Beiträge mit dem Schlagwort: basteln

Zeitkapsel 2020/21: eine Einladung

2003 wurde bei Bauarbeiten im KZ Auschwitz eine Flaschenpost endeckt. Sie enthielt einen auf den 9. September 1944 datierten Zettel mit den Namen von sieben Insassen, ihre Häftlingsnummern und ihre Heimatorte in Polen und Frankreich. Sie wollten offensichtlich Zeichen ihrer Existenz hinterlassen, bevor sie im Nichts der Vernichtungsmaschinerie verschwanden.

Noch späktakulärer war ein Glasgefäß mit mehreren hineingeknüllten Papieren, das 1975 in einem Wald bei Neubrandenburg ausgegraben wurde. Es handelt sich um Briefe, Gedichte, eine Zeichnung, Erschießungslisten, Notizen zu medizinischen Experimenten und eine kleine Schnitzerei, geschrieben und angefertigt 1943 von polnischen Frauen, die im KZ Ravensbrück inhaftiert waren. Die Dokumente wurden aus dem KZ zu in der Nähe internierten Kriegsgefangenen geschmuggelt und, da sie nicht an Angehörige und Freunde weitergeleitet werden konnten, in der Nähe eines Grenzsteines vergraben. Einer der beteiligten Kriegsgefangenen erinnerte sich später an die Stelle. Sein Hinweis führte zur Wiederentdeckung dieses einzigartigen Dokumentes.

Zeitkapseln werden öfters mal gefunden: hinter Täfelungen, unter Dielenbrettern, irgendwo eingemauert. Selten ist ihr Inhalt so dramatisch wie bei den oben genannten. Oft haben sich einfach nur Arbeiter und Handwerker mit ihren Namen verewigt. Manchmal enthalten sie auch zusätzliche Informationen, z. B. über den aktuellen Preis des Brotes oder den Wunsch nach friedlichen Zeiten. Gelegentlich gibt es auch umfangreiche Nachrichten zum Bau eines Gebäudes. Bekanntermaßen gehört das Einmauern einer Zeitkapsel traditionsgemäß zur feierlichen Grundsteinlegung eines Gebäudes dazu.

Diesen Brief deponierte mein Urgroßvater 1928 im Sockel einer Tischlampe.

Kürzlich gab es in den USA wieder einen Fund. Das bringt mich jetzt auf eine Idee. Wie wäre es, der Nachwelt Botschaften aus dem Jahr 2020 zu hinterlassen? Klar, 2020 ist bei weitem nicht so bitter wie die Zeit der Weltkriege und der Nazi-Tyrannei. Aber es ist wegen der Corona-Pandemie ein denkwürdiges Jahr, für viele eines mit bedrückenden und auch tragischen Erfahrungen. Aber auch ein Jahr mit vielen kreativen Ideen, mit der Misere unzugehen. Ein Jahr, das zum Nachdenken darüber einlädt, was uns im Leben wirklich wichtig ist. Weiterlesen

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„Geldschein aus Flasche herausbekommen“ oder: Ein Brief als Geschenk

Mit einer Mischung aus Schmunzeln und Stirnrunzeln betrachte ich diese Tage die Statistik meines Blogs. Mein Artikel Wie man einen Flaschenbrief aus der Flasche bekommt hat mal wieder Konjunktur. Allerdings nicht, weil es etwa nach den ersten Winterstürmen Scharen von Strandjuttern an die Küsten treibt, die dort haufenweise Flaschenposten einsacken würden. Nein, keineswegs!

Gelegentlich angezeigte Suchbegriffe zeigen, um was es geht. „Wie bekommt man einen Geldschein aus Flasche?“ steht da. Oder nur kurz in Kleinbuchstaben „geld aus flasche“. Es werden zu Weihnachten und auch schon vorher wieder Geldgeschenke und Gutscheine als Flaschenpost verpackt, um die Nüchternheit (oder Gedankenlosigkeit?) der pekuniären Gabe durch ein bisschen Seefahrtsromantik zu tarnen.

Okay, bei manchen Menschen weiß man ja wirklich nicht, was man denen schenken könnte. Solchen, die schon alles haben (aber wozu brauchen die dann noch Geld?). Oder, nachvollziehbarer, denen, die auf was Größeres sparen. Oder Leuten, die man nicht näher kennt (aber muss mann denen unbedingt was schenken?). Oder wenn einfach der Abstand, beispielsweise zwischen Großeltern und Enkeln so groß ist, dass sich die Einen nicht mehr in die Anderen hineinversetzen können.

