Die Kunst, eine Flaschenpost zu gestalten.

Hier geht es um das Schreiben und Basteln von Flaschenposten. 🙂 Damit meine ich nicht ein besonders verpacktes Geldgeschenk, einen Hochzeitsglückwunsch oder eine Einladung zu einem Kindergeburtstag, sondern echte hochseetaugliche Briefbuddeln, die persönliche Botschaften über das Meer oder den Fluss hinunter tragen.

Für alle, die nach Basteltips suchen, klebe ich diese Anleitung auf die Startseite, damit es gleich losgehen kann. (Eine Kurzfassung für Kinder  gibt es =>hier.) Aber auf diesem Blog gibt es natürlich viel mehr Flaschenpostgeschichten zu entdecken. Ich lade deshalb herzlich dazu ein, mal in den „neuesten Beiträgen“ oder in den „Artikeln nach Themen“ in der rechten Spalte zu stöbern! (Dazu evtl. ein bischen nach unten scrollen. Bei Handys ganz nach unten!) Oder auch mal einen Suchbegriff in das Textfeld darüber einzugeben und zu gucken, was dann kommt. Alle unterstrichenen oder blauen Begriffe, auch in den Texten, sind Verknüpfungen („links“) zum weitersurfen. Viel Freude dabei!

Aber nun gehts los:

Flasche her, Zettel rein, Deckel drauf, – und tschüß!

Maritime Romantik, in Glas gefüllt.

Flaschenpost: maritime Romantik, in Glas gefüllt.

Das ist simpel, dafür braucht man keine Anleitung. Die allermeisten Flaschenposten entstehen so. Manch einer  stopft einfach eine Visitenkarte in die Buddel*. Okay, so kanns gehen. Gegen solche Spontanflaschenposten ist auch gar nichts einzuwenden, oft sind gerade sie für besondere Überraschungen gut. Aber wenn man etwas Zeit hat, darf eine Flaschenpost schon etwas mehr Mühe wert sein, finde ich. Immerhin geht es darum, ein Stück maritime Romantik in das technische Zeitalter zu retten, einem Menschen eine Freude zu machen oder auch zum Nachdenken anzuregen. Deswegen hier ein paar Impulse zum Herstellen von richtig stilvollen Flaschenposten.

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Eilpost zum Albuen. Eine Fundmeldung

An Haken bleibt was hängen. Das liegt in der Natur der Dinge. Das gilt auch für Nehrungshaken. Jedenfalls blieben meine Blicke an einem Nehrungshaken hängen, als ich vor längerer Zeit mal mit dem Finger auf der Landkarte unterwegs war. Landkarten lese ich wie andere Leute ein Lifestyle-Magazin. Ich hatte ein Blatt von der Kieler Bucht vor der Nase und spekulierte herum, wo meine Flaschenposten bei diesem oder jenem Wind wohl landen könnten. Bei Südwestwind wäre Lolland eine Möglichkeit. Und dort, ganz im Westen, erstreckt sich eine schmale Landzunge entlang des Langelandbælt fünf Kilometer nach Norden und biegt dort in den Naksov Fjord um.

Schön dort, dachte ich. Eine typische Nehrung. Meilenweit Strand, vieleicht Dünen. Karg, herb, vielleicht außerhalb der Ferien auch etwas einsam: mit einem Hauch von Wildnis, die es in Mitteleuropa so wenig gibt. Sicher könnte man dort Vögel beobachten, dachte ich mir: Regenpfeifer, die am Spülsaum entlangtrippeln, Gänse und Enten, die in der Zugzeit in der Bucht rasten…

Dann vergaß ich das alles wieder.

Albuen Strand

Meilenweit nichts als Strand und Dünen: der Albuen. Foto: Susann G.

Bis zum 30. März. „Flaschenpost Nr. 123 gefunden, Albuen, Dänemark“ lautete da der Betreff einer E-Mail in meinem Postfach. Hoppla, Albuen, das war, wie ein Blick auf Google Earth verriet, genau der Strandhaken, an dem ich vor einigen Jahren hängengeblieben war!

