Beiträge mit dem Schlagwort: Flaschenbrief

Strange Days – eine Kunstinstallation und eine Flaschenpost auf Abwegen

Walked out this morning, I don’t believe what I saw
Hundred billion bottles washed up on the shore
Seems I’m not alone at being alone
Hundred billion castaways, looking for a home
(Sting)

Eigentlich sehe ich meine Flaschenposten lieber schwimmen als im Museum. Aber manchmal landen sie doch dort. Vielleicht zolle ich damit der Tatsache Tribut, dass meine Leidenschaft für postalisches Treibgut in einem Museum den Anfang nahm. Das ist nun schon ein halbes Jahrhundert her, die Geschichte hatte ich =>hier mal erzählt. Ich schickte seinerzeit als Jugendlicher ein paar typische Teenagerflaschenposten auf die Reise, dann war lange Zeit Pause.

So um das Jahr 2000 fing ich wieder damit an. Aber viel älter kann ich nicht geworden sein, jedenfalls stach mich manchmal heftig der Hafer. Damals wurde im Kieler Schiffahrtsmuseum der „Brandtaucher“ ausgestellt, das erste in Deutschland gebaute U-Boot. Das Ding sah aus wie eine Kreuzung von Kofferfisch, einer Hafenschute und einem Teekessel, der Antrieb bestand aus einer Art Hamsterlaufrad für Menschen. Das unförmige Etwas konnte tatsächlich tauchen. Jedenfalls untertauchen. Das Auftauchen klappte allerdings nicht, der Wasserdruck demolierte bei der ersten Probefahrt 1850 die zusammengenieteten Eisenplanken so gründlich, dass es zum Wassereinbruch kam. Glücklicherweise konnte die Besatzung aussteigen und ohne Boot an die Oberfläche kommen. Im Museum war das Tauchboot so ausgestellt, als läge es noch am Grund der Kieler Förde, zwischen Steinen auf Sand und Kies gebettet und im bläulich waberndem Licht. Man kam sich vor wie ein Ostsee-Kabeljau, wenn man darum herumging. Und der Lausbub in mir zog eine kleine versiegelte Hustensaftflasche mit einem Papier darin aus der Tasche und deponierte sie heimlich zwischen den Steinen unter dem Kiel des unglücklichen Gefährtes. Als ich ein Vierteljahr später noch einmal dort war, lag die Flaschenpost immer noch da. Es muss wohl so ausgesehen haben, als gehöre sie dahin. Oder hatte sie tatsächlich niemand entdeckt?

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Eine der Flaschenposten für das Museum in Swansea

Sicher gesehen wurden die drei Flaschenposten, darunter eine Tauchflaschenpost, die ich 2016 an die Swansea School of Glass (University of Wales Trinity Saint David) schickte. Die Kunstgewerbeschule hatte ihre Jahresausstellung im dortigen National Waterfront Museum 2016 unter das Thema „Message in a Bottle“ gestellt und dazu auch Beiträge von auswärts erbeten. Meine Einsendungen damals waren Beispiele ganz konventioneller Driftbuddeln. Also schwimmfähig und seetüchtig, – für diese Sorte mache ich immer gern Propaganda. Ob sie nach der Ausstellung, wie ich gebeten hatte, tatsächlich dem Meer vor dem Fenster des Museum übergeben wurden, weiß ich allerdings nicht.

Ende letzten Jahres stieß ich im Internet auf das Projekt des australischen Künstlers Laith McGregor. Es trägt den Titel „Strange Days“. Für eine große Installation in der Art Gallery of South Australia anlässlich der Biennial of Australian Art in  Adelaide lud er Freunde, Bekannte und Follower auf Instagram ein, ihm Flaschenposten zu schicken, die er in Form der drei Buchstaben S.O.S an eine weiße Wand montieren wollte. Über tausend individuelle Botschaften einzelner Menschen wollte er dazu sammeln und zu einem großen Zeichen vereinen.

SOS, – ein Hilferuf in einer verrückten Zeit. Strange Days: 2020 und 2021 wüteten in Australien verheerende Buschfeuer. Und nicht nur dort, auf der ganzen Welt tobten Waldbrände nie gekannten Ausmaßes. Klimawandel, klar! Dann kam die Corona-Pandemie. Down under waren die Restriktionen so hart, dass dort zweitweilig nicht einmal Reisen von einem Bundesstaat in den anderen möglich waren und Staatsbürger, die im Ausland waren, nicht in die Heimat zurück konnten. Gestrandet, irgendwo.