Klar, da wirkt einfach nur schmuckloser ein Schein in einem Umschlag doch etwas lieblos. Aber wenn es denn in Form einer Flaschenpost sein soll, dann doch bitte Weiterlesen

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Erste Reisegefährten für den Main.

Als heute der Paketpostbote klingelte, wusste ich schon: Da kommt etwas ganz Schönes! Ein Päckchen von Ina, Flaschenpostgestalterin und Autorin des Blogs Bottled Fortune. Sie und zwei weitere Flaschenpostlerinnen hatten mir zugesagt, Kostproben ihrer Kreativität zu schicken. Die will ich demnächst nach Frankfurt mitnehmen und dort dem Main zum Weitertransport übergeben.

Paket

Postflaschenpäckchen, mit süßen Sachen ausgestopft.

Ins Rollen, nein, ins Strömen kam die Sache so: Irgendwann hatte ich hier in der Rubrik Sender und Sammler den Künstler Joachim Römer und seine Installation 1000 und eine Flaschenpost vorgestellt. Das Kunstprojekt war bisher in Bingen und in Duisburg zu sehen. Inzwischen läuft eine Ausstellung mit dem Titel „Mit dem Strom gegen die Zeit: TREIB_GUT FLASCHENPOST“ im Museum für Kommunikation in Frankfurt. Dort wird noch bis zum 16. Oktober 2016 eine Auswahl von 440 der von Römer gefundenen Flaschenposten gezeigt. Museumspädagogische Angebote und Führungen begleiten die Ausstellung. Eine Veranstaltung am 4. September steht unter dem Motto „Der Geist aus der Flasche“. Es wird dabei in einem musikalischen Rahmenprogramm eine Lesung von Oliver Lück aus seinen „Flaschenpostgeschichten“, Vorträge, eine Podiumsdiskussion und eine Führung von Joachim Römer geben. Zu der Talkrunde hat das Museum auf Vorschlag des Künstlers auch Ada Birk und meine Wenigkeit eingeladen. Ich als Blogger könnte etwas zu dem Thema „Flaschenpostgemeinde“ und Networking beitragen.

Klar, dass ich mir das nicht entgehen lasse! Nicht, weil ich mich selbst präsentieren will – eigentlich bleibe ich lieber in Deckung -, sondern weil Weiterlesen

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Die Erste Hanseatische Flaschenpostgesellschaft…

…ist noch nicht aus der Taufe gehoben. Aber der Name klingt doch echt bombastisch, oder? Richtig schade, dass es nirgendwo ein Pergament und Siegel mit den Insignien einer solchen Gilde gibt. Aber wer weiß, was noch kommt! 😉

Gischt beiseite. Vor einigen Monaten saß ich mit einem Mitarbeiter des Internationalen Maritimen Museums in Hamburg bei einem Cappuccino zusammen und schwadronierte voll Begeisterung über all die Leute, von denen ich wusste, dass sie Flaschenposten basteln, welche sammeln oder die im Rahmen von Kunstprojekten Leute zum Buddelbriefschreiben animieren.

Ob es des denn  auch Treffen, Tagungen oder dergleichen gäbe, wollte der junge Mann wissen. Weiterlesen

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Keine Geschäftsidee?

Ich hatte ja schon mal angedeutet, dass es gar nicht so einfach ist, an gute Flaschen für Flaschenposten heranzukommen. An solche, die einigermaßen robust sind und vielleicht auch ein bischen Stil haben.

Zwar trinken meine Liebste und ich gelegentlich mal ein Schlückchen Rotwein, aber das ist doch eher selten. Außerdem sind normale Weinflaschen meistens recht dünnwandig, also für eine Reise auf dem Wasser nur zweite Wahl. Sektflaschen sind dagegen prima, da fällt vielleicht mal eine zu Sylvester an. Hochprozentiges haben wir gar nicht im Haus. Gelegentlich findet mal eine Bitter-Lemon-Flasche den Weg nicht zurück zur Pfandstation. Wieder mit Betonung auf „gelegentlich“. Was bleibt, sind Essig- und Ölflaschen, und das Dilemma damit hatte ich hier ja schon beschrieben.

