Beiträge mit dem Schlagwort: Flaschenbrief

Flaschenpost trieb 90 Jahre im Frischen Haff. Angehörige des Verfassers könnten in Deutschland leben.

Im Frischen Haff frische Fische fischender Fischer findet famose Flaschenpost!

Über das Kontaktformular dieses Blogs sandte mir eine mir nicht weiter bekannte Frau A. einen knappen Hinweis auf einen Artikel in der Online-Ausgabe der Dziennik Bałtycki. – „Maybe it will be useful for you :)“

Ha, und ob dieser Artikel nützlich für mich ist, liebe A. Er ist superspannend!

Aber zunächst mal hakte das Übersetzungsprogramm, und ohne Polnischkenntnisse war ich aufgeschmissen. Nach gutem Zureden zu dem PC und der Online-Hilfe von Freunden bekam ich dann Folgendes heraus:

Flaschenpost aus den Frischen Haff. Foto mit freundlicher Erlaubnis Tomasz Chudzyński

Ein in Krynica Morska auf der Frischen Nehrung ansässiger Fischer hatte im letzten Jahr als „Beifang“ eine Flaschenpost aus dem Netz gezogen. Eine offensichtlich alte Limonadenflasche¹ mit Schnappverschluss und der profilierten Aufschrift „Gebr. Herkenrath Elbing“. Elbing, heute Elbląg, war der Sitz des Getränkeherstellers. Durch das klare Glas war zu erkennen, dass sich ein Röllchen Papier darin befand. Die Buddel blieb aber erst einmal ungeöffnet. Offensichtlich scheute sich der Finder, dem arg korrodierten Bügelverschluss Gewalt anzutun. So ein nostalgisches Stück macht sich ja auch so ganz schön im Regal.

Aber die ungelesene Nachricht in der Brausebuddel lies Edyta Rożek, der Schwester des Finders, keine Ruhe. Sie war einfach zu neugierig und holte den Zettel schließlich unbeschadet heraus. Das Papier war zwar angegilbt und auch ein wenig brüchig, aber trocken!

Schwungvoller Kurzbrief aus dem Urlaub. Foto mit freundlicher Erlaubnis Tomasz Chudzyński.

Schwungvoller Kurzbrief vom Dampfer. Foto mit freundlicher Erlaubnis Tomasz Chudzyński.

Der mit blauer Tinte in einer Mischung aus Latein- und später Kurrentschrift verfasste Text lies sich problemlos lesen:

Diese Flasche wurde am 8. Juli 1929 von dem Dampfer „Kahlder“ auf der Soh Strecke Danzig – Pillau auf freiem Wasser aufgegeben. Sollte die Flasche gefunden werden, so erbitte ich Nachricht, wann und wo sie gefunden worden ist.
Heil!
Erich Sanitter
Deutschland
Waldenburg Schl.
Mühlenstr. 34
Unkosten erstatte ich zurück.

Vom Text her eine ganz typische Flaschenpost, wie sie gerne als Zeitvertreib von Urlaubern verschickt wird. Ganz klassisch: Ort und Zeit des Abwurfes, Bitte um Antwort, Adresse. Hier sogar mit der Zusage, das Porto zu erstatten. Knausern musste der Verfasser also nicht. Der flüssigen Schrift nach war es ein Erwachsener, der hier schrieb. (Schulkinder lernten damals die Sütterlin-Schrift, die ganz anders aussieht.)

Zunächst dachte ich: Er besaß einen Füllfederhalter und führte ihn auch mit sich, was damals alles andere als selbstverständlich war. Unterwegs, wo Federhalter und Tintenglas nicht zur Hand waren, schrieb man sonst mit Blei- oder Kopierstift. Erich Sanitter war offensichtlich wohlhabend oder gehörte zumindest zum gehobenen Mittelstand. Details an den Schriftzügen lassen mich inzwischen an der Füllerthese zweifeln. Es handelt sich um eine spitze, sehr nachgibige Feder. Durch unterschiedlichen Druck im Schreibfluss wurde der Strich unterschiedlich breit, was den Handschriften jener Zeit ihren charakteristischen Charme gibt. Das ist eher typisch für die altmodischen Federhalter mit Stahlfeder, mit denen sich meine Eltern noch in der Schule herumquälen mussten. Dauernd musste die Feder ins Tintefass getaucht werden, es kratzte und kleckste, wenn man nicht gerade ein sehr routinierter Schreiber war. Sanitter hatte diese Routine, trotzdem hakte die Feder beim d im Wort die. Auch ist die Tinte mal kräftiger, mal blasser, was für Eintauchen und nicht für einen Füllfederhalter spricht. Wenn das richtig ist, dann hat unser Reisender den Flaschenbrief höchstwahrscheinlich schon in Vorfreude auf seine Dampferfahrt in seinem Quartier in Danzig verfasst.

