen.

    lieben Gruß
    Sanna

    • Hallo Sanna!

      Es hat ja gerade ordentlich von See her gepustet. Wenn du, wie ich annehme, an der norddeutschen Waterkant wohnst, dann lohnt sich sicher ein Strandspaziergang, um interessantes Treibgut zu suchen. 🙂
      Bei kleinen Flaschen solltest du ausprobieren, ob sie schwimmen. Aber auch wenn sie dazu zu schwer sein sollten, braucht dich das nicht abzuhalten. Auch auf Land deponierte Flaschenposten machen manchmal lange Reisen! Guck mal, was meine (ab heute: unsere!) Kollegin Ina hier zu erzählen hat: => https://bottledfortune.wordpress.com/2016/09/08/fundmeldung-22/
      Stöbere mal in Inas Blog herum! Sie hat so tolle Ideen, was man mit kleinen Flaschen machen (und wo man sie verstecken) kann.

      Viel Spaß beim Basteln und Verschicken! Vielleicht finden wir ja mal was voneinander!

  10. Eine Frage hätte ich zum Verpacken der Botschaft: Kann ich sie auch in einen Gefrierbeutel packen, damit sie vor Wasser geschützt ist?

    • Bitte nicht!
      Ganz früher (in den 70er Jahren) hatte ich meine Flaschenbriefe in Gefrierbeutel eingeschweißt, um ganz sicher zu sein. Aber wenn die Flasche doch kaputt geht, dann haben wir Plastik am Strand bzw. im Meer und damit das gleiche Problem wie mit den PET-Flaschen.
      Also lieber die Flaschenpost ganz ohne Plastik gestalten und ein kleines Risiko eingehen, dass das Papier doch feucht wird.

      • okay, daran hatte ich wirklich nicht gedacht. dann also bleistift auf papier – so wie früher

      • Ja, am besten so richtig „old style“. Solche Flaschenposten sind sowieso die schönsten! 🙂 Viel Spaß beim Basteln, Losschicken und …auf Antwort warten! 😉

      • Danke

  11. Jens Lührs

    Hallo Peter (ich bin so frei 😎)
    Ich habe Deinen Link bei Oliver Lück: Flaschenpostgeschichten in der Mitte
    des Buches gefunden 😃(Den Rest hebe ich mir nach den Zeilen an Dich auf)
    Vielen Dank für die tollen Zeilen ‼️‼️
    Ich bin nun gerade 75 geworden und mehr oder weniger mit dem Wasser und der
    See groß geworden. Die männlichen Lührschen Vorfahren sind alle zur See
    gefahren… Leider – oder doch nicht? – habe ich eine Rot/Grünschwäche
    damit war die Seefahrt – zumindest an Deck – passee!
    Habe aber dann mit Sender und Empfängertechnik auf Seeschiffen zu tun
    gehabt. Alles mittlerweile längst überholt‼️
    Ich werde also in naher Zukunft eine – oder mehrere- Buddel/s mit Inhalt füllen
    und auf die Reise schicken. VERSPROCHEN ‼️

    • Herzlich willkommen im Club, lieber Jens! 🙂
      Tja, die Sende- und Empfängertechnik auf See, die können wir doch auf unsere ganz eigene Weise ausgestalten. Ganz ohne Bits, Bytes und Satelliten! 😉
      Ich wünsche dir viel Spaß beim Flaschenpostschreiben! Wer weiß, vielleicht finden wir ja mal Post voneinander.
      Frohes Treiben-Lassen!

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