Ja, Essig- und Öl, dafür gibt es sogar Fachgeschäfte. So mit exquisiten Sorten, die man sich nach Wunsch von Hand abfüllen lässt. Gestern kam ich an einem vorbei. Mein Blick blieb sofort an dem unteren Regal hängen. Ein formenreiches Sortiment an Buddeln war dort aufgereiht! Manche etwas kitschig in Form von Leuchttürmen oder Segelbooten. Aber viele auch sehr stilvoll, robust, und fast alle mit Korkstopfen. Preislich durchaus akzeptabel. Also nahm ich ein paar in Augenschein, die sicher besonders malerische Flaschenposten ergeben müssten.

Essig und Öl

Essig, Öl und jede Menge inhaltsleere Flaschen.

Der Inhaberin war aufgefallen, dass ich ihr Vinegar-Angebot keines Blickes gewürdigt hatte. Weiterlesen

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Wie lange hält ein Korken dicht?

In meiner Bastelanleitung hatte ich erwähnt, dass Korken ziemlich lange halten. Also erhalten bleiben, weil der hohe Anteil von Suberin in der Korkeichenrinde die Zersetzung durch Mikroben verzögert. Aber heißt „lange halten“ auch so „lange dicht halten“? Ich hatte sicherheitshalber  offen gelassen, ob eine verkorkte Flasche, die beispielsweise mit der Titanic ein Jahrhundert auf dem Meeresgrund verbracht hat, wirklich noch Wein enthält. Eine Gustation eines solchen benthischen Tropfens stand ja noch aus.

Nun kann ich nachliefern.  Eine Weinflasche aus dem Wrack des Dampfers Marie-Celestia, der 1864 vor den Bermudas auf ein Riff gelaufen und gesunken war, ist geöffnet worden. Und ein paar Wagemutige haben tatsächlich an der trüben Soße genippt. Na ja, reiner Wein war es jedenfalls nicht mehr, sofern man das schweflige Zeugs überhaupt noch Wein nennen darf. 😉 Ein kräftiges Meersalzaroma und auch eine Note von Benzin (wo kommt auf einem Dampfer Benzin her?) waren nicht zu verleugnen. Immerhin, es war sogar noch Alkohol nachweisbar! Hier die Pressenotiz.

Wer also mit einer so langen Reise seiner Flaschenpost rechnet, der sollte verschlusstechnisch zusätzliche Vorkehrungen treffen, damit die Buddel kein Wasser zieht. Oder eine Flasche mit Porzellanschnappverschluss nehmen. Die haben sich bewährt.

Vor allem aber für die Rückantwort des Finders an einen Nachsendeauftrag bei der Post denken! In 100 oder 150 Jahren kann es ja mal sein, dass man irgendwohin umzieht. 😉

Nachtrag:

Hier ist noch so eine Geschichte, die es sogar zu akademischen Ehren gebracht hat: 2010 bargen Taucher 170 Jahre alte wohlverkorkte Champagnerflaschen aus dem Wrack eines vor der finnischen Küste gesunkenen Handelsschoners. Darunter war auch die heute noch weltbekannte Marke Veuve Cliquot, erkennbar an der gut erhaltenen Prägung der Korken. Biochemiker analysierten – und probierten! – den so lange gut und kühl gelagerten Edeltropfen. Ergebnis: etwas weniger Alkohol als sein heutiges Pendant, aber erheblich mehr Zucker. Sommeliers attestierten dem Schaumwein vom Meeresgrund zunächst ein käsigen Geschmack mit einer animalischen Note, auch nach feuchten Haaren, beim zweiten Anlauf beschrieben sie das Aroma als rauchig, würzig und ledrig. 😀 Ich gehe mal davon aus, dass das Ergebnis nicht auf der Werbeseite der Kellerei erscheinen wird. 😉

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Skulpturen im Atlantik.

Der bayerische Künstler Hans Panschar hat zehn kleine Holzskulpturen „verbuddelt“ und auf einer Fahrt mit der Queen Mary II von Hamburg nach New York abgeworfen. Jeden Tag um 12 Uhr mittags ging eine der Flaschen über Bord. Hier ein Kurzbericht ein über die Aktion und hier ein paar Details auf seinem Website.

Und hier ein Filmbeitrag über einen der Finder.

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