Könnte ich mitmachen? Ich fragte nach Einzelheiten und bekam diese Antwort: Weiterlesen

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Weihnachtsgrüße von Fehmarn. Eine Fundmeldung

Ein richtig fetter Poststempel war da auf der Weihnachtskarte, die ich kurz vor dem Fest im Briefkasten fand. Darauf leicht verwischt abgebildet der „Kleiderbügel“, jene Brücke mit der unverwechselbaren Silhuette, die den „Knust“ mit dem „Kontinent“ verbindet. „Fehmarn“ stand noch drauf, für alle, denen bei dem so charakteristischen Stahlbogen nicht sofort ein Licht aufgeht. Die Karte kam demnach von „Übersee“, also hatte die Absender sicherheitshalber „Germany“ unter die Adresse geschrieben. Mit 🙂 daneben, – klarer Fall, sie mussten meine letzten beiden Beiträge hier im Blog gelesen haben!

Es war die Fundmeldung für Flaschenpost Nr. 128. Die war am 21. 11., also schon vor einem Monat, am Strand von Westermarkelsdorf angekommen. Fünf Tage hatte die Buddel für die rund 52 km von Schwedeneck gebraucht. Kein schlechtes Tempo für eine so kompakte Flasche, die richtig tief im Wasser lag und dem strammen Westwind kaum Angriffsfäche bot. Das hätte ich nicht gedacht!

Flaschenpost 128.

„Vielen Dank für die schöne Überraschung und eine besinnliche Zeit“ schrieben Alexandra, Tim und Lina. Darunter noch ein Stempel mit einer Hundepfote. Aber wer von den Dreien war nun der Hund? Oder zählt die Fellnase extra? Davon hängt nämlich ab, wer sich über die besondere Überraschung in der Flasche freuen darf. Ich hatte nämlich als Fracht eine Halskette mit hinein getan. Vom Stil her nicht der neueste Schrei, aber immerhin mit Perlen aus Halbedelsteinen, also kein billiger Modeplunder. Schließlich stammte die Kette ja auch aus einem Piratenschatz, wie ich im Flaschenbrief dargelegt hatte.

Klar, da hatte ich mal wieder Döntjes zusammengesponnen. In Wirklichkeit hatte ich das Schmuckstück irgendwo in einer give away box gefunden, aber das verrate ich natürlich niemandem. Dabei war mir der Gedanke gekommen, dass ich meine Flaschenpost damit selbst zu einem Schmuckstück machen könnte, zu einer Premium-Ausgabe sozusagen.

Und nun darf ich selbst „vielen Dank für die schöne Überraschung“ sagen, für die Postkarte mit dem Weihnachtsgruß nämlich, über die ich mich riesig gefreut habe.

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Im Turbotempo nach Rügen: eine Fundmeldung

Das scheint jetzt so ein running gag zu sein. Wieder war auf einer Postkarte das Empfängerland vermerkt: „Germany“ stand unter der Adresse. Die Karte kam schließlich auch von viel weiter her als die letzte, die ich aus Fehmarn erhalten hatte, und das war ja schon Übersee. Dieses Mal hatten Lara und Sebastian von  Rügen geschrieben. Dort, am Naturstrand Lancken, ganz im Nordosten auf derder Insel Halbinsel Wittow, hatten die beiden Urlauber meine Flaschenpost Nr. 127 gefunden und sich, so ihre Zeilen, „sehr über den abenteuerlichen Fund gefreut“. Herzlichen Dank für die Meldung!

Flaschenpost 128 + 127

Flaschenpost 128 und 127 (rechts) vor der Abreise an der Steilküste von Schwedeneck.

