Ein ganz und gar ungewöhnlicher Flaschenposttag.


Screenshot, NDR-Fernsehen, Sendung DAS! 16.05.2014

Screenshot, NDR-Fernsehen, Sendung DAS! 16.05.2014

 

Die Geschichte begann vor etwa drei Wochen. In meinem E-Mail-Postfach fand ich eine Nachricht, abgesandt über das Kontaktformular dieses Blogs:

Hallo,

wir bereiten für unsere Sendung DAS! verschiedene Beiträge zum 10. Mai/Hafengeburtstag vor. Ich bin Autorin und kümmere mich um Flaschenpost-Geschichten für die Sondersendung. Ich würde gerne mit Ihnen zum Thema telefonieren, wenn es geht. Gerne können Sie mich anrufen unter […]. Ich freue mich auf Ihre Rückmeldung. Herzliche Grüße aus Hamburg: Gabriella Balassa NDR Fernsehen, Redaktion DAS!,

Etwas später, nach meiner Rückmeldung, eine erste Konkretisierung:

Könnten Sie sich vorstellen, dass Sie mit uns kurz drehen und ein kurzes Interview geben zum Thema Flaschenpost?

Das sie etwas zu Flaschenposten machen wollte, kam mir plausibel vor. Die Kieler Buddel von 1913, die ein Fischer kürzlich aus seinem Schleppnetz zog, wird nämlich gerade in einem Museum im Hamburger Hafen ausgestellt.  Aber wieso sollte ich dazu etwas sagen? Die Fachleute für Flaschenposten sitzen schließlich in Hamburg, direkt am Hafen. Nämlich im Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie, wo in der Bibliothek nicht nur jede Menge Fachliteratur steht, sondern auch eine große Flaschenbriefsammlung gehütet wird. Ich gebe zu, dass ich etwas irritiert war.

Also rief ich diese Frau Balassa an. Und sie erzählte mir, was sie vorhatte. Ich sollte zeigen, wie man eine Flaschenpost herstellt!

„Hmm, – das ist kein Hexenwerk, das kann ihnen ein zwölfjähriger Buttje in Hamburg auch vormachen.“

Nein, ich sei ja so was wie ein „Experte“. Und es gäbe ja einen Film von diesem Paddler, der Flaschenpost sammelt – sie meinte meinen Kollegen Franky -, und nun wollte sie einen Beitrag über jemanden drehen, der Flaschenpost verschickt. – Na ja, Flaschenpost verschicken, das macht Franky auch, und er versteht was vom Handwerk. Aber okay, meinetwegen sollten sie mich dabei drehen, obwohl ich mit meinem Spleen lieber in Deckung geblieben wäre. Immerhin, ich hatte noch nie erlebt, wie so eine Fernsehsendung gemacht wird. Das reitzte mich dann doch irgendwie. Ich versprach, mir den vorgeschlagenen Tag für den Dreh zu reservieren und ein paar Requisiten bereitzuhalten.

Immer noch war mir nicht klar, was es in dem Film für Bilder geben sollte. Schließlich sind meine Flaschenbriefe keine kalligraphischen Meisterwerke, sondern simple Textausdrucke aus dem Computer. Sie aufzurollen, in eine Flasche zu stecken und ins Wasser zu werfen, ist eigentlich keine besonders filmenswerte Sache, dachte ich. Auch konnte ich von keinen spektakulären Reisen meiner Buddelbriefe berichten. Die Korrespondenz mit meiner Brieffeundin aus Jugendtagen, die sich aus meiner allerersten Flaschenpost ergeben hatte, war nach diversen Umzügen verschollen. Das konnte ich also auch nicht vorzeigen.

Wenigstens die Flaschen wollte ich ein wenig aufpimpen, damit sie auf den Aufnahmen was darstellten. Mit roter Porzellanmalfarbe bekamen zwei von ihnen knallige Streifen verpasst, so dass sie wie kleine Seezeichen aussahen.