Immerhin, Sanitter konnte Urlaub an der Ostsee machen. Tomasz Chudzyński, Autor des oben verknüpften Artikels, beschreibt, dass sich die Weichselmündung seit Beginn des 20. Jahrhunderts zu einem beliebten Ferienziel entwickelt hatte. Dem dienten die Fährverbindungen zwischen Danzig, Elbing, Kahlenberg, Pillau, und Königsberg. (Bitte dazu die Bilderstrecke mit zeitgenössischen Postkarten in Chudzyńskis Artikel anschauen!)

Sanitter benutzt in seinem Flaschenbrief den forschen Gruß „Heil“. Damals zwar noch unvergiftet, war er aber wohl doch vorwiegend in nationalkonservativen Kreisen modern². Heute läuft einem der Schauer über den Rücken, verbindet man das Wort doch mit dem Hitler-Gruß der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft, die wenige Jahre nach Sanitters Ferien an der Ostsee begann. Zehn Jahre nach Abwurf der Flaschenpost begann mit dem Überfall Deutschlands auf Polen der Zweite Weltkrieg.

Was da wohl aus dem Urlauber aus Waldenburg wurde?

Nach dem Krieg wurden die Grenzen neu gezogen. Ostpreußen wurde zwischen der Sowjetunion und Polen aufgeteilt. Die Freie Stadt Danzig (heute Gdańsk) und auch Niederschlesien mit dem Städtchen Waldenburg (heute Wałbrzych) wurden ebenfalls polnisches Staatsgebiet. Von den Weltläuften unberührt trieb sich Sanitters Flaschenpost  derweil irgendwo im Frischen Haff herum. Vielleicht versteckte sie sich heimlich im Schilf oder lag im Flachwasserbereich der Lagune. Unbeeindruckt blieb sie auch dort, als im benachbarten Gdańsk ein schnauzbärtiger Gewerkschafter mit seinen Genossen dem stalinistischen Staatssystem die Stirn bot, Freiheitsrechte einforderte und damit letztlich den Fall des Sowjetimperialismus einleitete. Die Karte Europas bekam erneut neue Farben.

Und der Zettel in der Buddel wurde gerade mal ein bisschen gelb. Hermetisch abgeschlossen durch einen wackeren Porzellanstopfen, schlummerte der Urlaubsspaß des Dampfer fahrenden Schlesiers in seinem gläsernen Behältnis wie Dornröschen in ihrem verwunschenen Schloss. Nur dass es bis zu seiner Befreiung keine 100, aber immerhin 90 Jahre brauchte.

Nun wäre es interessant zu wissen, was aus Erich Sanitter und seiner Familie – wenn er denn eine hatte – geworden ist. Haben sie Krieg und Nationalsozialismus überlebt? Sind sie als Heimatvertriebene oder als Spätaussiedler nach Deutschland gekommen? Oder gibt es in irgendeinem Album ein Foto vom Dampfer Kahlder? Weiß sonst irgendjemand etwas Spannendes dazu?

Tomasz Chudzyński ist sicher an weiteren Infomationen interessiert. Wer etwas weiß, findet => hier die Mailanschrift des Journalisten oder =>hier das Kontakfomular dieses Weblogs.

Ich danke Tomasz Chudzyński herzlich für die bereitwillige Erlaunis, Fotos seines Artikels zu verwenden.

Ergänzung 02.03.2020: Eben erhielt ich eine freundliche Nachricht von Tomasz Nowak aus Polen. Er hat in einem Einwohnerverzeichnis der rund zehn Kilometer von Waldenburg entfernten Kreisstadt Schweidnitz (poln. Świdnica) aus dem Jahr 1942 einen Oberwachtmeister Erich Sanitter, wohnhaft dort in der Bahnhofsstr. 21, entdeckt. Die gleiche Person? Oder ein Verwandter unseres Flaschenpostschreibers?