Ich hatte den Flaschenbrief am 1. September geschrieben, dem Internationalen Tag des Briefeschreibens. Allerdings musste sich die Flaschenpost gedulden und etliche Wochen dekorativ auf der Fensterbank herumstehen, bevor es am 26. November endlich von der Steilküste bei Marienfelde (Schwedeneck) los ging. Aber dann machte die Buddel Dampf. Für die rund 200 Kilometer nach Rügen  brauchte sie gerade mal zehn Tage! Wir hatten strammen Westwind in der letzten Novemberwoche. Trotzdem, 20 Kilometer pro Tag sind für eine Flaschenpost ein Mordstempo, finde ich! Schließlich gibt es in der Ostsee keinen Golfstrom. In diesem engen Randmeer ist alles vom Wind abhängig und die Strömung ändert sich manchmal stündlich. Der bisherige Rekord waren zehn Kilometer pro Tag.

FP 127 + 128

Flaschenpost 127 und 128. Im Hintergrund ein Zollkreuzer. Wohl wegen des Kaffees in der linken Flasche.

Auf jeden Fall habe ich mich über die erfolgreiche Reise der Briefbuddel und die Postkarte der Finder riesig gefreut! Hoffenlich hatten sie in ihrem Ferienquartier eine Kaffeemühle. Es waren nämlich ein paar geröstete Bohnen als Fracht mit in der Flasche.

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Eilpost zum Albuen. Eine Fundmeldung

An Haken bleibt was hängen. Das liegt in der Natur der Dinge. Das gilt auch für Nehrungshaken. Jedenfalls blieben meine Blicke an einem Nehrungshaken hängen, als ich vor längerer Zeit mal mit dem Finger auf der Landkarte unterwegs war. Landkarten lese ich wie andere Leute ein Lifestyle-Magazin. Ich hatte ein Blatt von der Kieler Bucht vor der Nase und spekulierte herum, wo meine Flaschenposten bei diesem oder jenem Wind wohl landen könnten. Bei Südwestwind wäre Lolland eine Möglichkeit. Und dort, ganz im Westen, erstreckt sich eine schmale Landzunge entlang des Langelandbælt fünf Kilometer nach Norden und biegt dort in den Naksov Fjord um.

Schön dort, dachte ich. Eine typische Nehrung. Meilenweit Strand, vieleicht Dünen. Karg, herb, vielleicht außerhalb der Ferien auch etwas einsam: mit einem Hauch von Wildnis, die es in Mitteleuropa so wenig gibt. Sicher könnte man dort Vögel beobachten, dachte ich mir: Regenpfeifer, die am Spülsaum entlangtrippeln, Gänse und Enten, die in der Zugzeit in der Bucht rasten…

Dann vergaß ich das alles wieder.

Albuen Strand

Meilenweit nichts als Strand und Dünen: der Albuen. Foto: Susann G.

Bis zum 30. März. „Flaschenpost Nr. 123 gefunden, Albuen, Dänemark“ lautete da der Betreff einer E-Mail in meinem Postfach. Hoppla, Albuen, das war, wie ein Blick auf Google Earth verriet, genau der Strandhaken, an dem ich vor einigen Jahren hängengeblieben war!

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Hilsen fra Danmark: Es hagelt Fundmeldungen

Auf der Eckernförder Bucht blitzte ein Feuerschein auf und das Kriegsschiff hüllte sich in weißen Rauch. Einige Momente später hallte der Kanonendonner zu uns an den Strand herüber. Ich hob mit einer schlappen Bewegung die Hand an die Mütze.  – „Danke, Jungs! Aber wegen dieser schofeligen Flaschenpost braucht ihr doch nicht Salut zu schießen.“

Besagte Flaschenpost stand für ein Abschiedsfoto vor mir auf den kleinen Strandwall bei Surendorf. Schofelig war sie deshalb, weil ich die olivgrüne Buddel gegen meine Gewohnheit nicht sorgfältig ausgespült und getrocknet hatte. Es waren ein paar Tropfen Rotwein dringeblieben, die sich auf den Papierröllchen zu malerischen Flecken verwandelt hatten und dem Entstehungsprozess eine besondere Note – Bordeaux, wenn ich mich richtig erinnere – gaben.

Startklar: die unscheinbare Flaschenpost 119.

Dann schleuderte ich die Meerespost in die Förde. Wegen des flachen Strandes gab es wohl eine kurze Grundberührung, die auf dem sandigen Grund aber ohne Schaden für die Buddel blieb. Die trieb gemächlich, – sehr gemächlich! -, Richtung Norden ab.