Vielleicht lies sich bei den Dreharbeiten ja auch jene Frage klären, die mich länger schon beschäftigt hatte. Auf vielen Zeichnungen, Graphiken, Buchumschlägen und manchmal sogar auf (getürkten!) Fotos werden Flaschenposten so dargestellt, dass sie aufrecht, mit dem Flaschenhals nach oben im Wasser dümpeln. Nur tun sie das in Wirklichkeit normalerweise nicht. Eine normale Flasche schwimmt horizontal. Woher kommt also die Vorstellung, eine Seeflasche würde mit der Mündung nach oben schwimmen? Unbestreitbar eines der großen Rätsel der Menschheitsgeschichte! 😉

Die Lösung liegt in einem Gelehrtenstreit des 19. Jahrhunderts begründet. Damals versuchte man, Meeresströmungen aus der Treibrichtung von Flaschenposten zu erschließen, deren Abwurf- und Fundposition man protokollierte. Aber was hatte diese frühen Drifter nun vorangetrieben? Mehr der Wind oder war es wirklich die Strömung des Wassers? Also musste man dafür sorgen, dass die Flaschen möglichst weit untertauchten, um dem Wind keine zu große Angriffsfläche zu bieten. Und dazu beschwerte man sie mit Sand, gerade so weit, dass sie gerade noch schwimmen konnten. Dieser Ballast drückte den Flaschenboden unter die Wasseroberfläche und der Hals reckte sich nach oben. So also kommt dieses gängige Bild zustande, ohne dass jemand darüber nachdenkt, wieso.

Das, dachte ich, könnte man in dem Film doch demonstrieren. Dazu brauchte ich Sand. Kein Problem. Ich hatte als Drehort die Landspitze am Leuchtturm Bülk vorgeschlagen. Da gibt es etwas Sandstrand.

Für das Wochenende vor dem Drehtermin war ein fettes Hoch über ganz Mitteleuropa vorausgesagt. Ich ahnte Schlimmes: Ostwind! Der würde die Buddeln gleich nach dem Ins-Wasser-Werfen an den Strand zurücktreiben. Irgendwelche sonnenhungrigen Badegäste könnten uns bei dem Unternehmen beobachten und die Flaschen nach einer zweiminütigen Driftfahrt gleich wieder aufsammeln. Doof irgendwie. Jedanfalls kein besonders romantischer Gedanke.

Tag für Tag kontrollierte ich nun Wetterkarten und Strömungsprognosen. Hochs sind hartnäckig, wenn die sich erst mal festgesetzt haben… Aber dann erschienen über den Britischen Inseln kleine Tiefs, die langsam Richtung Nordsee vorankrochen. Ich atmete auf. Von Dienstag auf Mittwoch sollte uns eine Kaltfront überqueren, der Wind müsste also drehen. Allerdings hieß das auch: Regen in der Nacht und am Morgen.

Regen macht mir nichts. Nur wollte ich keinen nassen Sand in die Flasche füllen. Das hätte das Papier aufgeweicht. Am Dienstag war es noch trocken. Ich schwang mich aufs Rad und düste zum Wiker Strand. Das ist eine Ecke am Ufer der Kieler Innenförde. Viele Spaziergänger bleiben dort stehen, um das Segelschulschiff Gorch Fock zu fotografieren, das dort an der Tirpitzmole seinen Liegeplatz hat. Die 50 m Strand dort finden zum Glück wenig Beachtung. Dort wird nämlich jede Mengen Schiet und Dreck angespült. Plastiktüten, Fischkisten, Holzpaletten, Fast-Food-Verpackungen und was weiß ich nicht alles. Ziemlich unappetitlich, der Anblick. Aber immerhin, zwischen Schilfbüscheln und leeren Colabuddeln, weit genug weg von einer halbverwesten Rattenleiche, konnte ich mir ein paar Handvoll Sand in meinen Beutel schippen.

