Tauchflaschenpost: Wie man Geheimdienste austrickst. ;-)


Eigentlich wissen wir es ja alle. Un-eigentlich verdrängen wir es gern. Wer ins Internet geht, Suchmaschinen benutzt oder in sozialen Netzwerken aktiv ist, wird ausgespäht. Tante Google speichert Suchbegriffe und aufgerufene Websites. Facebook analysiert jedes „like“, greift Daten aus dem Smartphone ab, erstellt Bewegungsprofile. Man braucht nicht einmal viele Angaben über sich selbst zu machen, – allein die App auf dem Handy lässt Big Brother aus Orwells Roman 1984 alt aussehen. Auch wer nach jeder Internetsitzung brav alle Cookies aus dem Browser löscht, behält ein mulmiges Gefühl. Youtube merkt sich auch so, was wir da zuletzt angeguckt haben. Und spätestens seit der Enthüllungen eines Edward Snowden wissen wir, dass die Geheimdienste sowieso alles scannen, was an Bits und Bytes über die großen Server läuft. Sogar Adressen von analoger Post wird für die NSA abfotografiert.

Und doch gibt es eine Nachrichtenform, die den Schlapphüten durch die elektronischen Lappen geht. Weil sie nicht elektronisch ist. Klar, ich meine die Flaschenpost!

Ich konnte mir das Grinsen nicht verkneifen. So treibt eine kleine Buddel mit einem netten Brief von China womöglich direkt nach Nordkorea und schert sich nicht um Grenzpolizei, Staatsicherheitsdienst, Sperrzonen und was es dort sonst noch so gibt. Einfachheit schlägt Überwachungstechnik!

Ob die Grenzschützer auf ihren Patroullienbooten wohl auf so was achten?

Hm, – vielleicht könnte eine kleine zusätzliche Tarnung nicht schaden?

Bei einer Plauderei mit dem Journalisten Oliver Lück hatte ich eine kleine technische Finesse entworfen: die Tauchflaschenpost, die sich wie ein U-Boot unter der Wasseroberfläche fortbewegt. Sie schwimmt nicht selbst, sondern hängt an einer Leine, die an einem unscheinbaren Stück Treibholz festgebunden ist. Übrigens eine ideale Möglichkeit, kleine, nicht schwimmfähige Flaschen für unser Geschäft zu verwenden.

Tauchflaschenpost 3

Der Prototyp.

Am 23. März 2015 ging der Prototyp im Eckernförder Hafen auf Fahrt. Dazu hatte ich eine kleine Flasche, in der mal japanisches Heilpflanzenöl war, als Flaschenpost präpariert und mit einer Juteschnur an dem Rest einer Fichtenholzleiste befestigt. So ganz perfekt war die Erfindung noch nicht, denn ich hatte die Leine für den Abwurf um das kantige Brettchen gewickelt (Bild ganz oben). Deshalb konnte sie sich nicht gut abrollen. Auch war frisch gesägtes Holz weithin sichtbar, also nur eine mittelmäßige Tarnung.

Das nächste Exemplar war schon etwas ausgereifter. Da diente ein Ast als Schwimmer, was schon eher nach richtigem Treibholz aussieht. So konnte ich das Patent dann der Öffentlichkeit vorstellen.

Tauchflaschenpost FP81

Tauchflaschenpost mit Luftpostaufkleber. Und Luftpostpapier.

Ich hatte nämlich zufällig mitbekommen, dass die Swansea School of Glass (University of Wales Trinity Saint David), ihre jährliche Ausstellung im dortigen National Waterfront Museum 2016 unter das Thema „Message in a Bottle“ gestellt hatte. Dazu waren auch Beiträge von außerhalb willkommen. Hilke, Ina und meine Wenigkeit schickten also Kostproben unseres Schaffens. Eigentlich hatten wir Drei darum gebeten, dass unsere Exponate nach der Ausstellung dem Meer übergeben werden, denn es waren ja alles richtig seetüchtige Flaschenposten. Aber wir haben alle nichts mehr davon gehört. Eine Bootstour auf dem Bristol-Kanal mit großem Splashmob anlässlich der Finissage hat es jedenfalls nicht gegeben. Überhaupt zeigten sich die Ausstellungsmacher absolut leidenschaftslos.

Vielleicht stehen unsere Objekte ja jetzt irgendwo als Deko auf der Fensterbank. Oder sie werden nach 100 Jahren in einer muffigen Krimskramskiste im Institutskeller wiedergefunden und haben dann echten Museumswert.

Meine Tauchflaschenpost könnte auch in der Asservatenkammer des MI6 gelandet sein. Zu Schulungszwecken. Ich weiß ja nicht, wie schlau die so sind. 😉

Wie auch immer, es gab hier hin und wieder mal Bazillen in Schach zu halten. Und das Einzige, was ich einer Erkältung an Positivem abgewinnen kann, sind diese kleinen Medizinfläschchen. Ich schaffe es einfach nicht, sie wegzuwerfen. Also habe ich am Wochenende das Bonsai-Leergut einem Upcycling unterzogen.

Tauchflaschenposten

Als wenn Flaschenposten an sich nicht schon geheimnisvoll genug wären…

Montag Vormittag hatte es noch geregnet, aber dann klarte es auf und meine Liebste und ich entschlossen uns zu einem spontanen Ausflug nach Laboe. Der in den Ferien und an Sommerwochenenden überlaufene Badeort vor den Toren Kiels zeigte sich beschaulich. Schade nur, dass die Moccafee, unser kürzlich entdecktes neues Lieblingscafé, heute Ruhetag hatte. Aber so hatten wir viel Zeit, den Strand entlang zu bummeln, es uns auf einem Findling unterhalb des Steilufers gemütlich zu machen und einfach nur die Augen schweifen zu lassen.