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Hilsen fra Danmark: Es hagelt Fundmeldungen

Auf der Eckernförder Bucht blitzte ein Feuerschein auf und das Kriegsschiff hüllte sich in weißen Rauch. Einige Momente später hallte der Kanonendonner zu uns an den Strand herüber. Ich hob mit einer schlappen Bewegung die Hand an die Mütze.  – „Danke, Jungs! Aber wegen dieser schofeligen Flaschenpost braucht ihr doch nicht Salut zu schießen.“

Besagte Flaschenpost stand für ein Abschiedsfoto vor mir auf den kleinen Strandwall bei Surendorf. Schofelig war sie deshalb, weil ich die olivgrüne Buddel gegen meine Gewohnheit nicht sorgfältig ausgespült und getrocknet hatte. Es waren ein paar Tropfen Rotwein dringeblieben, die sich auf den Papierröllchen zu malerischen Flecken verwandelt hatten und dem Entstehungsprozess eine besondere Note – Bordeaux, wenn ich mich richtig erinnere – gaben.

Startklar: die unscheinbare Flaschenpost 119.

Dann schleuderte ich die Meerespost in die Förde. Wegen des flachen Strandes gab es wohl eine kurze Grundberührung, die auf dem sandigen Grund aber ohne Schaden für die Buddel blieb. Die trieb gemächlich, – sehr gemächlich! -, Richtung Norden ab.

Wieder krachte eine Salve über das Wasser. Das militärische Zeremoniell hätte nun wohl meinerseits das Dippen der Flagge vorgesehen. Als hoffnungsloser Zivilist stand mir Behufs dessen allerdings nur ein benutztes Schnupftuch zur Verfügung, weswegen ich diesen Teil des Protokolls lieber ausließ. Unsere Strandwanderung setzten wir dann ohne weitere Förmlichkeiten fort. Den Kormoranen, die mit erhabenem Blick auf Findlingen und Kriegstrümmern hockten, war das ohnehin egal.

Die Wanderstrecke, die meine Liebste und ich vor uns hatten, war die selbe wir bei unserem letzten Besuch, den ich in meinem vorletzten Beitrag beschrieben hatte. Nur dass dieses Mal keine Scharen von Badegästen den Strand bevölkerten, die die damals überraschend hochsommerlichen Temperaturen ausnutzen wollten. Statt dessen trafen wir neben besagten Seeraben nur einen Schwarm Graugänse an, die auf der Durchreise in den Süden Rast machten. Allerdings wirkten sei etwas ratlos, denn alle Strandcafés und Imbissbuden hatten geschlossen. Als wir uns näherten, machten sie respektvoll Platz, obwohl wir glaubwürdig versicherten, dass wir für Weihnachten Rinderrollbraten vorgesehen hatten.

Aber dann ging es hinauf auf das Kliff. Die Oststürme der letzten Wochen hatten wieder einiges von der Küste weggerissen. An einigen Stellen hing die Kliffkante über, was uns mächtig Respekt vor den Naturgewalten einflößte. Auf dem schmalen Pfad war deshalb Vorsicht angesagt.

Die Stürme fordern Tribut.

Als wir nach etwa drei Stunden am Leuchtturm Bülk ankamen, wurde es schon dunkel. Zu dunkel, um noch ein Abschiedsfoto von den zwei Briefbuddeln zu machen, die ich noch im Rucksack hatte. Schade eigentlich, denn die Nr. 120 war eine richtige Bilderbuch-Flaschenpost. Ich hatte mal am Straßenrand eine leere Whisky-Flasche gefunden. Und die hatte eine richtig altmodisch stilvolle Form, auf dem Glassiegel das Gründungsdatum der Brennerei, – viel zu schade für den Altglascontainer. Also nahm ich sie mit, reinigte sie gründlich und verwandelte sie in eine malerische, kaminsimstaugliche Driftbuddel. Nun flog sie von der Buhne, um ihre Seereise zu beginnen.

Die dritte Flaschenpost des heutigen Tages, Nr. 121, war etwas nüchterner: eine zylindrische Essigflasche. Dafür enthielt sie Schwärmereien von den weiten Stränden der Normandie. Wegen ihres Gewichtes tauchte die Flasche tiefer ins Wasser ein als ihre Vorgängerin. Es war also eine langsame Flaschenpost, mehr von der Strömung als vom Wind getrieben. Deswegen ging ich davon aus, dass sie auch einen anderen Weg nehmen würde.