Übrigens hatte ich hier schon zwei mal Flaschenpost gefunden. Die eine von einem kleinen Mädchen, das wohl gerade mal seinen Namen schreiben konnte. Aber der war schön bunt hingemalt. (Freudiges Gequietsche, als ich damals bei ihr anrief!). Die andere von zwei Jungs, die auf angekokeltem Papier eine obskure Räuberpistole zum Besten gaben, irgendwas von einer Entführung oder so. Beim näheren Hinsehen entpuppte sich das Kidnapping jedoch als harmloser Besuch bei Oma. 😀

Nun gut, ich schlenderte also wieder in Richtung Fahrrad und…

– blieb wie von Donner gerührt stehen! Da lag doch tatsächlich…

…oder nein, doch nicht. – Zu oft schon war ich von halb abgelösten Etiketten, die von unten durch das Glas schimmerten, getäuscht worden!

Doch!

Halb hinter angetriebenem Tang versteckt lag eine klare Einliterflasche mit weinrotem Schraubverschluss. Darin ein Zettel, auf der Innenseite beschrieben. Von außen versuchte ich zu erkennen, was da stand. Das ging auch recht gut:

Schönberg, Mittelstrand,

den 29. April 2014

Moin moin, liebe(r) Finder(in),

Wir haben diese Flaschenpost von der Buhne 30 in Schönberg losgeschickt und Sarah (10), Leonie (9), Daniel (5), Emely (3), Paul + Ulrike würden sich sehr freuen, wenn du uns eine Nachricht schicken würdest. Wir wohnen in […]

Viele liebe Grüße!

Das war der Hammer! Ich hatte in meinem Leben bislang nur drei mal eine Flaschenpost gefunden. Und genau am Tag, bevor das Fernsehteam anrücken wollte, die vierte! Die konnten wir also vor laufender Kamera öffnen und den Brief herausholen!

Sollte ich vielleicht sicherheitshalber noch mal zum Friseur? Lieber nicht. Wenn der mich unter der Schere hatte, sehe ich immer so segelohrig aus. Aber wenigstens selber anständig frisieren? Nee, lieber keine Experimente. Aus unerfindlichen Gründen haben mir Fön und Bürste irgendwann mal den Krieg erklärt und lassen keine Gelegenheit aus, mich zur Lachnummer zu machen. Also blieb ich „einfach so“. Kleidungsmäßig möglichst unauffällig, damit mich die Zuschauer leichter übersehen.

Mittwoch, 11:00 Uhr, sie sind pünktlich da. Frau Balassa, eine äußerst charmante Frau mit einem leichten ungarischen Akzent und regelrechter Begeisterung für meinen Flaschenpost-Spleen. Ihr Kameramann, ein breiter, gutgelaunter Gemütsmensch mit einer ungeheuer positiven Ausstrahlung. Die offene Art der Beiden bewirkte, dass ich mich nach und nach entspannte und auch der Frosch im Hals eine Schlankheitskur machte, auch wenn er sich weigerte, sich vollständig zu verdröseln.

Und der Tontechniker, der offensichtlich der Auffassung war, dass er die Geräusche aufzunehmen und nicht zu machen hatte. Jedenfalls redete er nicht viel mehr als nötig, weswegen ich ihn spontan als Seelenverwandten betrachtete. (Ich hätte an diesem Tag am liebsten gar nicht geredet!)  😉 Sympathische Leute, allesamt!

Kurzes Briefing im Wohnzimmer, ich erklärte, dass die Situation für mich neu sei. Ich hatte noch nie was mit Fernsehen gemacht. Ich hatte nicht mal einen Ferseher, war also nicht einmal als Zuschauer auf dem Laufenden, wie so eine Sendung funktioniert. Frau Balassa beschrieb ihr Vorhaben: einen vielleicht zweiminütigen Kurzbeitrag für die DAS!-Sondersendung zum Hafengeburtstag und, weil sie das so spannend fand, einen zweiten gut doppelt so langen Film für eine weitere Sendung wollte sie drehen. „Wir machen einen ganz normalen Flaschenposttag!“ meinte sie, womit sie auf einen Blogpost von mir anspielte.