Tauchflaschenpost FP88a

Komplett: die Tauchflaschenpost.

Der Südwind hatte Wasser aus der Förde herausgetrieben, der Pegel war bestimmt 30 bis 40 cm niedriger als normal. Im flachen Wasser waren Sandbänke sichtbar geworden. Rund einen halben Kilometer weit erstreckten sie sich vor uns. Kanada- und Graugänse rasteten in der Sonne. Ein Brachvogel flog herbei, ließ sein charakteristisches Trillern ertönen und begann in den Pfützen nach Nahrung zu stochern.

Ich stromerte ein wenig herum, weil ich für meine Tauchflaschenposten noch Treibholz als Schwimmer brauchte. Jedoch fand sich nur ein einzigens brauchbares Stück, ganz offensichtlich das Relikt eines Lagerfeuers. Daran tüdderte ich eines der beiden Fläschchen fest. Das andere muss also noch warten.

Wegen des niedrigen Wasserstandes war an ein Aussetzen an Ort und Stelle nicht zu denken. Das erfolgte dann bei der Rückfahrt vom Fördedampfer aus. (Weil wir ja genaue Preussen sind: 11.09.2017 um 18:25 Uhr bei ca. 54°23’55“ N, 10°12’19“ E.) Kaum war das Stück im Wasser, so hatte ich es schon aus dem Blick verloren. Dunkles Holz: perfekte Tarnung! Bestimmt schlechter zu orten als das U-Boot, dass vorhin auf dem Weg zum Manöver hier vorbeigezogen war.

Tauchflaschenpost FP88b

Auf zu neuen Ufern!

Gefunden wird sie nur, wenn heftiger Wellenschlag den Schwimmer irgendwo weit genug auf den Strand wirft. Und wenn jemand wirklich ganz aufmerksam hinguckt, die um das Holz getörnte Leine entdeckt und neugierig genug ist, daran zu ziehen. Für genau so jemanden ist diese Flaschenpost nämlich gedacht!

8.10.2017

Nun ist auch die andere Tauchflaschenpost unterwegs. Nach dem dauerregen der letzten Tage hatte uns der heitere Himmel zu einem Strandspaziergang an der Förde herausgelockt. Nicht nur uns, denn es herrschte auf der Promenande zwischen Schilksee und dem Leuchtturm Bülk reger Betrieb. „Um die Ecke“, also am Strand Richtung Schwedeneck, war wesentlich weniger los. Besuchermäßig, denn die Natur hatte hier viel mehr zu bieten: kräftigen Wind aus NW, der ordenlich Wellen ans Ufer rauschen ließ und große Packen an Tang, die dort von der Brandung aufgetürmt wurden.

Ich habe mein Medizinfläschchen an einem ca. einen Meter langen Zweig festgebunden (der Wind der letzten Tage hat so einiges von den Bäumen gerissen) und um 16:30 Uhr nicht weit vom Leuchtturm Bülk ausgesetzt (54°27’03“ N, 10°11’44“ E). Wegen der langen Leine hatte das Gebinde zunächst noch Grundberührung und wollte sich nicht gleich seewärts begeben. Es wehte in Landlee nur eine schwache Brise aus WSW, aber schließlich haben es Wind und Wellen doch geschaft, die kleine Flaschenpost in tieferes Fahrwasser zu schleppen. Als ich nach einer halben Stunde zurückkam, war jedenfalls nichts mehr davon zu entdecken.

Hoffentlich hat der Finder einen Faible für die Kurzgeschichten von Edgar Allen Poe. Oder er kennt wenigstens einen, der einen kennt, der sie kennt. 😉

Advertisements
Kategorien: Persönliche Geschichten, Sammelsorium | Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , | 6 Kommentare

Beitragsnavigation

6 Gedanken zu „Tauchflaschenpost: Wie man Geheimdienste austrickst. ;-)

  1. Es lebe die Neugier! Hoffentlich löste sich die Flasche nicht unterwegs von dem Holz-

  2. Darüber habe ich auch schon nachgedacht. Die Knoten, – Konstriktor- und Tarbuckknoten -, sollten eigentlich sicher sein. Jute verfilzt auch, deshalb lassen sich die Knoten selbst schlecht lösen. Womit ich keine Erfahrung habe, ist, ob sich Jute dehnt, wenn sie nass wird. Dass sich die Steke dan lockern, ist das eigentliche Risiko der Konstruktion.

    Irgendwann wird die Leine auch verrotten. Aber bis dahin ist die Flaschenpost hoffentlich gefunden! 🙂

  3. Pingback: Die Kunst, eine Flaschenpost zu gestalten. | flaschenposten

  4. Wie immer viel Glueck fuer deine Flaschenpost! Hast du denn diesmal einen Absender angegeben und so eine Chance zu hoeren, wenn sie gefunden wird?

    • Ja, habe ich. Jedenfalls bei der letzten (Laboe). Beim Prototyp (Eckernförde) gab/gibt es eine Geheimschrift zu knacken, wenn ich mir recht erinnere.

  5. hey, das ist ja mal wieder eine geniale idee! 🙂 bin gespannt auf die fundmeldung! übrigens flaschenpost von china …. ich denke, dass ich eine stumme fundmeldung von südkorea in der statistik habe 😉

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Bloggen auf WordPress.com.

%d Bloggern gefällt das: