Beiträge mit dem Schlagwort: Flaschenbrief

Urbexing in Sheffield: Neue Flaschenpost-Drop-Offs.

„Bin gespannt, wie es weitergeht“, schrieb Ina unter meinen letzten Beitrag. Ich natürlich auch! Darüber, wie es weiter ging, hielt mich Hilke Kurzke auf dem Laufenden. Was ich nun berichte, stammt also alles von ihr, einschließlich der Fotos. Aber sie wird bestimmt auch selbst – und damit authentisch – in ihrem Blog von den Ereignissen berichten, sobald sie dafür etwas Muße hat.

Stand der Dinge: Hilke hatte am 9. Oktober meine Flaschenpost Nr. 100 von der Lady’s Bridge in Sheffield in den Fluss Don geworfen. Und ihre eigene Nr. 100 von einer wenig flussaaufwärts gelegenen Fußgängerbrücke. Meiner Wanderflaschenpost war allerdings nicht nach wandern zumute und sie blieb erst einmal an anderem Treibgut hängen.

FP 100 im Don

Sieht mich wer?

Als Hilke am darauffolgenden Tag nachschaute, war sie immerhin einen Steinwurf weit gekommen. Aber besonders eilig schien sie es nicht zu haben. Die Ufermauer reflektierte die Herbstsonne, da war es eben schön!

Auch am übernächsten Tag (11.9.) stattete Hilke der Buddel einen Besuch ab. Wegen der auffälligen Bemalung war sie leicht zu entdecken. Ja, sie war etwas weitergekommen. Mit Betonung auf „etwas“. Sehr gemächlich bewegte sie sich weiter, seeehr gemächlich. Mit jedem Strauch und jedem Stein im Flussbett wurde erst einmal ein kleiner Plausch gehalten, bevor sich die Flasche bequemte, sich mit einer langsamen Drehung wieder etwas in die Strömung zu begeben.

Diese Diva! Vielleicht hoffte sie, mit ihrem poppigen Make-Up von Spaziergängern oberhalb der Ufermauer bewundert zu werden. So nach dem Motto: „Staunt mal schön und wundert euch, aber an mich ran lasse ich niemanden!“ Aber warte, für das Wochenende ist Regen angesagt, und dann wird das Stück „River of No Return“ gegeben!

Mit ihrer Gemütlichkeit verpasste Nr. 100 den Message in a Bottle Drop-Off vom 10. Oktober, der sich ein Stück flussabwärts abspielen sollte. Ein Doppel von Nr. 101 von Hilke und Nr. 101 von mir. Aber der Reihe nach. Weiterlesen

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Flaschenpostbasteln bei Mikado im NDR (mit Bastelanleitung)

Heute habe ich meine Flaschenpostwerkstatt in das Funkhaus Kiel vom Norddeutschen Rundfunk verlegt. Jeden Sonntag gibt es nämlich im Radio auf NDR-Info die Kindersendung Mikado am Morgen. Und heute geht es um Flaschenpost. Mit Reportagen aus dem BSH (Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie), mit Interviews – auf der Nordseeinsel Langeness warten Babette und Tarek am Telefon –  und mit Lientje und mir.

Lientje sitzt zusammen mit dem Redakteur Tim Berendonk im Studio in Hamburg, wo die Sendung produziert wird. Ich bin ganz allein in dem Studio in Kiel. Das heißt, nicht ganz allein, denn hinter einer großen Glasscheibe sitzt noch der Tontechniker und ein Praktikant, denn ich kann die vielen Regler auf dem Mischpult vor mir ja nicht selbst bedienen. Von Technik habe ich nämlich keine Ahnung. Dafür aber von Flaschenposten, da bin ich Experte. Zumindest tu ich so.

Wenigstens weiß ich, was hier das Mikrofon ist, in das ich sprechen muss. Ich habe einen Kopfhörer auf. Damit höre ich den Tontechniker, der mir sagt, was ich tun soll. Ich höre auch mich selbst. Meine eigene Stimme, meine Güte, das ist komisch! Und ich höre Lientje und Tim in Hamburg und wir können uns ganz normal unterhalten. Ich kann sie zwar nicht sehen und sie mich auch nicht, aber trotzdem ist das so, als säßen wir zusammen. Das klappt ganz prima!

Natürlich fachsimpeln wir nicht nur über Flaschenposten. Klar, – es werden in der Sendung auch welche gebastelt. Lientje schreibt und malt ihre in Hamburg, ich bastele meine hier im Funkhaus an der Kieler Förde.

Das ist irgendwie witzig, wir sind ja von jeder Menge allermodernster Technik umgeben, reden aus 100 km Entfernung miteinander, als säßen wir uns gegenüber. Viele Tausend Kinder können uns in ganz Norddeutschland hören, – nein: auf der ganzen Welt können sie uns über Lifestream im Internet oder als Podcast hören. Und was manchen Lientje und ich? Etwas total Altmodisches: Flaschenpost, – da weiß man nicht einmal, ob überhaupt jemand die bekommt, und wenn ja, wann und wo. Total verrückt!