Dabei waren die ersten hundert Meter durchaus heikel. Der Wind aus Südsüdost trieb die Flaschenposten nämlich auf das Ende einer 80 Meter weiter nördlich gelegenen Buhne zu. Würden sie daran vorbeikommen? Obwohl die aus der Kieler Förde herauslaufenden Wellen, gebeugt durch die Buhne, auf der ich stand, dort direkt ans Ufer schlugen, war ich zuversichtlich. Wellen zeigen nicht immer die tatsächliche Strömung an. Die kann ja durch die nächste Buhne wieder nach außen gelenkt werden, so hatte ich es dort schon einmal beobachtet.

Leider hatte ich hier keine Gelegenheit mehr, das Manöver der schwimmenden Glaskolben weiter zu verfolgen. In den folgenden Tagen schielte ich aber immer wieder auf die Wetterkarten. Ein stabiles Hoch über Osteuropa. Über Westeuropa ein paar kleine Tiefs, die da Ringelpiez mit Anfassen spielten, aber nicht richtig voran kamen. Wind aus südlichen Richtungen. Mal mehr südwestlich, mal aus Süd, meistens aus Südost. Ich rechnete mit Fundmeldungen aus Schwansen, mehr oder weniger von gegenüber.

„Hej Peter,
Fandt din post på stranden ”Horne sommerland” i dag.
Hilsen Lena fra Fyn“

So lautete eine E-Mail vom 7. Dezember. Das konnte ich auch ohne Übersetzungprogramm lesen. Lena hatte, wie meine Nachfrage ergab, Nr. 119 gefunden, die Rotweinflasche. Von Surendorf bis zum Fundort auf der dänischen Insel Fünen sind es 67 Kilometer Luftlinie, von der Buddel zurückgelegt in 13 Tagen. Macht gut fünf Kilometer pro Tag, und da sind Zickzack-Kurs und Kringel in den fast stündlich wechselnden Strömungen noch gar nicht mitgerechnet. Ein solides Tempo! Was Lena über meine flaschenpostologischen Fachsimpeleien im Buddelbrief gedacht hat, hat sie mir nicht geschrieben. Ist wohl auch besser so. 😉

Weite Sicht über den Aabenraa Fjord. Foto mit freundlicher Erlaubnis Anders N.

Gut 30 Kilometer weiter westlich, auf der anderen Seite des Kleinen Belts, waren am gleichen Tag die Schwiegereltern von Anders am Strand unterwegs. Die Familie hat dort in Flovt Strand ein Sommerhaus. Auf ihrem Spaziergang fanden sie Flaschenpost 120, – die Whisky-Buddel. Zusammen mit ihren beiden Enkeln ( sechs und acht Jahre alt) wurde die Sendung geöffnet. Alles trocken und in gutem Zustand, wie mir Anders N., der Vater der Jungs, in einer netten E-Mail schrieb. Nun, total trocken sind die Zettel wohl nicht geblieben, zumindest haben die Büroklammern einige Rostflecken hinterlassen.

Flaschenpost 120 Inhalt b

Etwas rostfleckig, schauderhaftes Englisch, aber sonst in gutem Zustand. Foto mit freundlicher Erlaubnis Anders N.

Ich schätze mal, meine in der Flasche mitgereisten Beiträge zum Thema Walfang mit den abenteuerlichen Bildern könnten die Phantasie der Jungs ordentlich beschäftigt haben. Jedenfalls waren die Erwachsenen von meinem Gedanken, bei den Reisebeschränkungen der Corona-Pandemie ein paar nette Zeilen und Grüße per Flaschenpost nach irgendwohin zu schicken, sehr angetan. Jetzt will die Familie selbst eine Briefbuddel auf große Fahrt gehen lassen. Vielleicht finde ich sie ja einmal.

Für die nautisch interessierten Leser: die Flaschenpost Nr. 120 ist 95 Kilometer (50 sm) weit gekommen, also (mindestens) 7,3 Kilometer pro Tag.

