XY ungelöst: Das Flaschenpostdetektivbüro.

Wer weiß etwas über diese Flaschenpost, den Absender, den Finder…

Die rote Flaschenpost: Luschern durchs Fenster

So wie manche Paare sich erinnern können, wann genau es zwischen ihnen „gefunkt“ hat, so weiß ich noch die Situation, in der ich mich in die Nordseeküste verliebt habe.

Ich war ein Pöks von elf Jahren und verbrachte in den Sommerferien ein paar Wochen in einem Zeltlager bei Nieblum auf Föhr. Einmal kamen wir recht spät von einem Ausflug zurück. Die Badegäste hatten den Strand geräumt, die Ebbe hatte eingesetzt. Im milden Abendlicht sah ich irgendwelche Watvögel, deren Namen ich als Stadtkind nicht kannte, im Schlick des Watts herumstochern. Gern wäre ich noch dort geblieben, hätte die Vögel beobachet und einfach die Stimmung genossen. Nur ging das nicht, denn obwohl uns unsere Betreuer damals viele Freiräume ließen, allein durften wir nicht an den Strand. Trotzdem blieben die Eindrücke haften.

Sicher kamen damals noch andere Erlebnisse hinzu, die meine Kinderseele prägten. Einmal gab es Sturm und wir Bubies mussten unter ganzem Körpereinsatz die Zeltleinen nachspannen, damit nichts wegflog. Unsere Halligfahrt mit dem Dampfer war auch recht schaukelig, fast die ganze Truppe wurde seekrank. Ich weiß noch, wie ich einmal beim Baden unversehens von der Strömung um hundert Meter versetzt wurde und das erst richtig begriff, als mich ein Betreuer aus dem Wasser pfiff. Natürlich gab es auch eine Wattwanderung nach Amrum. Wir Großstadtkids erlebten zum ersten Mal die Natur, –  hautnah und intensiv.

Museumsbesuche sind in diesem Alter normalerweise nicht so der Kracher. Aber auch im Friesenmuseum in Wyk begriff ich etwas von der Urgewalt der Natur, die dort an der Küste am Werke ist. Da waren alte Karten – früher waren die Landkarten ja noch richtig schön! – die die Küstenlandschaft ganz anders darstellten, als sie heute ist. Was hatten die Sturmfluten nicht alles schon weggerissen!

Manchmal waren es kleine Dinge, die etwas von der Kraft der Natur zeigten. Damals (1971, zwischenzeitlich ist das Museum umgestaltet worden) entdeckte ich in einer Vitrine Seeglas: ein paar Scherben und eine kleine Flasche (eine Parfumflasche, wenn ich mich richtig erinnere), die durch den unablässig über den Strand fegenden Sand vollkommen matt geworden waren.

Eine simple Flaschenpost, die die Phantasie eines Jungen beflügelte.

Und dann war da diese Flaschenpost. In meinem allerersten Blogartikel hatte ich schon davon erzählt. Mit groben Pinselstrichen war sie rot angestrichen, so dass sie Weiterlesen

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Flaschenpost trieb 90 Jahre im Frischen Haff. Angehörige des Verfassers könnten in Deutschland leben.

Im Frischen Haff frische Fische fischender Fischer findet famose Flaschenpost!

Über das Kontaktformular dieses Blogs sandte mir eine mir nicht weiter bekannte Frau A. einen knappen Hinweis auf einen Artikel in der Online-Ausgabe der Dziennik Bałtycki. – „Maybe it will be useful for you :)“

Ha, und ob dieser Artikel nützlich für mich ist, liebe A. Er ist superspannend!

Aber zunächst mal hakte das Übersetzungsprogramm, und ohne Polnischkenntnisse war ich aufgeschmissen. Nach gutem Zureden zu dem PC und der Online-Hilfe von Freunden bekam ich dann Folgendes heraus:

Flaschenpost aus den Frischen Haff. Foto mit freundlicher Erlaubnis Tomasz Chudzyński

Ein in Krynica Morska auf der Frischen Nehrung ansässiger Fischer hatte im letzten Jahr als „Beifang“ eine Flaschenpost aus dem Netz gezogen. Eine offensichtlich alte Limonadenflasche¹ mit Schnappverschluss und der profilierten Aufschrift „Gebr. Herkenrath Elbing“. Elbing, heute Elbląg, war der Sitz des Getränkeherstellers. Durch das klare Glas war zu erkennen, dass sich ein Röllchen Papier darin befand. Die Buddel blieb aber erst einmal ungeöffnet. Offensichtlich scheute sich der Finder, dem arg korrodierten Bügelverschluss Gewalt anzutun. So ein nostalgisches Stück macht sich ja auch so ganz schön im Regal.