 


¹ Klare Flaschen mit Bügelverschluss wurden vorwiegend für Limonaden verwendet, für Bier bevorzugte man braunes oder grünes Glas.

² Parteigänger Ludendorffs und Hindenburgs fügten dem Gruß, – wie später die Nationalsozialisten -, den Namen des von ihnen gehuldigten Großkopferten an.

 

 

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Etikettenschwindel: Nicht jede Nachricht ist eine Flaschenpost!

In früheren Jahrhunderten waren Flaschenposten oft adressiert. Finder wurden gebeten, die Flaschenbriefe an eine bestimmte Anschrift weiterzuleiten. Vielleicht an die Admiralität, die eine Expedition ausgesandt hatte, an ein hydrographisches Institut, das Daten zu Meeresströmungen sammelt, an die Reederei des Schiffes oder einfach an die Seemannsbraut daheim. Notfalls waren Konsulate dabei behilflich. Trotzdem war ungewiss, wann, wo und ob überhaupt so eine Botschaft gefunden wurde.

Bitte an die Admiralität weiterleiten. Letzte Nachrichten von Franklins tragisch gescheiterter Expedition.

Man kann eine Flaschenpost mit einer konkreten Absicht absenden, z. B. um über den Verlauf oder auch das Scheitern einer Seereise zu informieren oder um damit Meeresströmungen zu erforschen. Aber man kann sie, – anders, als wenn man den Briefkasten an der Haustür öffnet -, nicht mit einer konkreten Absicht finden. Ob eine Kommunikation zwischen Sender und Empfänger zustande kommt, ist offen.

Das gilt freilich auch für andere Kommunikationsprozesse. Theodor W. Adorno empfand es so angesichts der neuen Musik. Selbst Musiker und Komponist, faszinierte ihn die  atonale Musik Arnold Schönbergs. Allerdings war er mit seinem Interesse ziemlich allein. Die Zwölftontechnik wurde von der Öffentlichkeit seinerzeit nicht wahrgenommen oder nicht verstanden. „Keiner will mit ihr etwas zu tun haben, sie verhallt ungehört, ohne Echo“ Es blieb ungewiss, ob sich Weiterlesen

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Post aus Skummeslövsstrand

Eine Fundmeldung

Beim Ausnehmen des Briefkastens…

…ja, „Ausnehmen“, das ist das richtige Wort. Ich kann mich dabei ja nicht selbst sehen, aber bestimmt mache ich dabei so ein verkniffenes Igitt-Gesicht wie beim Säubern von Fisch. Nur dass mir dabei kein glibberiges Gedärm entgegenkommt, sondern haufenweise Weihnachtswerbung, Gutscheine hiesiger Kaufhäuser (einzulösen vorgestern bei gleichzeitigem Einkauf in Höhe von drei Monatsgehältern) und Therapieangebote der Bank für mein anorektisches Sparschwein. Bäh, nee…

Aber gestern purzelte mir doch eine Postkarte entgegen! – Aber aus der Verwandtschaft ist doch gar keiner in Urlaub?

Skummeslövstrand steht unter den Strandfotos auf der Bildseite. Auf schwedischen Briefmarken lustige Piepmätze. Skummes… was?

„Hello Peter! I found your bottle post in Skummeslövsstrand, Prov Halland in Sweden…“ begann ich zu lesen. Weiterlesen

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Urbexing in Sheffield: Neue Flaschenpost-Drop-Offs.

„Bin gespannt, wie es weitergeht“, schrieb Ina unter meinen letzten Beitrag. Ich natürlich auch! Darüber, wie es weiter ging, hielt mich Hilke Kurzke auf dem Laufenden. Was ich nun berichte, stammt also alles von ihr, einschließlich der Fotos. Aber sie wird bestimmt auch selbst – und damit authentisch – in ihrem Blog von den Ereignissen berichten, sobald sie dafür etwas Muße hat.

Stand der Dinge: Hilke hatte am 9. Oktober meine Flaschenpost Nr. 100 von der Lady’s Bridge in Sheffield in den Fluss Don geworfen. Und ihre eigene Nr. 100 von einer wenig flussaaufwärts gelegenen Fußgängerbrücke. Meiner Wanderflaschenpost war allerdings nicht nach wandern zumute und sie blieb erst einmal an anderem Treibgut hängen.

FP 100 im Don

Sieht mich wer?