Nr. 121 war, wie ich beim Abwurf schon sehen konnte, eine langsame Flaschenpost. Sie brauchte 18 Tage bis sie am 12. Dezember am Strand von Ærø gefunden wurde (42 km Luflinie vom Abwurfort). Weich auf Tang gebettet fand sie dort Tarik, der einen Besuch auf der Insel genutzt hatte, früh morgens an den Strand zu gehen und das Mittagessen zu angeln. Auch an ihn ganz herzlichen Dank für die Fundmeldung und die beigefügten Fotos.

FP 121

Auf Tang gebettet: Flaschenpost Nr. 121. Foto mit Freundlicher Erlaubnis Tarik K.

Drei Flaschenposten, drei Fundmeldungen. Das kann sich sehen lassen!

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Zeitkapsel 2020/21: eine Einladung

2003 wurde bei Bauarbeiten im KZ Auschwitz eine Flaschenpost endeckt. Sie enthielt einen auf den 9. September 1944 datierten Zettel mit den Namen von sieben Insassen, ihre Häftlingsnummern und ihre Heimatorte in Polen und Frankreich. Sie wollten offensichtlich Zeichen ihrer Existenz hinterlassen, bevor sie im Nichts der Vernichtungsmaschinerie verschwanden.

Noch späktakulärer war ein Glasgefäß mit mehreren hineingeknüllten Papieren, das 1975 in einem Wald bei Neubrandenburg ausgegraben wurde. Es handelt sich um Briefe, Gedichte, eine Zeichnung, Erschießungslisten, Notizen zu medizinischen Experimenten und eine kleine Schnitzerei, geschrieben und angefertigt 1943 von polnischen Frauen, die im KZ Ravensbrück inhaftiert waren. Die Dokumente wurden aus dem KZ zu in der Nähe internierten Kriegsgefangenen geschmuggelt und, da sie nicht an Angehörige und Freunde weitergeleitet werden konnten, in der Nähe eines Grenzsteines vergraben. Einer der beteiligten Kriegsgefangenen erinnerte sich später an die Stelle. Sein Hinweis führte zur Wiederentdeckung dieses einzigartigen Dokumentes.

Zeitkapseln werden öfters mal gefunden: hinter Täfelungen, unter Dielenbrettern, irgendwo eingemauert. Selten ist ihr Inhalt so dramatisch wie bei den oben genannten. Oft haben sich einfach nur Arbeiter und Handwerker mit ihren Namen verewigt. Manchmal enthalten sie auch zusätzliche Informationen, z. B. über den aktuellen Preis des Brotes oder den Wunsch nach friedlichen Zeiten. Gelegentlich gibt es auch umfangreiche Nachrichten zum Bau eines Gebäudes. Bekanntermaßen gehört das Einmauern einer Zeitkapsel traditionsgemäß zur feierlichen Grundsteinlegung eines Gebäudes dazu.

Diesen Brief deponierte mein Urgroßvater 1928 im Sockel einer Tischlampe.

Kürzlich gab es in den USA wieder einen Fund. Das bringt mich jetzt auf eine Idee. Wie wäre es, der Nachwelt Botschaften aus dem Jahr 2020 zu hinterlassen? Klar, 2020 ist bei weitem nicht so bitter wie die Zeit der Weltkriege und der Nazi-Tyrannei. Aber es ist wegen der Corona-Pandemie ein denkwürdiges Jahr, für viele eines mit bedrückenden und auch tragischen Erfahrungen. Aber auch ein Jahr mit vielen kreativen Ideen, mit der Misere unzugehen. Ein Jahr, das zum Nachdenken darüber einlädt, was uns im Leben wirklich wichtig ist. Weiterlesen

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Flaschenpost-Buchtparken

Meine Zunfkollegin Ina hat den Begriff „Flaschenpost-Bingo“ geprägt. Gemeint ist das Glücksspiel beim Aussetzen einer Flaschenpost an einer Gezeitenküste. Da müssen ablandiger Wind und ablaufende Tide zusammenfallen, damit eine Briefbuddel überhaupt von der Küste frei kommt. Und ich habe am letzten Dienstag „Buchtparken“ erfunden. Klingt nach Fahrschule, rückwärts einparken und so. Ist auch genau so kompliziert. Nur nicht ganz so erfolgversprechend, muss ich zugeben. Also auch ein Glücksspiel.