Aber die ungelesene Nachricht in der Brausebuddel lies Edyta Rożek, der Schwester des Finders, keine Ruhe. Sie war einfach zu neugierig und holte den Zettel schließlich unbeschadet heraus. Das Papier war zwar angegilbt und auch ein wenig brüchig, aber trocken!

Schwungvoller Kurzbrief aus dem Urlaub. Foto mit freundlicher Erlaubnis Tomasz Chudzyński.

Schwungvoller Kurzbrief vom Dampfer. Foto mit freundlicher Erlaubnis Tomasz Chudzyński.

Der mit blauer Tinte in einer Mischung aus Latein- und später Kurrentschrift verfasste Text lies sich problemlos lesen:

Diese Flasche wurde am 8. Juli 1929 von dem Dampfer „Kahlder“ auf der Soh Strecke Danzig – Pillau auf freiem Wasser aufgegeben. Sollte die Flasche gefunden werden, so erbitte ich Nachricht, wann und wo sie gefunden worden ist.
Heil!
Erich Sanitter
Deutschland
Waldenburg Schl.
Mühlenstr. 34
Unkosten erstatte ich zurück.

Vom Text her eine ganz typische Flaschenpost, wie sie gerne als Zeitvertreib von Urlaubern verschickt wird. Ganz klassisch: Ort und Zeit des Abwurfes, Bitte um Antwort, Adresse. Hier sogar mit der Zusage, das Porto zu erstatten. Knausern musste der Verfasser also nicht. Der flüssigen Schrift nach war es ein Erwachsener, der hier schrieb. (Schulkinder lernten damals die Sütterlin-Schrift, die ganz anders aussieht.)

Zunächst dachte ich: Er besaß einen Füllfederhalter und führte ihn auch mit sich, was damals alles andere als selbstverständlich war. Unterwegs, wo Federhalter und Tintenglas nicht zur Hand waren, schrieb man sonst mit Blei- oder Kopierstift. Erich Sanitter war offensichtlich wohlhabend oder gehörte zumindest zum gehobenen Mittelstand. Details an den Schriftzügen lassen mich inzwischen an der Füllerthese zweifeln. Es handelt sich um eine spitze, sehr nachgibige Feder. Durch unterschiedlichen Druck im Schreibfluss wurde der Strich unterschiedlich breit, was den Handschriften jener Zeit ihren charakteristischen Charme gibt. Das ist eher typisch für die altmodischen Federhalter mit Stahlfeder, mit denen sich meine Eltern noch in der Schule herumquälen mussten. Dauernd musste die Feder ins Tintefass getaucht werden, es kratzte und kleckste, wenn man nicht gerade ein sehr routinierter Schreiber war. Sanitter hatte diese Routine, trotzdem hakte die Feder beim d im Wort die. Auch ist die Tinte mal kräftiger, mal blasser, was für Eintauchen und nicht für einen Füllfederhalter spricht. Wenn das richtig ist, dann hat unser Reisender den Flaschenbrief höchstwahrscheinlich schon in Vorfreude auf seine Dampferfahrt in seinem Quartier in Danzig verfasst.

Immerhin, Sanitter konnte Urlaub an der Ostsee machen. Tomasz Chudzyński, Autor des oben verknüpften Artikels, beschreibt, dass sich die Weichselmündung seit Beginn des 20. Jahrhunderts zu einem beliebten Ferienziel entwickelt hatte. Dem dienten die Fährverbindungen zwischen Danzig, Elbing, Kahlenberg, Pillau, und Königsberg. (Bitte dazu die Bilderstrecke mit zeitgenössischen Postkarten in Chudzyńskis Artikel anschauen!)