Vor unserem Strandausflug ging es aber Einkaufen. Auf dem Parkplatz vor dem Supermarkt bekam ich ein kleines schwarzes Puschelchen an den Anorakkragen geklemmt. Das sollte ein Mikrofon sein. Das Übertragungsgerät wurde an den Gürtel gesteckt, das Kabel unter dem Anorak verlegt.

„Sagen Sie mal was, – wegen der Lautstärke.“ – „Ich rede normalerweise ziemlich leise. “ Irgendwelche Skalen leuchteten auf dem Aufzeichnungsgerät des Tontechnikers auf.  „Okay, danke.“

Ich schnappte mir einen Einkaufswagen und zockelte in den Laden, schob ihn an Getränkeregalen und Feinkostartikeln vorbei. Vor dem Essig- und Ölsortiment setzte ich die Kennermine eines Kunsthändlers beim Besuch einer Vernisage auf und räsonierte über Flaschendesign, Wandungsstärken und Verschlussformen. Frau Balassea klimperte mit den Augen und strahlte mich mit einem Blick an, der selbst Özis Herz zum Schmelzen gebracht hätte: Ach so, ja, – ich sollte nicht nur auf die Buddel meiner Begierde, sondern auch mal Richtung Kamera gucken. Pflichtschuldigst grinste ich zurück. 😀

Das schönste Spielzeug war dabei eine kleine Kamera, die ungewöhnliche Blickwinkel ermöglichte: Mal stand sie hintem im Regal, mal unten im Einkaufswagen, mal war sie oben am Griff festgeklemmt. Aus dem banalsten Vorgang lässt sich so eine herrliche Show machen.

Dann wollte ich unbedingt die Fundstelle meiner gestern gefundenen Flaschenpost zeigen. Wir fuhren Richtung Tirpizmole. Dort präsentierte ich stolz die Buddel vom Schönberger Strand.

„Die Flaschenpost ist aber nicht so richtig professionell gemacht?“ Die Redakteurin hatte meine sophistische Bastelanleitung im Kopf, die streng vorschrieb, den Zettel aufgerollt zusammenzubinden, damit er gut aus der Flasche flutscht. Ich reagierte  sperrig. Da hatte mir eine fremde Familie einen lieben Gruß über die Förde zutreiben lassen und ich sollte nun schulmeisterlich dran herummäkeln? Und das auch noch im Fernsehen? Nee, die Kinder sollten doch stolz auf ihre Driftbuddel sein und möglichst bald wieder eine auf die Reise schicken. Außerdem, so hatte irgendein Regisseur mal gesagt, sollte man im Film nicht über Dinge reden, die man in Bildern zeigen kann.

Und das Zeigen der Zangengeburt folgte nun. Ich setze mich in den Sand und klempnerte mir aus einem Kleiderbügel ein paar Haken zusammen. Die Operation, den Zettel aus der Flasche zu holen, wurde ein Abenteuer! Das Papier war doch etwas feucht und aufgeweicht und bildete ein dickes Knäuel, das partout nicht durch den Flaschenhals wollte. Aber die Kamera lief, das Ding musste raus! Vielleicht hätte ich vorher eine Kurs bei Franky belegen sollen? Oder wenigstens meinem eigenen Rat folgen, die Friemelei in Ruhe zu Hause zu bewerkstelligen?

Na ja, als der Zettel schließlich draußen war, sah er aus, als hätte ihn Klaus Störtebecker bei seiner letzten Seeschlacht in der Hosentasche getragen. Ziemlich zerfleddert nach dieser Prozedur, so richtig stylish, wie es sich für einen Flaschenbrief gehört! – Nur um eine Anstellung als Chirurg brauche ich mich nun wohl nirgendwo mehr zu bewerben…

Mittagspause am Leuchtturm-Pavillon in Bülk. Die Regenfront hatte sich gen Osten verabschiedet, wir konnten draußen sitzen. Auf dem Handy der Journalistin kamen Meldungen aus Hamburg. Mit einem anderen Beitrag, an dem sie beteiligt war, war richtig was am kochen! Ein Skandal um ausgebeutete Fremdarbeiter in der Fleischindustrie, die Firma wollte den NDR verklagen. Dagegen war unser Orchideenthema wohl reinster Urlaub!