Wieder krachte eine Salve über das Wasser. Das militärische Zeremoniell hätte nun wohl meinerseits das Dippen der Flagge vorgesehen. Als hoffnungsloser Zivilist stand mir Behufs dessen allerdings nur ein benutztes Schnupftuch zur Verfügung, weswegen ich diesen Teil des Protokolls lieber ausließ. Unsere Strandwanderung setzten wir dann ohne weitere Förmlichkeiten fort. Den Kormoranen, die mit erhabenem Blick auf Findlingen und Kriegstrümmern hockten, war das ohnehin egal.

Die Wanderstrecke, die meine Liebste und ich vor uns hatten, war die selbe wir bei unserem letzten Besuch, den ich in meinem vorletzten Beitrag beschrieben hatte. Nur dass dieses Mal keine Scharen von Badegästen den Strand bevölkerten, die die damals überraschend hochsommerlichen Temperaturen ausnutzen wollten. Statt dessen trafen wir neben besagten Seeraben nur einen Schwarm Graugänse an, die auf der Durchreise in den Süden Rast machten. Allerdings wirkten sei etwas ratlos, denn alle Strandcafés und Imbissbuden hatten geschlossen. Als wir uns näherten, machten sie respektvoll Platz, obwohl wir glaubwürdig versicherten, dass wir für Weihnachten Rinderrollbraten vorgesehen hatten.

Aber dann ging es hinauf auf das Kliff. Die Oststürme der letzten Wochen hatten wieder einiges von der Küste weggerissen. An einigen Stellen hing die Kliffkante über, was uns mächtig Respekt vor den Naturgewalten einflößte. Auf dem schmalen Pfad war deshalb Vorsicht angesagt.

Die Stürme fordern Tribut.

Als wir nach etwa drei Stunden am Leuchtturm Bülk ankamen, wurde es schon dunkel. Zu dunkel, um noch ein Abschiedsfoto von den zwei Briefbuddeln zu machen, die ich noch im Rucksack hatte. Schade eigentlich, denn die Nr. 120 war eine richtige Bilderbuch-Flaschenpost. Ich hatte mal am Straßenrand eine leere Whisky-Flasche gefunden. Und die hatte eine richtig altmodisch stilvolle Form, auf dem Glassiegel das Gründungsdatum der Brennerei, – viel zu schade für den Altglascontainer. Also nahm ich sie mit, reinigte sie gründlich und verwandelte sie in eine malerische, kaminsimstaugliche Driftbuddel. Nun flog sie von der Buhne, um ihre Seereise zu beginnen.

Die dritte Flaschenpost des heutigen Tages, Nr. 121, war etwas nüchterner: eine zylindrische Essigflasche. Dafür enthielt sie Schwärmereien von den weiten Stränden der Normandie. Wegen ihres Gewichtes tauchte die Flasche tiefer ins Wasser ein als ihre Vorgängerin. Es war also eine langsame Flaschenpost, mehr von der Strömung als vom Wind getrieben. Deswegen ging ich davon aus, dass sie auch einen anderen Weg nehmen würde.

Dabei waren die ersten hundert Meter durchaus heikel. Der Wind aus Südsüdost trieb die Flaschenposten nämlich auf das Ende einer 80 Meter weiter nördlich gelegenen Buhne zu. Würden sie daran vorbeikommen? Obwohl die aus der Kieler Förde herauslaufenden Wellen, gebeugt durch die Buhne, auf der ich stand, dort direkt ans Ufer schlugen, war ich zuversichtlich. Wellen zeigen nicht immer die tatsächliche Strömung an. Die kann ja durch die nächste Buhne wieder nach außen gelenkt werden, so hatte ich es dort schon einmal beobachtet.

Leider hatte ich hier keine Gelegenheit mehr, das Manöver der schwimmenden Glaskolben weiter zu verfolgen. In den folgenden Tagen schielte ich aber immer wieder auf die Wetterkarten. Ein stabiles Hoch über Osteuropa. Über Westeuropa ein paar kleine Tiefs, die da Ringelpiez mit Anfassen spielten, aber nicht richtig voran kamen. Wind aus südlichen Richtungen. Mal mehr südwestlich, mal aus Süd, meistens aus Südost. Ich rechnete mit Fundmeldungen aus Schwansen, mehr oder weniger von gegenüber.