Sanitter benutzt in seinem Flaschenbrief den forschen Gruß „Heil“. Damals zwar noch unvergiftet, war er aber wohl doch vorwiegend in nationalkonservativen Kreisen modern². Heute läuft einem der Schauer über den Rücken, verbindet man das Wort doch mit dem Hitler-Gruß der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft, die wenige Jahre nach Sanitters Ferien an der Ostsee begann. Zehn Jahre nach Abwurf der Flaschenpost begann mit dem Überfall Deutschlands auf Polen der Zweite Weltkrieg.

Was da wohl aus dem Urlauber aus Waldenburg wurde?

Nach dem Krieg wurden die Grenzen neu gezogen. Ostpreußen wurde zwischen der Sowjetunion und Polen aufgeteilt. Die Freie Stadt Danzig (heute Gdańsk) und auch Niederschlesien mit dem Städtchen Waldenburg (heute Wałbrzych) wurden ebenfalls polnisches Staatsgebiet. Von den Weltläuften unberührt trieb sich Sanitters Flaschenpost  derweil irgendwo im Frischen Haff herum. Vielleicht versteckte sie sich heimlich im Schilf oder lag im Flachwasserbereich der Lagune. Unbeeindruckt blieb sie auch dort, als im benachbarten Gdańsk ein schnauzbärtiger Gewerkschafter mit seinen Genossen dem stalinistischen Staatssystem die Stirn bot, Freiheitsrechte einforderte und damit letztlich den Fall des Sowjetimperialismus einleitete. Die Karte Europas bekam erneut neue Farben.

Und der Zettel in der Buddel wurde gerade mal ein bisschen gelb. Hermetisch abgeschlossen durch einen wackeren Porzellanstopfen, schlummerte der Urlaubsspaß des Dampfer fahrenden Schlesiers in seinem gläsernen Behältnis wie Dornröschen in ihrem verwunschenen Schloss. Nur dass es bis zu seiner Befreiung keine 100, aber immerhin 90 Jahre brauchte.

Nun wäre es interessant zu wissen, was aus Erich Sanitter und seiner Familie – wenn er denn eine hatte – geworden ist. Haben sie Krieg und Nationalsozialismus überlebt? Sind sie als Heimatvertriebene oder als Spätaussiedler nach Deutschland gekommen? Oder gibt es in irgendeinem Album ein Foto vom Dampfer Kahlder? Weiß sonst irgendjemand etwas Spannendes dazu?

Tomasz Chudzyński ist sicher an weiteren Infomationen interessiert. Wer etwas weiß, findet => hier die Mailanschrift des Journalisten oder =>hier das Kontakfomular dieses Weblogs.

Ich danke Tomasz Chudzyński herzlich für die bereitwillige Erlaunis, Fotos seines Artikels zu verwenden.

Ergänzung 02.03.2020: Eben erhielt ich eine freundliche Nachricht von Tomasz Nowak aus Polen. Er hat in einem Einwohnerverzeichnis der rund zehn Kilometer von Waldenburg entfernten Kreisstadt Schweidnitz (poln. Świdnica) aus dem Jahr 1942 einen Oberwachtmeister Erich Sanitter, wohnhaft dort in der Bahnhofsstr. 21, entdeckt. Die gleiche Person? Oder ein Verwandter unseres Flaschenpostschreibers?

 


¹ Klare Flaschen mit Bügelverschluss wurden vorwiegend für Limonaden verwendet, für Bier bevorzugte man braunes oder grünes Glas.

² Parteigänger Ludendorffs und Hindenburgs fügten dem Gruß, – wie später die Nationalsozialisten -, den Namen des von ihnen gehuldigten Großkopferten an.

 

 

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Scottish Author of 46 Year Old Message in a Bottle Has Been Found!

Flaschenpost(sender)jäger Clint Buffington hat mal wieder zugeschlagen und den „Donkeyman“ aufgestöbert!

Hier seine Fortsetzung dieser Geschichte.

Message In A Bottle Hunter™

Well it was a long hard search, but we did it! We found „Donkeyman“ James Robertson who sent a message in a bottle 46 years ago!

The story about James Robertson’s message broke in early January when Bernd Igwerks found the half-century old bottled note washed ashore on the small German island of Norderney.

bernd-igwerks-james-robertson-message-in-a-bottle Bernd Igwerks, with the 46 Year Old Message in a Bottle He Found. Photo courtesy: Nomo Online / nomo-norderney.de

I knew right away that there had to be special story behind this bottle–and a special person. Turns out I was right!