Dann kam der Part, in dem meine Driftflaschen seeklar gemacht werden sollten. An welchem Tisch sollte ich mein Flaschenpostbüro aufbauen? Ich wollte nicht in die Sonne blinzeln müssen, ich gucke ja auch so schon immer ziemlich verkniffen. Der Kameramann wollte die Förde im Hintergund haben. Ich breitete meine Utensilien aus, rückte den Stuhl zurecht. Anorak zu, damit man das Mikrofonkabel nicht sieht! Inzwischen war es angenehm warm geworden, in meinem zugeknöpften Zustand begann ich zu schwitzen.

Screenshot, NDR-Fernsehen, Sendung DAS! 16.05.2014

Screenshot, NDR-Fernsehen, Sendung DAS! 16.05.2014

Als erstes kam ein kleines, altertümlich wirkendes Fläschchen dran, das ich für meine maritim-postalischen Zwecke bei einer Aufräumaktion in Opas Werkstatt gerettet hatte. Witzig, welche Details dem Team wichtig waren! Der Kopierstift zum Beispiel, mit dem ich Datum und Abwurfpostion auf dem Flaschenbrief notierte. Eigentlich ein simpler Bleistift, nur dass dem Graphit der Mine Tinte beigemischt war, was die Schrift unradierbar macht.

Um das nostalgische Outfit zu komplettieren, hatte ich Siegellack mitgebracht. Und ein Sturmfeuerzeug, das, wie der Name sagt, auch bei so einer Freiluftaktion funktioniert, wenn… ja, wenn der Feuerstein nicht gerade total abgeraspelt ist. Mist, gestern gings noch, – typischer Vorführeffekt!

Screenshot, NDR-Fernsehen, Sendung DAS! 16.05.2014

Screenshot, NDR-Fernsehen, Sendung DAS! 16.05.2014

Aber nach einigen Versuchen tropfte dann doch die rote Masse auf den Korken und das Fläschlein bekam den ultimativen Retro-Look. Bei den anderen Flaschen sparten wir uns das Gekokel. Ich schrieb Längen- und Breitengrade auf, rollte, klammerte zusammen, klebte Randstreifen von Briefmarkenblöcken um die Rollen, stempelte(!), verkorkte, schrieb, rollte, klammerte, klebte…

…und vergaß, meine Briefe zu unterzeichnen*. Egal, jede anständige Flaschenpost beinhaltet ein Geheimnis! 😉

Nächste Szene: Ich auf der Leuchtturmplattform (die Wirtin hat den Schlüssel), die Aussicht genießend. Wirklich schön, der Blick von da oben: die weite See, das Steilufer bei Stohl, leuchtende Rapsfelder im Schwedeneck. Für mich Erholung, denn ich musste nichts reden. Nicht reden tu ich nämlich am liebsten! Für das Team weniger erholsam, denn sie mussten ihr ganzes Equipment 22 Meter die Wendeltreppe hochschleppen. Und wieder runter.

Proben für den Abwurf. „Wie werfen sie?“ Der Kameramann wählte seine Einstellung. Ein paar Mal holten wir die Flasche an einer Drachenleine, die wir am Morgen noch besorgt hatten, wieder ein.