„Hej Peter,
Fandt din post på stranden ”Horne sommerland” i dag.
Hilsen Lena fra Fyn“

So lautete eine E-Mail vom 7. Dezember. Das konnte ich auch ohne Übersetzungprogramm lesen. Lena hatte, wie meine Nachfrage ergab, Nr. 119 gefunden, die Rotweinflasche. Von Surendorf bis zum Fundort auf der dänischen Insel Fünen sind es 67 Kilometer Luftlinie, von der Buddel zurückgelegt in 13 Tagen. Macht gut fünf Kilometer pro Tag, und da sind Zickzack-Kurs und Kringel in den fast stündlich wechselnden Strömungen noch gar nicht mitgerechnet. Ein solides Tempo! Was Lena über meine flaschenpostologischen Fachsimpeleien im Buddelbrief gedacht hat, hat sie mir nicht geschrieben. Ist wohl auch besser so. 😉

Weite Sicht über den Aabenraa Fjord. Foto mit freundlicher Erlaubnis Anders N.

Gut 30 Kilometer weiter westlich, auf der anderen Seite des Kleinen Belts, waren am gleichen Tag die Schwiegereltern von Anders am Strand unterwegs. Die Familie hat dort in Flovt Strand ein Sommerhaus. Auf ihrem Spaziergang fanden sie Flaschenpost 120, – die Whisky-Buddel. Zusammen mit ihren beiden Enkeln ( sechs und acht Jahre alt) wurde die Sendung geöffnet. Alles trocken und in gutem Zustand, wie mir Anders N., der Vater der Jungs, in einer netten E-Mail schrieb. Nun, total trocken sind die Zettel wohl nicht geblieben, zumindest haben die Büroklammern einige Rostflecken hinterlassen.

Flaschenpost 120 Inhalt b

Etwas rostfleckig, schauderhaftes Englisch, aber sonst in gutem Zustand. Foto mit freundlicher Erlaubnis Anders N.

Ich schätze mal, meine in der Flasche mitgereisten Beiträge zum Thema Walfang mit den abenteuerlichen Bildern könnten die Phantasie der Jungs ordentlich beschäftigt haben. Jedenfalls waren die Erwachsenen von meinem Gedanken, bei den Reisebeschränkungen der Corona-Pandemie ein paar nette Zeilen und Grüße per Flaschenpost nach irgendwohin zu schicken, sehr angetan. Jetzt will die Familie selbst eine Briefbuddel auf große Fahrt gehen lassen. Vielleicht finde ich sie ja einmal.

Für die nautisch interessierten Leser: die Flaschenpost Nr. 120 ist 95 Kilometer (50 sm) weit gekommen, also (mindestens) 7,3 Kilometer pro Tag.

Nr. 121 war, wie ich beim Abwurf schon sehen konnte, eine langsame Flaschenpost. Sie brauchte 18 Tage bis sie am 12. Dezember am Strand von Ærø gefunden wurde (42 km Luflinie vom Abwurfort). Weich auf Tang gebettet fand sie dort Tarik, der einen Besuch auf der Insel genutzt hatte, früh morgens an den Strand zu gehen und das Mittagessen zu angeln. Auch an ihn ganz herzlichen Dank für die Fundmeldung und die beigefügten Fotos.

FP 121

Auf Tang gebettet: Flaschenpost Nr. 121. Foto mit Freundlicher Erlaubnis Tarik K.

Drei Flaschenposten, drei Fundmeldungen. Das kann sich sehen lassen!

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Zeitkapsel 2020/21: eine Einladung

2003 wurde bei Bauarbeiten im KZ Auschwitz eine Flaschenpost endeckt. Sie enthielt einen auf den 9. September 1944 datierten Zettel mit den Namen von sieben Insassen, ihre Häftlingsnummern und ihre Heimatorte in Polen und Frankreich. Sie wollten offensichtlich Zeichen ihrer Existenz hinterlassen, bevor sie im Nichts der Vernichtungsmaschinerie verschwanden.