So, are you ready to meet James? Actually, he goes by Jimmy. Drumroll please!

Here he is, rock ’n rolling at the Beatles Cafe!

jimmy-robertson-at-the-beatles-cafe

And guess what? Guess what! Somewhere along the way, he fell in loooooove… ❤ ❤ ❤

jean-dancing Jean Robertson, looking great striking a pose!

jean-birthday-copy Jimmy’s wife, Jean.

Jimmy told me the story behind his…

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Help Solve This Lithuanian Message in a Bottle! Seeking Žygis, Aivaras, and Modestas!

Message In A Bottle Hunter™

One day in 2013, a young woman named Jess and her dog were walking along the beach on the UK’s east coast.

jess-tebbett-and-pup-1

Suddenly, something caught her eye

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Gesucht wird: Sabine Roy.

Am 21. Mai 2011 fand der „Flaschenpostjäger“ Clint Buffington eine PET-Flasche mit einem Bogen Briefpapier vom Kreuzfahrtschiff Maxim Gorkiy, darauf ein Riss des Schiffes.

Maxim Gorkiy

Ein Dampfer alten Stils: Baujahr 1968, eine Zeit, als Kreuzfahrtschiffe noch keine Plattenbauten waren.

Die Schrift war arg verblasst, aber zu lesen war: Weiterlesen

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Deutsche Geburtstagsflaschenpost am Strand Kaliforniens: Wer kennt Ines und Rüdiger?

Stefanie Strobel hat eine ganze Flasche voll guter Wünsche zum 60. Geburtstag bekommen. Dabei ist die hübsche junge Frau erst 21!  Kein Wunder, die Glückwünsche galten auch nicht ihr, sondern Ines und Rüdiger. Die sind wohl beide 60 geworden und haben das zusammen mit Sohn Jirko, mit Jens und Silke, dem Ehepaar Lenz und noch einigen anderen gefeiert.

Und irgendjemand von denen hatte Zettel vorbereitet. Auf denen stand oben, wohl mit dem Computer gedruckt:

Unsere Wünsche:

Darunter schrieben die Gratulanten, was ihnen so Gutes für die Jubiliare einfiel. Wohl nachdem alle Herzlichkeiten feierlich verlesen waren, wurden die Zettel in eine PET-Flasche verpackt und dem nassen Element übergeben. Stefanie fand sie am Hermosa Beach bei Los Angeles. Und nun möchte sie zu gern wissen, wer Ines und Rüdiger und all die anderen sind. Und wo die Flasche der See übergeben wurde. Auf Hawaii oder Samoa? Von einem Kreuzfahrtschiff? Oder ein paar Badelaken weiter auf Hermosa Beach? Den Namen nach dürften die Absender eher Deutsche als Österreicher oder Schweizer gewesen sein.

Besonders lange kann die Flasche nicht im Pazifik geschwommen sein. Das Plastik zeigt jedenfalls keine Alterungsspuren. Es dürfte auch nach den Reaktorunfällen von Fukushima gewesen sein, denn einer der Zettel spielt darauf an.

Also, wer hat im letzten Jahr irgendwo auf oder am Pazifik eine deutsche Geburtstagsgesellschaft beim Flaschenpostschreiben gesehen?

Sachdienliche Hinweise bitte hier  oder beim Kollegen Clint als Kommentar oder an: chelsea@easyreadernews.com

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Herborn – Norwegen und retour: Die erstaunliche Reise eines Kassenzettels

Da gab es zwei Jungs, Markus und Paul. Da gab es einen Fluss. Die Dill (wie das Gewürzkraut), und die fließt durch Herborn in Hessen. Da gab es eine Flasche. Und wie das bei Jungs mit Phantasie und einer gesunden Portion Spieltrieb so ist, war die Idee, eine Flaschenpost auf die Reise zu schicken, nur all zu naheliegend. Klar: Wenn Jungs nicht selbst auf einer spanischen Galeone auf Piratenjagd gehen können, dann schicken sie wenigstens ihren Namen in einer Buddel auf große Fahrt.

Was sollte sie abhalten?  Flüsse, sofern sie nicht in einem Salzsee enden oder sonstwie im Wüstensand versickern, haben die Angewohnheit, auf irgendeine Weise den Weg Richtung Meer einzuschlagen. Das musste auch für die Dill gelten. Weiterlesen

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