„Werfen Sie doch mal so, dass sich die Flasche ein paar mal in der Luft dreht. – Das zeigen wir dann in Zeitlupe.“ Der Kameramann machte es vor. Im „Platsch“ bei der Landung war ein leises „Knack“ zu hören. Frau Balassa hatte nur noch die Mündung an der Leine und der Rest der Flasche dümpelte halb abgesoffen im Wasser. Tja, eine Flaschenpost kann zwar gut schwimmen, aber mit dem Fliegen hat sie es nicht so ;-).  Nach einem kurzen sparsamen Blick retteten wir Korken und angefeuchtetes Papier und ich bestückte damit eine Ersatzflasche. Gleiche Form, nur ohne das kirschrote Make-Up ihrer Vorgängerin, deren Trümmer beim Pavillon in die Tonne wanderten.

Dann wirbelten die Buddeln schließlich endgültig in die See und ich verabschiedete sie mit einem herzlichen „Treib-gut!“

Screenshot, NDR-Fernsehen, Sendung DAS! 16.05.2014

Screenshot, NDR-Fernsehen, Sendung DAS! 16.05.2014

Die zu einem Viertel mit Sand gefüllte Weinflasche trieb tatsächlich „aufrecht“ und wesentlich langsamer als die anderen. Der Wind hat also zumindest einen Einfluss auf die Geschwindigkeit. Aber welchen Weg das gläserne Trio nun nimmt, bleibt abzuwarten. Ich tippe mal auf die Westküste von Fehmarn. Hoffentlich gibts eine Reaktion!

So ging ein  ganz und gar ungewöhnlicher, aber wunderschöner Flaschenposttag zu Ende. Ein ganzer Tag Dreharbeiten mit für mich vielen neuen Eindrücken. Für vielleicht zwei oder drei Minuten im Fernsehen? Na, vielleicht fühlt sich ja jemand inspiriert, selbst ein paar Flaschenposten auf den Weg zu bringen. Bestimmt viel schönere, als ich sie mache!

______________________

Post scriptum: Manchmal ist es auch bei Fernsehsendungen so wie bei Flaschenposten: Man weiß nicht richtig, was draus wird und wo sie  landen!

Beim Hafengeburtstag waren unsere Erlebnisse jedenfalls nicht dabei, an dem Tag war wohl einfach zu viel Anderes auf dem Plan.  Schließlich landete das Filmchen als kleines Dessert in einem Beitrag mit dem Segelabenteurer Andreas Griebel am 16. Mai (ab Min.28:20). Passt doch prima! Frau Balassa rief gerade rechtzeitig an, so dass wir uns schnell noch in den Livestream des NDR reinklicken konnten.

„Er ist ein Vollprofi, mit Kennerblick scannt er seine Beute…“

Wir haben so gelacht!

„So eine Flaschenpost ist bei jedem Sammler heiß begehrt!…“

Köstlich! Ich schmeiß mich weg! Fehlt nur noch, dass sie erzählt, mein bezetteltes Altglas sei auf ’ner Kunstauktion bei Christie’s wieder aufgetaucht!

Ein echt schräger Vogel, dieser Retro-Kommunikationsrevoluzzer! Also denn:

Flaschenpostler aller Strände, vereinigt euch!

Die Zangengeburt des Flaschenbriefes von Buhne 30 kam leider nicht mit rein. Schade, da hätten sich die Kiddies bestimmt riesig gefreut, wenn sie „ihr“ Stück wiedererkannt hätten. Aber es soll evtl. noch eine größere Themensendung zu Flaschenposten geben. Vielleicht ist da dann ja nicht nur Platz zum Machen, sondern auch zum Auf-Machen von Postbuddeln.

Also, die Spannung bleibt!

*Ach so, bevor ich es vergesse: Natürlich gebe ich auch Autogramme! Aber die gibts nur verkorkt am Spülsaum. 😉 😀

Fotos:  Screenshots (Ausschnitte), NDR-Fernsehen, Sendung DAS! 16.05.2014, mit freundlicher Erlaubnis des Norddeutschen Rundfunks.

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Kategorien: Persönliche Geschichten | Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , , , , , , | 8 Kommentare

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8 Gedanken zu „Ein ganz und gar ungewöhnlicher Flaschenposttag.