Flaschenpostwerkstatt im Studio 2

Flaschenpost basteln im Studio. Nur die Kerze zünde ich hier sicherheitshalber nicht an.

Für alle, die auch eine basteln wollen, gibt es hier auf meiner Webseite eine ganz ausführliche Anleitung. Die ist aber ziemlich lang. Deswegen hier noch mal eine Kurzfassung:

Ihr braucht Weiterlesen

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Adorno lässt grüßen: Schriftsteller verschicken Flaschenpost.

Ein aktuell laufendes Flaschenpost-Projekt ist schriftstellerischer bzw. publizistischer und auch politischer Natur. Mehrere Zeitungen, der Kölner Stadt-Anzeiger, die Frankfurter Rundschau und die Berliner Zeitung bitten verschiedene Autoren, eine handgeschriebene Flaschenpost zu verfassen und irgendwo auszusetzen.

Den Anfang machte am 31 August der türkischstämmige Schriftsteller Dogan Akhanli. allerdings warf er seine Botschaft nicht in seiner Heimatstadt Köln in den Rhein, sondern in das seichte Wasser des Manzanares in Madrid. Dort hält er sich unfreiwillig auf, nachdem die Erdogan-Regierung über Interpol einen internationalen Haftbefehl gegen den Regimekritiker erlassen hat, der derzeit von den spanischen Behörden überprüft wird.

Zitat der Flaschenpost:

„Die sich selbst überschätzenden Despoten verbreiten immer mehr Angst und führen die Menschheit zum Abgrund. Wir müssen an die Magie des Widerstands glauben, um diese Bedrohung noch rechtzeitig abzwenden. Sind wir so dumm, dass wir aus der Erfahrung nicht lernen können?“ – Quelle: http://www.berliner-zeitung.de/28263054 ©2017

Irgendwie erinnert mich das an Theodor Adorno. Er glaubte nicht, dass seine Arbeiten zu seiner Zeit – er hatte unter den Nazis Lehrverbot erhalten und war in die USA emigriert –  eine aufmerksame Leserschaft finden würde. Deshalb bezeichnete er sie metaphorisch als Flaschenpost, – geschieben für aufmerksame, aber fremde Menschen in einer anderen Zeit.

Hoffen wir, dass es Akhanlis Appellen nicht ebenso ergeht, sondern dass sie jetzt wahrgenommen und beherzigt werden!

Ein ausführlicher, m. E. sehr lesenwerter Artikel der Berliner Zeitung hier.

Weitere Autoren, die sich an dem Projekt der drei Zeitungen beteiligen werden, sind u. A. Can Dündar, Guy Helminger, Elisabeth Herrmann, Kristof Magnusson, Tilman Röhrig, Frank Schätzing und Ilja Trojanow.

Wir dürfen gespannt sein.

Hier mehr dazu.

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Tauchflaschenpost: Wie man Geheimdienste austrickst. ;-)

Eigentlich wissen wir es ja alle. Un-eigentlich verdrängen wir es gern. Wer ins Internet geht, Suchmaschinen benutzt oder in sozialen Netzwerken aktiv ist, wird ausgespäht. Tante Google speichert Suchbegriffe und aufgerufene Websites. Facebook analysiert jedes „like“, greift Daten aus dem Smartphone ab, erstellt Bewegungsprofile. Man braucht nicht einmal viele Angaben über sich selbst zu machen, – allein die App auf dem Handy lässt Big Brother aus Orwells Roman 1984 vor Neid erblassen. Auch wer nach jeder Internetsitzung brav alle Cookies aus dem Browser löscht, behält ein mulmiges Gefühl. Youtube merkt sich auch so, was wir da zuletzt angeguckt haben. Und spätestens seit der Enthüllungen eines Edward Snowden wissen wir, dass die Geheimdienste sowieso alles scannen, was an Bits und Bytes über die großen Server läuft. Sogar Adressen von analoger Post wird für die NSA abfotografiert.

Und doch gibt es eine Nachrichtenform, die den Schlapphüten durch die elektronischen Lappen geht. Weil sie nicht elektronisch ist. Klar, ich meine die Flaschenpost!

Ich konnte mir das Grinsen nicht verkneifen. So treibt eine kleine Buddel mit einem netten Brief von China womöglich direkt nach Nordkorea und schert sich nicht um Grenzpolizei, Staatsicherheitsdienst, Sperrzonen und was es dort sonst noch so gibt. Einfachheit schlägt Überwachungstechnik!

Ob die Grenzschützer auf ihren Patroullienbooten wohl auf so was achten?

Hm, – vielleicht könnte eine kleine zusätzliche Tarnung nicht schaden?

Bei einer Plauderei mit dem Journalisten Oliver Lück hatte ich eine kleine technische Finesse entworfen: Weiterlesen

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Sie haben Post

Ein kleiner Lobgesang auf Handgeschriebenes, Flaschenpost und den Zauber des Unerwarteten. Gefunden in Ellys Ecke.

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46 Jahre alt: Was (wo?) trieb Donkeymans Flaschenpost in all den Jahren?

