Beiträge mit dem Schlagwort: Strömung

Im Turbotempo nach Rügen: eine Fundmeldung

Das scheint jetzt so ein running gag zu sein. Wieder war auf einer Postkarte das Empfängerland vermerkt: „Germany“ stand unter der Adresse. Die Karte kam schließlich auch von viel weiter her als die letzte, die ich aus Fehmarn erhalten hatte, und das war ja schon Übersee. Dieses Mal hatten Lara und Sebastian von  Rügen geschrieben. Dort, am Naturstrand Lancken, ganz im Nordosten auf derder Insel Halbinsel Wittow, hatten die beiden Urlauber meine Flaschenpost Nr. 127 gefunden und sich, so ihre Zeilen, „sehr über den abenteuerlichen Fund gefreut“. Herzlichen Dank für die Meldung!

Flaschenpost 128 + 127

Flaschenpost 128 und 127 (rechts) vor der Abreise an der Steilküste von Schwedeneck.

Ich hatte den Flaschenbrief am 1. September geschrieben, dem Internationalen Tag des Briefeschreibens. Allerdings musste sich die Flaschenpost gedulden und etliche Wochen dekorativ auf der Fensterbank herumstehen, bevor es am 26. November endlich von der Steilküste bei Marienfelde (Schwedeneck) los ging. Aber dann machte die Buddel Dampf. Für die rund 200 Kilometer nach Rügen  brauchte sie gerade mal zehn Tage! Wir hatten strammen Westwind in der letzten Novemberwoche. Trotzdem, 20 Kilometer pro Tag sind für eine Flaschenpost ein Mordstempo, finde ich! Schließlich gibt es in der Ostsee keinen Golfstrom. In diesem engen Randmeer ist alles vom Wind abhängig und die Strömung ändert sich manchmal stündlich. Der bisherige Rekord waren zehn Kilometer pro Tag.

FP 127 + 128

Flaschenpost 127 und 128. Im Hintergrund ein Zollkreuzer. Wohl wegen des Kaffees in der linken Flasche.

Auf jeden Fall habe ich mich über die erfolgreiche Reise der Briefbuddel und die Postkarte der Finder riesig gefreut! Hoffenlich hatten sie in ihrem Ferienquartier eine Kaffeemühle. Es waren nämlich ein paar geröstete Bohnen als Fracht mit in der Flasche.

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Die rote Flaschenpost: Luschern durchs Fenster

So wie manche Paare sich erinnern können, wann genau es zwischen ihnen „gefunkt“ hat, so weiß ich noch die Situation, in der ich mich in die Nordseeküste verliebt habe.

Ich war ein Pöks von elf Jahren und verbrachte in den Sommerferien ein paar Wochen in einem Zeltlager bei Nieblum auf Föhr. Einmal kamen wir recht spät von einem Ausflug zurück. Die Badegäste hatten den Strand geräumt, die Ebbe hatte eingesetzt. Im milden Abendlicht sah ich irgendwelche Watvögel, deren Namen ich als Stadtkind nicht kannte, im Schlick des Watts herumstochern. Gern wäre ich noch dort geblieben, hätte die Vögel beobachet und einfach die Stimmung genossen. Nur ging das nicht, denn obwohl uns unsere Betreuer damals viele Freiräume ließen, allein durften wir nicht an den Strand. Trotzdem blieben die Eindrücke haften.

Sicher kamen damals noch andere Erlebnisse hinzu, die meine Kinderseele prägten. Einmal gab es Sturm und wir Bubies mussten unter ganzem Körpereinsatz die Zeltleinen nachspannen, damit nichts wegflog. Unsere Halligfahrt mit dem Dampfer war auch recht schaukelig, fast die ganze Truppe wurde seekrank. Ich weiß noch, wie ich einmal beim Baden unversehens von der Strömung um hundert Meter versetzt wurde und das erst richtig begriff, als mich ein Betreuer aus dem Wasser pfiff. Natürlich gab es auch eine Wattwanderung nach Amrum. Wir Großstadtkids erlebten zum ersten Mal die Natur, –  hautnah und intensiv.

