„Geldschein aus Flasche herausbekommen“ oder: Ein Brief als Geschenk


Mit einer Mischung aus Schmunzeln und Stirnrunzeln betrachte ich diese Tage die Statistik meines Blogs. Mein Artikel Wie man einen Flaschenbrief aus der Flasche bekommt hat mal wieder Konjunktur. Allerdings nicht, weil es etwa nach den ersten Winterstürmen Scharen von Strandjuttern an die Küsten treibt, die dort haufenweise Flaschenposten einsacken würden. Nein, keineswegs!

Gelegentlich angezeigte Suchbegriffe zeigen, um was es geht. „Wie bekommt man einen Geldschein aus Flasche?“ steht da. Oder nur kurz in Kleinbuchstaben „geld aus flasche“. Es werden zu Weihnachten und auch schon vorher wieder Geldgeschenke und Gutscheine als Flaschenpost verpackt, um die Nüchternheit (oder Gedankenlosigkeit?) der pekuniären Gabe durch ein bisschen Seefahrtsromantik zu tarnen.

Okay, bei manchen Menschen weiß man ja wirklich nicht, was man denen schenken könnte. Solchen, die schon alles haben (aber wozu brauchen die dann noch Geld?). Oder, nachvollziehbarer, denen, die auf was Größeres sparen. Oder Leuten, die man nicht näher kennt (aber muss mann denen unbedingt was schenken?). Oder wenn einfach der Abstand, beispielsweise zwischen Großeltern und Enkeln so groß ist, dass sich die Einen nicht mehr in die Anderen hineinversetzen können.

Klar, da wirkt einfach nur schmuckloser ein Schein in einem Umschlag doch etwas lieblos. Aber wenn es denn in Form einer Flaschenpost sein soll, dann doch bitte auch mit ein bisschen Sorgfalt! Das heißt, das Papier, egal ob Bares, Scheck oder Gutschein, sorgfältig zusammenrollen und zusammenbinden, so dass der Empfänger die Gabe auch gut wieder herausbekommt! Denn es wäre doch eine wenig stimmungsvolle Bescherung, wenn der Beschenkte mit der Buddel erst einmal in den Keller zuckeln und Hammer nebst Arbeitshandschuhen rauskramen muss, um die so stilvolle Verpackung zu zertrümmern. Wer sucht denn schon gern sein Geschenk zwischen Glassplittern heraus?!

Auch wenn man sich bei einer Geschenkflaschenpost um Dichtigkeit oder ausbleichende Tinte keine Gedanken machen muss, so gelten fürs Basteln sonst die gleichen Kriterien wie für eine seetüchtige Driftbuddel (Bastelanleitung auf der Startseite).

Für alle, die nun doch so ein unprofessionell gemachtes Geldgeschenk oder auch eine Einladung in einer Flasche bekommen haben und den eingangs verknüpften Artikel nicht durcharbeiten wollen: am besten geht es, das Papier mit zwei langen Schaschlickspießen, Orchideenstäben oder ähnlichem herauszufischen. Man muss die Beute dabei drehen wie Spagetti auf der Gabel.

Und jetzt kommt mir, bei allem Naserümpfen über manche missglückte Romantik, noch eine Idee!

Brief2

Wertvolles Geschenk: ein persönlicher Brief!

Eben erwähnte ich den Abstand zwischen Großeltern und Enkeln. Und dabei meinte ich nicht die geographische Entfernung, die dem Familienzusammenhalt in unserer auf Fexibilität angelegten Gesellschaft zu schaffen macht. Ich meine auch den Unterschied in der Lebensform und im Lebensgefühl.  Meine Großeltern konnten mir guten Gewissens Bücher schenken, die sie selbst aus ihrer Jugendzeit kannten. Heute kennt die kaum noch jemand. Nun bin ich selbst schon ein älteres Semester, „in den besten Jahren“, wie man so sagt, aber noch lange kein Greis. Aber ich habe schon Probleme, zu verstehen, wie die „Generation Handy“ so tickt. Wie wird es erst sein, wenn ich selbst mal Enkel habe?

Also schreibt doch mal einen Brief. Von einer Generation an die andere¹. Schreibt über euch selbst und stellt Fragen. Versucht einander kennenzulernen, über Altersunterschiede und ihre Folgen für das Lebensgefühl hinweg. Diesen Brief dürft ihr dann auch gerne zusammenrollen – zusammenbinden nicht vergessen! – und zusammen mit Muscheln oder anderen schönen Dingen in eine stilvolle Glasflasche stecken. Ein wundervolles Geschenk, wie ich finde!

Wenn das Kennenlernen funktioniert, dann fällt euch vielleicht auch ein passenderes Geschenk ein als (nur) ein frisch gedruckter, aber doch nüchterner Geldschein.


¹Das wäre auch mal eine Idee für eine Zeitkapsel: eine Flaschenpost oder ein Kästchen mit einem Brief und evtl. zeittypischen Dingen so zu verstecken, dass die Nachricht erst nach langer Zeit wiedergefunden wird.

Kategorien: Sammelsorium | Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , | 3 Kommentare

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3 Gedanken zu „„Geldschein aus Flasche herausbekommen“ oder: Ein Brief als Geschenk

  1. Ina

    sehr schön beschrieben, lieber peter! ja, ich habe auch schon gutscheine/geld in einen brief eingerollt und als „flaschenpost“ verschenkt. die idee liegt einfach nahe, wenn man richtige flaschenposten versendet 🙂
    liebe grüße!

    • Ja, ich erinnere mich, wie ich die kleinen Zettelchen, aus denen dein Brief bestand, aus der grünen Flasche (Foto) fischte, auseinanderwickelte und als Puzzle zusammensetzte. 😃

      • Ina

        das ist der sinn einer „schnipseljagd“ 🙂

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