  1. Was für ein toller, unterhaltsamer und ausführlicher Bericht! Ich finde, DAS! hat da doch einen ganz netten Bericht draus gemacht. 🙂 Das war bestimmt ein spannender Tag und ich bin mir sicher, dass Du mit diesem Bericht viele Leute inspiriert hast, selbst mal eine Flaschenpost auf den Weg zu schicken. Wie schön durch Deinen Bericht zu erfahren, dass ich es eigentlich instinktiv mit dem Sand richtig gemacht habe. Denn ich wollte bei meinen beiden Flaschenposten vermeiden, dass der Wind sie gleich wieder zurück an den Strand treibt. Nur frage ich mich, ob das viele Hin-und Her schaukeln auf die Dauer nicht den Brief zerstört…

    Für mich steht jedenfalls fest: wenn ich das nächste Mal wieder am Meer bin, werde ich eine neue Flaschenpost auf die Reise schicken!

  2. Das ist in der Tat ein toller Bericht. Schade, dass es das Öffnen der Flaschenpost nicht wenigstens in Auszügen in den Beitrag geschafft hat. Hast du den Sendern mittlerweile geschrieben? Haben sie was geantwortet?
    Amüsant finde ich, was du vom Abwurf der Flaschen erzählst 🙂 Ist schon bemerkenswert, dass die einen ganzen Tag drehen und dann nur ein paar Minuten draus werden. Da wird viel Aufwand mit diesem Abwurf getrieben – und dann ganz rausgeschnitten. Aber die paar Minuten sind doch wirlich schön und stimmungsvoll rübergekommen.
    Ich bin gespannt, ob jemand auf die Flaschen antwortet und wie weit auseinander sie gefunden werden. Du schreibst, dass du sie nicht unterschrieben hast, aber offenbar heißt das ja nicht, dass du deine Kontaktdaten nicht hinzugefügt hast.
    Na, dann, diesen und weiteren Flaschen eine gute Reise!

    • Hi Hilke!
      Ja, bei der kleinen Flasche ist eine Mailanschrift dabei. Und bei den anderen sogar eine frankierte Antwortposkarte, die ich ein wenig dem bald 150-jährigen Formular von Georg von Neumayer nachempfunden habe. Na, die muss der Finder wohl erst mal bügeln, bevor er sie in den Briefkasten wirft. *kicher* Die werden sich in der Redaktion wundern, ich glaube, die haben das beim Drehen gar nicht mitbekommen…
      Der Familie von Buhne 30 hab ich inzwischen geschrieben. Das ist doch Flaschenpostlerehre! 😉
      Geantwortet haben sie bislang nicht. Aber wer weiß, – vielleicht kommt ja noch was…
      ____________
      Post scriptum 24.5.2014:
      Heute kam ein ganz lieber Brief von der Familie von Buhne 30.
      Per „normaler Post“ dieses mal. =)
      Mit einem richtig süßen Foto von den Kindern. Hab‘ mich riesig gefreut!!!

  3. gabiwendtland

    Was für ein erlebnisreicher Tag für Dich – und ich finde auch, dass ein sehr netter Filmbeitrag für DAS! herausgekommen ist. Am Tag vor dem Dreh auch noch eine neue Flaschenpost zu finden, ist ja wohl ein Ding … danke, dass Du so ausführlich erzählt und verlinkt hast! Ich hab mir den Film sehr gerne angesehen.

    Liebe Grüße, Gabi (die IMMER noch keine Flaschenpost auf den Weg gebracht hat, obwohl sie bald vier Jahre am Meer wohnt … tsss)

  4. Na, denn man to! 😉 Wenn du loslegst, wird es bestimmt eine absolut geniale Künstlerflaschenpost!

  5. Pingback: Knowledge is a message in a bottle | verzwirnt und zugeleimt

  6. herrlich, dein bericht über den ganz „normalen“ flaschenposttag mit dreharbeiten. ROFL

  7. Pingback: Presse, Funk und Fernsehen. | flaschenposten

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