Museumsbesuche sind in diesem Alter normalerweise nicht so der Kracher. Aber auch im Friesenmuseum in Wyk begriff ich etwas von der Urgewalt der Natur, die dort an der Küste am Werke ist. Da waren alte Karten – früher waren die Landkarten ja noch richtig schön! – die die Küstenlandschaft ganz anders darstellten, als sie heute ist. Was hatten die Sturmfluten nicht alles schon weggerissen!

Manchmal waren es kleine Dinge, die etwas von der Kraft der Natur zeigten. Damals (1971, zwischenzeitlich ist das Museum umgestaltet worden) entdeckte ich in einer Vitrine Seeglas: ein paar Scherben und eine kleine Flasche (eine Parfumflasche, wenn ich mich richtig erinnere), die durch den unablässig über den Strand fegenden Sand vollkommen matt geworden waren.

Eine simple Flaschenpost, die die Phantasie eines Jungen beflügelte.

Und dann war da diese Flaschenpost. In meinem allerersten Blogartikel hatte ich schon davon erzählt. Mit groben Pinselstrichen war sie rot angestrichen, so dass sie Weiterlesen

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Post aus Skummeslövsstrand

Eine Fundmeldung

Beim Ausnehmen des Briefkastens…

…ja, „Ausnehmen“, das ist das richtige Wort. Ich kann mich dabei ja nicht selbst sehen, aber bestimmt mache ich dabei so ein verkniffenes Igitt-Gesicht wie beim Säubern von Fisch. Nur dass mir dabei kein glibberiges Gedärm entgegenkommt, sondern haufenweise Weihnachtswerbung, Gutscheine hiesiger Kaufhäuser (einzulösen vorgestern bei gleichzeitigem Einkauf in Höhe von drei Monatsgehältern) und Therapieangebote der Bank für mein anorektisches Sparschwein. Bäh, nee…

Aber gestern purzelte mir doch eine Postkarte entgegen! – Aber aus der Verwandtschaft ist doch gar keiner in Urlaub?

Skummeslövstrand steht unter den Strandfotos auf der Bildseite. Auf schwedischen Briefmarken lustige Piepmätze. Skummes… was?

„Hello Peter! I found your bottle post in Skummeslövsstrand, Prov Halland in Sweden…“ begann ich zu lesen. Weiterlesen

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131 Jahre, 223 Tage: der neue Rekord der längsten „Reise“zeit einer Flaschenpost

Anfang 2018 gefunden, nun offiziell im Western Australian Museum in Perth vorgestellt:

Eine der ältesten Flaschenposten, die von der Deutschen Seewarte zur Erfoschung von Meeresströmungen ausgesetzt wurden (mehr dazu hier), ist am 21. Januar diesen Jahres am Strand von Wedge Island, ca 180 km nördlich von Perth gefunden worden.

Die Buddel  würde eine interessante Dekoration in ihrem Bücherregal abgeben, dachte die Finderin Tonya Illman. Sie war zufällig auf die vierkantige, olivgrüne Flasche mit der Profilprägung einer niederländischen Genever-Brennerei gestoßen. Sie lag zwischen jeder Menge anderem Treibgut auf dem breiten Sandstrand, ca 70 m abseits des Spülsaumes.

Ein Korken fehlte. Er war wohl verrottet. Bei näherem Hinsehen und Ausschütten des darin befindlichen Sandes (vielleicht Ballastsand, vielleicht auch eingewehter Strandsand) zeigte sich aber, dass die Buddel noch mehr in sich hatte: ein zusammengrolltes und sorgfältig verschnürtes Papierröllchen. Es war eine Flaschenpost!

