Wie und warum?

Tips zum Basteln und Schreiben von Flaschenposten und Gedanken darüber, warum man so was überhaupt macht.

Aschenflaschen. Wie damit umgehen?

In einem anderen Artikel (bitte auch die Kommentare dort lesen!) hatte ich schon Flaschenposten erwähnt, die die Asche Verstorbener enthalten. Zuerst war mir das Phänomen in einer Notiz von Nicola White begegnet. Sie schrieb auf ihrem Website:

It is the most poignant we have found, and was a bottle containing the ashes of a young lady called Clare who had been about to sail the world before very sadly, she died without fulfilling her wish. Her family hoped that by sending her ashes out to sea, her spirit would be set free.  I have no doubt that it did.

Dann die erwähnte Geschichte von Gary Robert Dupuis. Dessen sterblichen Überresten war eine Banknote beigefügt, dazu die Einladung, mit dem Geld frohgemut einen heben zu gehen und auf den Toten anzustoßen.

Heute begenete mir wieder ein Foto von einer Flaschenpost, die, wie ich annehme, etwas Leichenbrand enthält (ich bin mir dessen noch nicht ganz sicher). Das heißt, wir sollten uns Gedanken machen, wie damit umzugehen ist. Es könnte ja sein, dass so etwas häufiger vorkommt, besonders wenn sich die Bestattungsgesetze in weiteren Ländern lockern. Deshalb möchte ich die Diskussion, die sich in den Kommentaren des Eingangs verknüpften Blogposts entwickelt hat, noch einmal aufgreifen.

Zwei Motive spielen für die Aussendung solcher Aschenflaschen eine Rolle: Weiterlesen

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Flaschenposten: Rätsel, Faszination und Form.

At the same time that we are earnest to explore and learn all things, we require that all things be mysterious and unexplorable, that land and sea be infinitely wild, unsurveyed and unfathomed by us because unfathomable.

(Henry David Thoreau, Walden.)

Seine Großmutter, so erinnert sich Bruce Chatwin, hätte in einem Schränkchen allerlei Kurositäten gehütet. Darunter sei auch ein mit einer Stecknadel auf eine Karte geheftetes Hautstück eines vorsintflutlichen Tieres gewesen. Angeblich von einem Brontosaurus. Die Dame hatte das seltsame Souvenir von ihrem Cousin, einem abenteuerlustigen Seemann, zugeschickt bekommen. Der war irgendwann in Patagonien landfest geworden und hatte dort unter anderem nach Fossilien gesucht. Das Lederstück stammte aus der Ausbeute von Funden, die er in einer Höhle in Feuerland ausgegraben hatte.

Bei näherem Hinsehen entpuppte sich der Hautfetzen mit den borstigen roten Haaren nicht als Rest eines Sauriers, sondern eines Riesenfaultiers. Aber das focht den kleinen Bruce seinerzeit nicht an, denn auch ein pleistozänes Mylodon war exotisch genug, um die Phantasie des Jungen zu beschäftigen und das Fernweh des späteren Weltreisenden zu wecken.

Bei noch näherem Hinsehen dürfte sich die Geschichte als Chatwins Erfindung erweisen, wie so vieles in der Biographie des Schriftstellers. Aber das soll uns nun wieder nicht anfechten, denn die Story ist wirklich gut. Und sie illustriert bestens das Thema, um das es hier gehen soll. Weiterlesen

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Strandjutter als Trauerbegleiter? Noch einmal zur Frage der Flaschenbriefe an Verstorbene.

Vor zwei Wochen ging die Nachricht durch die Medien. Der 54jähige Steve Mershon hatte am Strand von Florida die Flaschenpost eines Fünftklässlers gefunden.

Flaschenbrief Jonathan Torres

Foto: Steve Mershon

Dieser schreibt darin an seinen verstorbenen Freund Daniel. Er stellt sich vor, was sie wohl machen würden, wenn Daniel noch am Leben wäre: mit all den Kumpels  American Football, Fussball und Basketball spielen. Er erinnert an die gemeinsame Vorliebe für den Popsänger Austin Moon. Und er wünscht ihm im Jenseits viel Freude mit Jesus.

Steve Mershon war gerührt. Und er schrieb einen ausführlichen Antwortbrief. Ein Brief voll Mitgefühl, Anerkennung und Ermutigung. Er verspricht, Jonothans Flaschenbrief auf einer Kreuzfahrt erneut dem Meer zu übergeben.

Allerdings hatte Mershon keine Adresse des Jungen. Er entschied sich, Jonothans Zeilen und die eigene Antwort über Facebook zu verbreiten.

[…] You see, I find lots of things on the beach, and the best ones I keep.. I have shelves full of wood, shells, sunglasses and, yes, bottles.. Jonothan, your bottle, with your letter to your best friend, is the most beautiful thing I have ever found. It would trump anything in my collection.. But I can’t.. Won’t.. You threw that bottle out to show your love for your best friend.. It is meant to be shared.. I took pictures of it, and shared it with friends on my Facebook page.. It tugged at many heartstrings, Jonothan.. But it’s going to be shared with more people.. […]

Ob Jonothan den Brief gelesen hat, wissen wir nicht. Auf jeden Fall löste er ein breites Echo aus. Viele waren bewegt, sowohl von der Flaschenpost wie auch von Mershons Umgang damit.

Aber nicht alle würden so handeln. Über das Kontaktformular dieses Blogs erreichte mich vorgestern Abend eine Mail aus den Niederlanden. Der Verfasser meint, Steve Mershon solle unbedingt den Flaschenpostschreiber ausfindig machen und ihm den Brief zurücküberstellen.