Worum geht es dabei und wie kam es dazu? Eine etwas längere Geschichte.

Versiegelt und seeklar auf Wartepostition: Flaschenpost 116.

Bei mir auf dem Bücherregal hatten sich nach und nach mehrere Flaschenposten angesammelt, die darauf warteten, ihre Reise auf der Ostsee anzutreten. Nur gab es den ganzen Sommer über dazu keine Gelegenheit.

Manchmal mache ich sowiso einen großen Bogen um den Strand. In den Sommerferien, wenn es heiß ist und sonnenhungrige Badegäste dicht gedrängt am Strand liegen wie Seeelefanten an der Küste Südgeorgiens, dann treibe ich mich lieber in der Kunsthalle herum: – Stille, keine Menschen, barfuß über den kühlen Marmor schlendern… Ohnehin gibts bei solchem Wetter meistens Ostwind, und den kann ich hier an der Kieler Bucht nicht gebrauchen. Aber auch sonst hatten wir in diesem Jahr viel Ostwind, weil die Tiefs südlich an uns vorbeizogen.

Wenn dann doch mal eine tüchtige Brise aus Südwest kam, stand dummerweise immer etwas anderes auf dem Zettel. Am letzten Dienstag, dem 22. September, war es endlich soweit. Sowohl der Deutsche Wetterdienst als auch das Webportal https://www.windy.com/ hatten Südwestwind vorhergesagt. Zwar nicht gerade Starkwind, aber aus der richtigen Richtung. Das Wetter war schön, die Temperaturen mit deutlich über 20°C hochsommerlich. Das lud zu einer Wanderung nach Schwedeneck ein. Ich hatte eine schöne Strecke ausbaldowert: von Krusendorf zunächst durch Feld und Flur, dann oben an der Kliffkante entlang weiter Richtung Bülker Leuchtturm, wo ich meine Flaschenposten der Ostsee übergeben wollte. An der Kieler Außenförde schließlich bis Schilksee, von wo uns der Bus wieder nach Kiel zurückbringen sollte. 16 Kilometer insgesamt, eine nette Tagestour.

Gesagt, getan. Meine Liebste, eine Bekannte und ich machten uns auf den Weg. Es war wunderschön. Herrliches Wetter, der weite Blick hoch oben von der Steilküste, zwischendurch Kaffee und Kuchen auf der Terrasse vom Strandhaus bei Dänisch-Nienhof.

Aber was war das? Weiterlesen

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Die Flaschenposten des Otto Maaßen. Gedanken zu Briefbuddeln eines Romans

Warten, dass der Wind sich dreht.

Komische Wetterlage. „High over low“ nennen es die Meteorologen: Hochdruck über Nordskandinavien, Tiefs über Mitteleuropa, jetzt gerade eines über der Biskaya. Bei uns stetiger Ostwind, die ganze Woche schon. Also muss meine neueste Flaschenpost weiter auf dem Bücherregal warten, bis der Wind mal wieder auf die offene See hinaus weht. Da ich in letzter Zeit auch keinen Buddelbrief gefunden habe, über den ich erzählen könnte, wollen wir uns zwischendrin mal literarische Flaschenposten anschauen. Aus rein flaschenpostalischer Sicht natürlich, ausschließlich nach Gesichtspunkten der Materialität.

In ihrem jüngst erscheinenen Debütroman „Die letzte Flaschenpost“¹ schildert Annika Kemmeter die Erlebnisse des Kunstgeschichtsstudenten Janis Schütz und seiner Freundin Angelina. Janis hat bei Studien für seine Masterarbeit den Dichter Otto Maaßen kennengelernt und sich mit ihm über Fragen der Kunst ausgetauscht. Maaßen bewundert die Haltung des britischen Streetartkünstlers Banksy zur Vergänglichkeit der Kunst. Das Thema wird für Janis brisant, als Angelina, Enkelin Maaßens, ihm erzählt, dass der Dichter todkrank ist und seinen letzten Gedichtzyklus eben jener Vergänglichkeit preisgeben will. Er plant, die originalen Manuskripte in Flaschenposten dem Rhein zu übergeben, bevor Janis oder sonst irgendjemand sie überhaupt zu Gesicht bekommt. Der entsetzte Student greift zu unkonventionellen Recherchemethoden: Weiterlesen

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Noch einmal die rote Flaschenpost von Föhr: offene Datierungsfragen

In meinem letzten Beitrag hatte ich mich auf die Spur der womöglich ältesten oder zumindest zweitältesten ungeöffneten Flaschenpost begeben. Wir alt sie genau ist, wissen wir nicht, denn von außen sind weder der Absender – sicher irgendein meereskundliches Forschungsinstitut – noch ein Datum zu erkennen. Also musste ich mich auf archäologische Methoden verlegen.