Als Hilke am darauffolgenden Tag nachschaute, war sie immerhin einen Steinwurf weit gekommen. Aber besonders eilig schien sie es nicht zu haben. Die Ufermauer reflektierte die Herbstsonne, da war es eben schön!

Auch am übernächsten Tag (11.9.) stattete Hilke der Buddel einen Besuch ab. Wegen der auffälligen Bemalung war sie leicht zu entdecken. Ja, sie war etwas weitergekommen. Mit Betonung auf „etwas“. Sehr gemächlich bewegte sie sich weiter, seeehr gemächlich. Mit jedem Strauch und jedem Stein im Flussbett wurde erst einmal ein kleiner Plausch gehalten, bevor sich die Flasche bequemte, sich mit einer langsamen Drehung wieder etwas in die Strömung zu begeben.

Diese Diva! Vielleicht hoffte sie, mit ihrem poppigen Make-Up von Spaziergängern oberhalb der Ufermauer bewundert zu werden. So nach dem Motto: „Staunt mal schön und wundert euch, aber an mich ran lasse ich niemanden!“ Aber warte, für das Wochenende ist Regen angesagt, und dann wird das Stück „River of No Return“ gegeben!

Mit ihrer Gemütlichkeit verpasste Nr. 100 den Message in a Bottle Drop-Off vom 10. Oktober, der sich ein Stück flussabwärts abspielen sollte. Ein Doppel von Nr. 101 von Hilke und Nr. 101 von mir. Aber der Reihe nach. Weiterlesen

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Flaschenpostbasteln bei Mikado im NDR (mit Bastelanleitung)

Heute habe ich meine Flaschenpostwerkstatt in das Funkhaus Kiel vom Norddeutschen Rundfunk verlegt. Jeden Sonntag gibt es nämlich im Radio auf NDR-Info die Kindersendung Mikado am Morgen. Und heute geht es um Flaschenpost. Mit Reportagen aus dem BSH (Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie), mit Interviews – auf der Nordseeinsel Langeness warten Babette und Tarek am Telefon –  und mit Lientje und mir.

Lientje sitzt zusammen mit dem Redakteur Tim Berendonk im Studio in Hamburg, wo die Sendung produziert wird. Ich bin ganz allein in dem Studio in Kiel. Das heißt, nicht ganz allein, denn hinter einer großen Glasscheibe sitzt noch der Tontechniker und ein Praktikant, denn ich kann die vielen Regler auf dem Mischpult vor mir ja nicht selbst bedienen. Von Technik habe ich nämlich keine Ahnung. Dafür aber von Flaschenposten, da bin ich Experte. Zumindest tu ich so.

Wenigstens weiß ich, was hier das Mikrofon ist, in das ich sprechen muss. Ich habe einen Kopfhörer auf. Damit höre ich den Tontechniker, der mir sagt, was ich tun soll. Ich höre auch mich selbst. Meine eigene Stimme, meine Güte, das ist komisch! Und ich höre Lientje und Tim in Hamburg und wir können uns ganz normal unterhalten. Ich kann sie zwar nicht sehen und sie mich auch nicht, aber trotzdem ist das so, als säßen wir zusammen. Das klappt ganz prima!

Natürlich fachsimpeln wir nicht nur über Flaschenposten. Klar, – es werden in der Sendung auch welche gebastelt. Lientje schreibt und malt ihre in Hamburg, ich bastele meine hier im Funkhaus an der Kieler Förde.

Das ist irgendwie witzig, wir sind ja von jeder Menge allermodernster Technik umgeben, reden aus 100 km Entfernung miteinander, als säßen wir uns gegenüber. Viele Tausend Kinder können uns in ganz Norddeutschland hören, – nein: auf der ganzen Welt können sie uns über Lifestream im Internet oder als Podcast hören. Und was manchen Lientje und ich? Etwas total Altmodisches: Flaschenpost, – da weiß man nicht einmal, ob überhaupt jemand die bekommt, und wenn ja, wann und wo. Total verrückt!

Flaschenpostwerkstatt im Studio 2

Flaschenpost basteln im Studio. Nur die Kerze zünde ich hier sicherheitshalber nicht an.

Für alle, die auch eine basteln wollen, gibt es hier auf meiner Webseite eine ganz ausführliche Anleitung. Die ist aber ziemlich lang. Deswegen hier noch mal eine Kurzfassung:

Ihr braucht Weiterlesen

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Adorno lässt grüßen: Schriftsteller verschicken Flaschenpost.