Die Finder Tonya und Kym Illman und ihre Familie begriffen sofort, was sie da für ein martimes Kleinod vor sich hatten. Und sie taten das Beste, was sie überhaupt tun konnten: Weiterlesen

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Die High-Tech-Version der Flaschenpost

DrifterAls frühe Hydrographen mit der guten alten Flaschenpost Meeresströmungen erforschen wollten, ging es um zweierlei: Wohin führt die Oberflächenströmung? Und wie schnell ist sie?

Heute, angesichts entscheidender ökologischer Fragestellungen, sind die Drifter wesentlich komplizierter geworden. Aber darüber sollen die Ozeanographen besser selbst erzählen. Eine anschauliche Schilderung aus dem Forschungsalltag findet sich hier unter den Oceanblogs. Eine herzliche Leseempfehlung meinerseits!

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Iceland 1 und Iceland 2: treue Gefährten.

Am 10. Januar diesen Jahres startete das isländische Fernsehen ein spannendes Experiment. Es wurden südlich von Reykjanes per Hubschrauber gleichzeitig zwei mit GPS-Sendern ausgestattete Flaschenposten ausgesetzt. Der Startpunkt lag ca 40 km vor der Küste.

Den Reiseweg der Drifter kann man im Internet auf dieser Karte verfolgen (evtl. etwas nach unten scrollen). Sie namen zunächst westwärts Kurs auf Grönland, um dann mit dem Ostgrönlandstrom Richtung Süden abzubiegen. Gemeinsam drehten sie eine große Ehrenrunde zwischen den Beiden Inseln, schipperten dann an Kap Farwell vorbei und in einem Kringelkurs durch die Labradorsee. Der Labradorstrom brachte sie dann zum Nordatlantischen Strom, mit dem sie nun den Ozean in Richtung Europa überqueren.

islandische-flaschenposten

Screenshot. Credit http://www.krakkarúv.is

Iceland 1 (auf der Karte rot markiert) hat bis heute 12802.7 km zurückgelegt, Bei Iceland 2 (grün) sind es 12399.8 km. Für mich faszinierend: Auf der ganzen Strecke sind sie einander treu geblieben. Auch nach nun fast einem Jahr sind sie vielleicht gerade mal 400 km voneinander getrennt.

Man darf gespannt sein, wie es weitergeht!

Wer mal vergleichen möchte: Hier ein ähnliches Experiment, das Arved Fuchs von Ostgrönland aus durchführte. Und hier ein weiteres, das nördlich von Spitzbergen begann und an der südgrönlandischen Küste endete, – übrigens streckenweise mit einem ganz ähnlichen Kursverlauf wie bei unseren beiden Isländern!

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Mit 216 km/h gegen die Zeit. Gedanken im Zug.

ICE 1173, 4. September 2016. Durch die Glaswand am Ende des Großraumwagens kann ich einen Flachbildschirm sehen. Abwechselnd mit dem nächsten Haltebahnhof des Zuges wird immer wieder die Geschwindigkeit angezeigt. 160 km/h sind es gerade. Der Zug ist zu schnell, um die Stationsschilder der kleineren Bahnhöfe entlang der Strecke zu lesen. Einen Blick auf den von Hundertwasser umgestalteten Bahnhof in Uelzen erhaschen zu wollen, ist aussichtslos. Ich versuche es gar nicht erst.

Wie im vorletzten Beitrag geschildert, hat man mich zur Ausstellung mit dem Titel „Mit dem Strom gegen die Zeit: TREIB_GUT FLASCHENPOST“ im Museum für Kommunikation nach Frankfurt eingeladen. Joachim Römer, Künstler, Flaschenpostsammler und Gestalter der Ausstellung, hatte mir dazu ein Manuskript seines Freundes, des Philosophen Thomas Seibert zugeschickt. Es sind „Sieben Annäherungen an das Sammeln von Flaschenposten“. Und da ackere ich mich, der ich von Philosophie und Kunst kaum Ahnung habe, gerade durch. Weiterlesen

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