„Donkeyman“ James Robertsons Flaschenpost wurde nach 46 Jahren auf Norderney gefunden. Der Reiseweg vom schottischen Edinburgh zur ostfriesischen Insel ist plausibel: Die Strömungen in der Nordsee verlaufen haupsächlich gegen den Uhrzeigersinn. Ungewöhnlich ist dagegen die Zeitspanne bis zum Fund, denn sonst schaffen Flaschenposten die Strecke in ein paar Monaten.
Wie kommts? Ich tippe mal darauf, dass die Driftbuddel seinerzeit von den Wogen einer Sturmflut in die Dünen der Insel geschleudert und dann schnell von Flugsand begraben wurde. Die Sturmflut der letzten Woche hat sie womöglich wieder freigespült, so dass sie erst jetzt gefunden werden konnte.

Aufgetrieben hat die Meldung meine Bloggerkollegin Ina.

Post scriptum: Und Flaschenpostjäger Clint Buffington trieb nun auch den „Donkeyman“ höchstselbst auf. Hier die Fortsetzung der Geschichte!

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Am Main.

(Fortsetzung dieser Geschichte.)

Frankfurt/Main, 4. September 2016.  Ich habe ein paar Flaschenposten und meine Kamera in den Rucksack gepackt und bin auf dem Weg ins Museum für Kommunikation. Es liegt nicht weit weg am Museumsufer auf der anderen Seite des Mains. Vom Hotel am Hauptbahnhof bis zum Fluss sind es nur ein paar Minuten. Ich kann ihn also schon mal für die Abwurfaktion, die ich für heute Abend geplant habe, in Augenschein nehmen.

Rund 130 Meter ist er hier breit, ein ganz ansehnlicher Strom. Auf beiden Seiten flankiert von Grünanlagen, in denen es sich nett flanieren lässt. Schön haben es sich die Frankfurter gemacht. Eingefasst ist das Gewässer von senkrechten Ufermauern, zumindest hier in der Innenstadt.  Jedenfalls soweit ich sehen kann. Der Wasserstand liegt etwa 1,5 Meter unterhalb der Mauerkante. Einer hier treibenden Flaschenpost kann erst einmal nichts passieren. Weder durch Flaschenbuch auf Felsblöcken, mit denen die Böschungen vieler regulierter Flüsse befestigt sind, noch durch Leute, die sie all zu bald aus den Fluten fischen könnten.

Im Tiefflug zieht ein Kormoran vorbei und entschwindet zwischen den Pfeilern einer flussabwärts den Main überquerenden Brücke meinen Blicken. Offensichtlich gibt es doch irgendwo in der Nähe natürliche Uferabschnitte. Zumindest hohe Bäume, auf denen Kormorane horsten können.

An Hand eines auf dem Wasser treibenden Zweiges und der Geländerpfosten an der Promenade schätzte ich die Strömungsgeschwindigkeit. So etwa zehn Meter pro Minute. Macht rund 600 Meter pro Stunde oder knapp 15 km pro Tag. Sehr gemächlich.

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Holbeinsteg.

Mein Weg führt über den Holbeinsteg, eine moderne, elegante Hängebrücke, nur für Fußgänger. Es muss eine Vorgängerin gegeben haben, denn die Brückenköpfe mit den Treppenaufgängen bestehen aus bossiertem Sandstein im Stil der Neorenaissance. Der ideale Ort für die Abwurfaktion heute Abend, denke ich mir. Also spare ich es mir, auch noch den Eisernen Steg, eine wegen der historischen Eisenkonstruktion sicherlich eindrucksvolle Fußgängerbücke zehn Minuten flussaufwärts auszukundschaften.

Da es nachher wohl keine Gelegenheit mehr gibt, krame ich für ein „Gruppenfoto“ die mitgebrachten Flaschenposten aus dem Rucksack. Ein Musiker, der auf dem Akkordeon rumänische Volkslieder spielt, schaut mir wohlwollend lächelnd zu.

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Noch vereint.

Es hat etwas Bizarres: die Skyline dieser Finanzmetropole mit ihren glänzenden Hochhausfassaden. Geld regiert die Welt, sagt man. Und hier regiert man das Geld. Hier werden Börsenkurse analysiert, Gewinnprognosen aufgestellt, Profite kalkuliert, in Windeseile gewaltige Kapitalmengen hin und her geschoben. Inbegriff der kybernetischen Welt, wie Philosoph Thomas Seibert es sagen würde.

Und wir werden heute Abend Post in den Fluss werfen, ausgerechnet hier. Flaschen mit liebevoll gestalteten Briefen und zauberhaften kleinen Basteleien darin. Einfach so. Ohne den Gedanken an Profit. Ohne die Wahrscheinlichkeit berechnen zu können, dass sie gefunden werden, ohne zu wissen, ob wir jemandem ein Lächeln aufs Gesicht zaubern können oder ob irgendwer sogar antwortet. Ich kann mich des Gedankens nicht erwehren: Das hat irgendwas Subversives. 😉

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Flaschenpost im kybernetischen Zeitalter.

(Wird fortgesetzt.)

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