Ein aktuell laufendes Flaschenpost-Projekt ist schriftstellerischer bzw. publizistischer und auch politischer Natur. Mehrere Zeitungen, der Kölner Stadt-Anzeiger, die Frankfurter Rundschau und die Berliner Zeitung bitten verschiedene Autoren, eine handgeschriebene Flaschenpost zu verfassen und irgendwo auszusetzen.

Den Anfang machte am 31 August der türkischstämmige Schriftsteller Dogan Akhanli. allerdings warf er seine Botschaft nicht in seiner Heimatstadt Köln in den Rhein, sondern in das seichte Wasser des Manzanares in Madrid. Dort hält er sich unfreiwillig auf, nachdem die Erdogan-Regierung über Interpol einen internationalen Haftbefehl gegen den Regimekritiker erlassen hat, der derzeit von den spanischen Behörden überprüft wird.

Zitat der Flaschenpost:

„Die sich selbst überschätzenden Despoten verbreiten immer mehr Angst und führen die Menschheit zum Abgrund. Wir müssen an die Magie des Widerstands glauben, um diese Bedrohung noch rechtzeitig abzwenden. Sind wir so dumm, dass wir aus der Erfahrung nicht lernen können?“ – Quelle: http://www.berliner-zeitung.de/28263054 ©2017

Irgendwie erinnert mich das an Theodor Adorno. Er glaubte nicht, dass seine Arbeiten zu seiner Zeit – er hatte unter den Nazis Lehrverbot erhalten und war in die USA emigriert –  eine aufmerksame Leserschaft finden würde. Deshalb bezeichnete er sie metaphorisch als Flaschenpost, – geschieben für aufmerksame, aber fremde Menschen in einer anderen Zeit.

Hoffen wir, dass es Akhanlis Appellen nicht ebenso ergeht, sondern dass sie jetzt wahrgenommen und beherzigt werden!

Ein ausführlicher, m. E. sehr lesenwerter Artikel der Berliner Zeitung hier.

Weitere Autoren, die sich an dem Projekt der drei Zeitungen beteiligen werden, sind u. A. Can Dündar, Guy Helminger, Elisabeth Herrmann, Kristof Magnusson, Tilman Röhrig, Frank Schätzing und Ilja Trojanow.

Wir dürfen gespannt sein.

Hier mehr dazu.

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Tauchflaschenpost: Wie man Geheimdienste austrickst. ;-)

Eigentlich wissen wir es ja alle. Un-eigentlich verdrängen wir es gern. Wer ins Internet geht, Suchmaschinen benutzt oder in sozialen Netzwerken aktiv ist, wird ausgespäht. Tante Google speichert Suchbegriffe und aufgerufene Websites. Facebook analysiert jedes „like“, greift Daten aus dem Smartphone ab, erstellt Bewegungsprofile. Man braucht nicht einmal viele Angaben über sich selbst zu machen, – allein die App auf dem Handy lässt Big Brother aus Orwells Roman 1984 vor Neid erblassen. Auch wer nach jeder Internetsitzung brav alle Cookies aus dem Browser löscht, behält ein mulmiges Gefühl. Youtube merkt sich auch so, was wir da zuletzt angeguckt haben. Und spätestens seit der Enthüllungen eines Edward Snowden wissen wir, dass die Geheimdienste sowieso alles scannen, was an Bits und Bytes über die großen Server läuft. Sogar Adressen von analoger Post wird für die NSA abfotografiert.

Und doch gibt es eine Nachrichtenform, die den Schlapphüten durch die elektronischen Lappen geht. Weil sie nicht elektronisch ist. Klar, ich meine die Flaschenpost!

Ich konnte mir das Grinsen nicht verkneifen. So treibt eine kleine Buddel mit einem netten Brief von China womöglich direkt nach Nordkorea und schert sich nicht um Grenzpolizei, Staatsicherheitsdienst, Sperrzonen und was es dort sonst noch so gibt. Einfachheit schlägt Überwachungstechnik!

Ob die Grenzschützer auf ihren Patroullienbooten wohl auf so was achten?

Hm, – vielleicht könnte eine kleine zusätzliche Tarnung nicht schaden?

Bei einer Plauderei mit dem Journalisten Oliver Lück hatte ich eine kleine technische Finesse entworfen: Weiterlesen

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