Nun, ich bin sicher, der Finder wird sein Bestes getan haben, um den Jungen ausfindig zu machen und direkt mit ihm in Kontakt zu treten. Aber der Fall rührt an eine grundsätzliche Frage, die ich hier zur Diskussion stellen möchte: Weiterlesen

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Botschaften in das Jenseits und Briefe an die Nereïden. Die religiöse Facette der Flaschenpost.

Am Strand von Cape Cod findet Theresa Osborn eine Flaschenpost. Der Inhalt ist nicht etwa die Bitte eines Kindes um eine Nachricht des Finders, wie die Journalistin mit Rückblick auf ihre Kindheit vermutet hatte, sondern ein ergreifender Liebesbrief. Gerichtet ist er an eine Verstorbene: Catherine. Absender: G. Keine weiteren Angaben, die eine Antwort an den Flaschenpostschreiber möglich machen.

So die Ausgangssituation, aus der Nicholas Sparks seinen Roman „Message in a Bottle“ (deutsch: Weit wie das Meer) entwickelt. Bekannt wurde die Erzählung 1999 durch die Verfilmung mit Kevin Costner und Robin Wright in den Hauptrollen.

Flaschenbriefe an Menschen, die nicht mehr unter uns sind, sind gar nicht mal selten. So wie hier.  Oft offenbaren sie eine feine und ausdrucksvolle Art der Trauer. Wer einen Menschen loslassen muss, braucht eine Form, um den Gefühlen Ausdruck zu geben. Weiterlesen

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Flaschenpost-Performance und die Disposition der Finder.

Steve Meyer führte im Jahr 2000 ein interessantes Flaschenpost-Experiment durch. Er deponierte 100 Flaschenposten an verschiedenen Orten in Hamburg. Irgendwo vor Haustüren, in Treppenhäusern, an der Bushaltestelle, im Waschsalon, dem Besucher-WC eines Theaters, in Geschäften.

Das Erstaunliche: Nur von acht Findern kam eine Rückmeldung. Das ist weniger als bei den ein Jahrundert zuvor weltweit von der Seewarte Hamburg ausgesetzten Driftflaschen. Die hatten immerhin einen Rücklauf von 13 %, obwohl sicher ein großer Anteil an Klippen zerschellt ist, in Mangrovensümpfen hängen blieb oder an den Stränden der Atacama- und der Namib-Wüste von Dünen begraben wurde. Außerdem war damals der Analphabetismus weit verbreiteter als heute, so dass mancher Finder wohl nichts rechtes mit dem darin steckenden Formular anzufangen wusste. Die von Meyer in der modernen Metropole ausgesetzten Flaschen mussten dagegen zwangsläufig früher oder später gefunden werden. Und eine Antwort dürfte sicher kein Problem gewesen sein.

Woran lag es also, das so wenig Resonanz kam? Meine These: Weiterlesen

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Lück, Locke und die Philosophie der Flaschenpost.

Sauwetter da draußen! Mit stillem Vergnügen reibe ich mir die Hände. Billie, die temperamentvolle Tochter von Alexandra, leistet ganze Arbeit! Billie ist ein kleines Sturmtief, das gerade am Rande der machtvollen Nordmeer-Zyklone Alexandra (die hatte zeitweilig einen Kerndruck von 940 hPa) über Jütland hinweg in Richtung Ostsee gelenkt wird.

Handfester Südwestwind: genau richtig, um ein kleines Geschwader von sieben Flaschenposten aus der Kieler Bucht in den Fehmarnbelt zu treiben. Sieben Flaschenposten? So viele hatte ich noch nie auf einmal losgeschickt. Wie es dazu kam, will ich nun erzählen. Eine etwas längere Geschichte.

E-Mails

Es begann Anfang November mit einer E-Mail des Journalisten Oliver Lück. Er schrieb mir, dass er an einem Buch über Flaschenposten in der Ostsee arbeite, die von einer Frau in Lettland gefunden worden seien. Genauer gesagt, es ginge über die Menschen, die sie losgeschickt hätten und die er an Hand ihrer Flaschenpostgeschichten porträtieren wolle.

„Für weitere, etwas kürzere Geschichten in diesem Buch möchte ich auch Menschen besuchen, die ebenso schöne Flaschenpostgeschichten erzählen können. So wie Sie es sicherlich können… Hätten Sie Zeit, mir im November oder Dezember mehr über Ihr ungewöhnliches Hobby zu erzählen?“

Ich wurde neugierig. Weiterlesen

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Welchen Stift nehmen? Der Ausbleichtest.

Hinweis: Offensichtlich wird dieser Beitrag oft angezeigt, wenn man im Web nach „Flaschenpost basteln“ sucht. Wer eine ausführliche Bastelanleitung für eine Flaschenpost sucht, der findet sie => hier. Dort hatte ich schon die Frage eines geeigneten Stiftes für Flaschenposten angesprochen. Dazu jetzt mehr:

Viele Flaschenbriefe, die eine längere Seereise hinter sich haben, sind nur noch mit Mühe zu lesen. Manche sogar gar nicht mehr, wenn man nicht gerade kriminaltechnische Methoden anwendet. Wer also einkalkulieren muss, dass seine Post eine Weile unterwegs ist, möglicherweise sogar unter der Tropensonne, der sollte darauf achten, dass seine Zeilen der UV-Strahlung standhalten.

Um herauszufinden, welches Schreibwerkzeug unter diesen Gesichtspunkten geeignet ist, habe ich einen kleinen Versuch gestartet. Weiterlesen

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