Die Form der Flasche weist Merkmale der sogenannten Torpedoflasche auf, hat aber einen Standboden. Außerdem wurden im offensichtlich gleichen Forschungsprojekt auch noch die altertümlichen Torpedoflaschen benutzt. Die Kampagne mit diesen rot bemalten Buddeln fällt also in die Übergangszeit, in der beide Flaschentypen, – solche mit spitzem und mit flachem Boden -, verwendet wurden. So weit war ich also gekommen. Aber wann genau war das?

Was lag näher, als bei jener Firma anzufragen, die von Beginn der Produktion an (1783!) marktführend im Geschäft kohlensäurehaltiger Erfrischungsgetränke ist: Schweppes. Und ich bekam prompt eine freundliche Antwort aus der Service-Abteilung: Weiterlesen

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Die rote Flaschenpost: Luschern durchs Fenster

So wie manche Paare sich erinnern können, wann genau es zwischen ihnen „gefunkt“ hat, so weiß ich noch die Situation, in der ich mich in die Nordseeküste verliebt habe.

Ich war ein Pöks von elf Jahren und verbrachte in den Sommerferien ein paar Wochen in einem Zeltlager bei Nieblum auf Föhr. Einmal kamen wir recht spät von einem Ausflug zurück. Die Badegäste hatten den Strand geräumt, die Ebbe hatte eingesetzt. Im milden Abendlicht sah ich irgendwelche Watvögel, deren Namen ich als Stadtkind nicht kannte, im Schlick des Watts herumstochern. Gern wäre ich noch dort geblieben, hätte die Vögel beobachet und einfach die Stimmung genossen. Nur ging das nicht, denn obwohl uns unsere Betreuer damals viele Freiräume ließen, allein durften wir nicht an den Strand. Trotzdem blieben die Eindrücke haften.

Sicher kamen damals noch andere Erlebnisse hinzu, die meine Kinderseele prägten. Einmal gab es Sturm und wir Bubies mussten unter ganzem Körpereinsatz die Zeltleinen nachspannen, damit nichts wegflog. Unsere Halligfahrt mit dem Dampfer war auch recht schaukelig, fast die ganze Truppe wurde seekrank. Ich weiß noch, wie ich einmal beim Baden unversehens von der Strömung um hundert Meter versetzt wurde und das erst richtig begriff, als mich ein Betreuer aus dem Wasser pfiff. Natürlich gab es auch eine Wattwanderung nach Amrum. Wir Großstadtkids erlebten zum ersten Mal die Natur, –  hautnah und intensiv.

Museumsbesuche sind in diesem Alter normalerweise nicht so der Kracher. Aber auch im Friesenmuseum in Wyk begriff ich etwas von der Urgewalt der Natur, die dort an der Küste am Werke ist. Da waren alte Karten – früher waren die Landkarten ja noch richtig schön! – die die Küstenlandschaft ganz anders darstellten, als sie heute ist. Was hatten die Sturmfluten nicht alles schon weggerissen!

Manchmal waren es kleine Dinge, die etwas von der Kraft der Natur zeigten. Damals (1971, zwischenzeitlich ist das Museum umgestaltet worden) entdeckte ich in einer Vitrine Seeglas: ein paar Scherben und eine kleine Flasche (eine Parfumflasche, wenn ich mich richtig erinnere), die durch den unablässig über den Strand fegenden Sand vollkommen matt geworden waren.

Eine simple Flaschenpost, die die Phantasie eines Jungen beflügelte.

Und dann war da diese Flaschenpost. In meinem allerersten Blogartikel hatte ich schon davon erzählt. Mit groben Pinselstrichen war sie rot angestrichen, so dass sie Weiterlesen

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