Herborn – Norwegen und retour: Die erstaunliche Reise eines Kassenzettels


Da gab es zwei Jungs, Markus und Paul. Da gab es einen Fluss. Die Dill (wie das Gewürzkraut), und die fließt durch Herborn in Hessen. Da gab es eine Flasche. Und wie das bei Jungs mit Phantasie und einer gesunden Portion Spieltrieb so ist, war die Idee, eine Flaschenpost auf die Reise zu schicken, nur all zu naheliegend. Klar: Wenn Jungs nicht selbst auf einer spanischen Galeone auf Piratenjagd gehen können, dann schicken sie wenigstens ihren Namen in einer Buddel auf große Fahrt.

Was sollte sie abhalten?  Flüsse, sofern sie nicht in einem Salzsee enden oder sonstwie im Wüstensand versickern, haben die Angewohnheit, auf irgendeine Weise den Weg Richtung Meer einzuschlagen. Das musste auch für die Dill gelten.

Das Einzige, was ihnen fehlte, war ein Zettel. Aber auch der war schnell gefunden: ein Bon aus irgendeiner Registrierkasse. Eine spontane Idee fordert schließlich eine spontane Umsetzung, zumal wenn es sich um so ein wichtiges Unterfangen wie eine Flaschenpost handelt.

Bon 1

Kassenbon als Flaschenpost, links das Kassendatum.
(Foto mit freundlicher Erlaubnis von Paul-Gerhard Goerzel).

Ruckzuck wurde er mit den nötigen Informationen versehen:

Bon2

Dreifarbige Autographie der Absender.
(Foto mit freundlicher Erlaubnis von Paul-Gerhard Goerzel).

Und ab ging die Post!

Wer sich mit dem Metier auskennt, der weiß, das Flussflaschenposten meistens nicht besonders weit kommen. Bis zur nächsten Fussbiegung, dem Stauwehr, einer alten Weide, die ihre Äste all zu weit über das Ufer hängen lässt, und schon ist die Reise zu Ende. Ein paar Kilometer, das ist schon viel!

Aber es geht auch anders. Dieser Kassenbon jedenfalls hatte Großes vor.

Er schipperte erst einmal gemütlich die Dill hinunter bis Wetzlar, von da dann in die Lahn, die bei Lahnstein unweit von Koblenz in den Rhein mündet. Tja, und dann tatsächlich weiter bis ins Rheindelta in den Niederlanden und in die Nordsee.  Dort geht die Strömung, wie die frühen Ozeanographen mit Hunderten von Flaschenposten herausgefunden haben, meistens gegen den Uhrzeigersinn im Kreis herum. Also, so steht zu vermuten, reiste die Supermarktquittung die Küste West-, Ost- und Nordfrieslands entlang und ganz Jütland hinauf nordwärts. Immer schön im Zickzack, denn dort herrschen ja Ebbe und Flut, da geht es immer hin und her. Vielleicht auch etliche male im Kreis um die Doggerbank herum, weil Karussellfahren doch so schön ist. Und dann noch quer über das Skagerrak. Wie auch immer, irgendwann  kam die Flasche in Norwegen an. Eine Reise von 1400 km, Zickzack und Karussellfahrten nicht mitgerechnet.

Nach 35 Jahren wurde sie gefunden.

Und zurückgeschickt. Paul war unterdessen von der vorsintflutlichen Flaschenpost auf die Internet-Branche umgestiegen.  Aber obwohl jetzt selbst glücklicher Papi, so lässt ihn der Junge mit der Flaschenpost, der er mal war, doch nicht los. Denn, wie es sich für eine Flaschenpost gehört, gibt es ein ungelöstes Rätsel.

Wer, um Himmels Willen, ist der Finder der Flasche? Er hat seinen Absender nicht auf den Umschlag geschrieben, als er den Papierschnipsel aus der Registrierkasse nach Herford zurück schickte. Das Flaschenpostfinder Mühe haben, den Sender ausfindig zu machen, ist halbwegs normal. Da ist die Schrift im Laufe der Zeit ausgeblichen, der Flaschenbrief an der entscheidenden Stelle zerfleddert oder der Schreiber ist längst sonstwohin gezogen.

Aber warum wollte der Finder in diesem Falle anonym bleiben? Vielleicht, weil er (sie?) kein Englisch konnte oder sich einfach nicht traute? Wer könnte es wissen? Immerhin war ein Foto beigefügt, darauf eine treibende Flasche im Wasser. Aber kein Hinweis auf den genauen Fundort.

Wer etwas dazu weiß, möge bitte Nachricht hinterlassen bei: http://www.facebook.com/pages/Message-in-a-bottle/164096877000637

oder hier als Kommentar.

Hier Pauls Appell im Originaltext:

Hi Friends
Alot of you know that my favorate leisure-time activity is to search small boxes in the woods. Its also known as Geocaching.
But some days ago my brother in law and i were surprised by a real treasure.
We got a letter from norway which says that someone found a bottlemessage from us. the crazy thing about this is, that we threw this bottle in a smal river in Germany… in 1976… 35 Years ago!!!
Unfortunately there was no Adress or something else on the envelope. So we do know nothing about the finder or the place it was found. Thats why we ask for your help here. Please do the following three things:
– Tell the story to your friends, colleagues and fellows. Maybe one of them does know the finder.
– Send this side to as many people as you know on facebook.
– Set a Link to your page. so your will always be up to date what happens next on our search.
Lets see if it is posible to find someone this way on Facebook. It would be very nice to say Thankyou to him/her and to find out more about the found of our ooooooooooooold message in a Bottle.

Thanks to all that will help us.
pauli

__________________________________

Fotos mit freundlicher Erlaubnis von Paul-Gerhard Goerzel.

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3 Gedanken zu „Herborn – Norwegen und retour: Die erstaunliche Reise eines Kassenzettels

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