Noch späktakulärer war ein Glasgefäß mit mehreren hineingeknüllten Papieren, das 1975 in einem Wald bei Neubrandenburg ausgegraben wurde. Es handelt sich um Briefe, Gedichte, eine Zeichnung, Erschießungslisten, Notizen zu medizinischen Experimenten und eine kleine Schnitzerei, geschrieben und angefertigt 1943 von polnischen Frauen, die im KZ Ravensbrück inhaftiert waren. Die Dokumente wurden aus dem KZ zu in der Nähe internierten Kriegsgefangenen geschmuggelt und, da sie nicht an Angehörige und Freunde weitergeleitet werden konnten, in der Nähe eines Grenzsteines vergraben. Einer der beteiligten Kriegsgefangenen erinnerte sich später an die Stelle. Sein Hinweis führte zur Wiederentdeckung dieses einzigartigen Dokumentes.

Zeitkapseln werden öfters mal gefunden: hinter Täfelungen, unter Dielenbrettern, irgendwo eingemauert. Selten ist ihr Inhalt so dramatisch wie bei den oben genannten. Oft haben sich einfach nur Arbeiter und Handwerker mit ihren Namen verewigt. Manchmal enthalten sie auch zusätzliche Informationen, z. B. über den aktuellen Preis des Brotes oder den Wunsch nach friedlichen Zeiten. Gelegentlich gibt es auch umfangreiche Nachrichten zum Bau eines Gebäudes. Bekanntermaßen gehört das Einmauern einer Zeitkapsel traditionsgemäß zur feierlichen Grundsteinlegung eines Gebäudes dazu.

Diesen Brief deponierte mein Urgroßvater 1928 im Sockel einer Tischlampe.

Kürzlich gab es in den USA wieder einen Fund. Das bringt mich jetzt auf eine Idee. Wie wäre es, der Nachwelt Botschaften aus dem Jahr 2020 zu hinterlassen? Klar, 2020 ist bei weitem nicht so bitter wie die Zeit der Weltkriege und der Nazi-Tyrannei. Aber es ist wegen der Corona-Pandemie ein denkwürdiges Jahr, für viele eines mit bedrückenden und auch tragischen Erfahrungen. Aber auch ein Jahr mit vielen kreativen Ideen, mit der Misere unzugehen. Ein Jahr, das zum Nachdenken darüber einlädt, was uns im Leben wirklich wichtig ist. Weiterlesen

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Flaschenpost trieb 90 Jahre im Frischen Haff. Angehörige des Verfassers könnten in Deutschland leben.

Im Frischen Haff frische Fische fischender Fischer findet famose Flaschenpost!

Über das Kontaktformular dieses Blogs sandte mir eine mir nicht weiter bekannte Frau A. einen knappen Hinweis auf einen Artikel in der Online-Ausgabe der Dziennik Bałtycki. – „Maybe it will be useful for you :)“

Ha, und ob dieser Artikel nützlich für mich ist, liebe A. Er ist superspannend!

Aber zunächst mal hakte das Übersetzungsprogramm, und ohne Polnischkenntnisse war ich aufgeschmissen. Nach gutem Zureden zu dem PC und der Online-Hilfe von Freunden bekam ich dann Folgendes heraus:

Flaschenpost aus den Frischen Haff. Foto mit freundlicher Erlaubnis Tomasz Chudzyński

Ein in Krynica Morska auf der Frischen Nehrung ansässiger Fischer hatte im letzten Jahr als „Beifang“ eine Flaschenpost aus dem Netz gezogen. Eine offensichtlich alte Limonadenflasche¹ mit Schnappverschluss und der profilierten Aufschrift „Gebr. Herkenrath Elbing“. Elbing, heute Elbląg, war der Sitz des Getränkeherstellers. Durch das klare Glas war zu erkennen, dass sich ein Röllchen Papier darin befand. Die Buddel blieb aber erst einmal ungeöffnet. Offensichtlich scheute sich der Finder, dem arg korrodierten Bügelverschluss Gewalt anzutun. So ein nostalgisches Stück macht sich ja auch so ganz schön im Regal.

Aber die ungelesene Nachricht in der Brausebuddel lies Edyta Rożek, der Schwester des Finders, keine Ruhe. Sie war einfach zu neugierig Weiterlesen

Kategorien: Flaschenpostmeldungen und Flaschenpostreisen, Historisches, XY ungelöst: Das Flaschenpostdetektivbüro. | Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , | 2 Kommentare

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