Beiträge mit dem Schlagwort: Seefahrtsromantik

Flaschenposten: Rätsel, Faszination und Form.

At the same time that we are earnest to explore and learn all things, we require that all things be mysterious and unexplorable, that land and sea be infinitely wild, unsurveyed and unfathomed by us because unfathomable.

(Henry David Thoreau, Walden.)

Seine Großmutter, so erinnert sich Bruce Chatwin, hätte in einem Schränkchen allerlei Kurositäten gehütet. Darunter sei auch ein mit einer Stecknadel auf eine Karte geheftetes Hautstück eines vorsintflutlichen Tieres gewesen. Angeblich von einem Brontosaurus. Die Dame hatte das seltsame Souvenir von ihrem Cousin, einem abenteuerlustigen Seemann, zugeschickt bekommen. Der war irgendwann in Patagonien landfest geworden und hatte dort unter anderem nach Fossilien gesucht. Das Lederstück stammte aus der Ausbeute von Funden, die er in einer Höhle in Feuerland ausgegraben hatte.

Bei näherem Hinsehen entpuppte sich der Hautfetzen mit den borstigen roten Haaren nicht als Rest eines Sauriers, sondern eines Riesenfaultiers. Aber das focht den kleinen Bruce seinerzeit nicht an, denn auch ein pleistozänes Mylodon war exotisch genug, um die Phantasie des Jungen zu beschäftigen und das Fernweh des späteren Weltreisenden zu wecken.

Bei noch näherem Hinsehen dürfte sich die Geschichte als Chatwins Erfindung erweisen, wie so vieles in der Biographie des Schriftstellers. Aber das soll uns nun wieder nicht anfechten, denn die Story ist wirklich gut. Und sie illustriert bestens das Thema, um das es hier gehen soll. Weiterlesen

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Die Flaschenposten der Deutschen Seewarte: Ein Besuch beim BSH.

Zugegeben: Besonders „zeitnah“ kommt dieser Artikel nicht. Aber wer wird schon ausgerechnet von einem Liebhaber von meistens nicht so eiligen Flaschenposten life blogging erwarten? 😉  Hier also der zweite Teil der Exkursion zum Hamburger Hafen, die ich am 4. Juli zusammen mit der Bloggerin Andrea  und dem Flaschenpostsammler Clint Buffington unternommen habe. Ich hatte die beiden und auch den Anlass unseres Ausflugs hier im ersten Teil der Serie schon kurz vorgestellt.

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Es ist kurz vor elf und schon heiß und und für Hamburger Verhältnisse außerordentlich stickig, als wir die breite Treppe oberhalb der Landungsbrücken hoch steigen. Vor dem Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) flattern viele Fahnen. Das Haus hat heute Tag der offenen Tür. Anlass ist das 25-jährige Bestehen der Behörde, die nach der Wiedervereinigung durch Zusammenlegung ost- und westdeutscher Institutionen neugegründet wurde.

Im Foyer treffen wir meine beiden Mädels – Frau und Tocher -, die sich uns für die nächsten Etappen unserer Exkursion anschließen. Mein Sprößling Henny macht eine Ausbildung beim BSH, aber was nun kommt, nämlich die Flaschenpostsammlung des BSH, kennt sie auch noch nicht. Also fragen wir uns zur Bibliothek durch. Breites Grinsen bei uns allen, als wir in einem der Flure auf eine Aktivität für die ganz jungen Besucher stoßen. Die Kiddies basteln – na klar, was auch sonst! – Flaschenposten! Wir scheinen auf dem richtigen Weg zu sein. Weiterlesen

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Einbetonierte Phantasie? Das Rätsel unbeantworteter Flaschenposten.

Ich hatte hier schon einmal das Flaschenpost-Kunstexperiment von Steve Meyer angesprochen und dabei überlegt, woran der geringe Rücklauf von Antworten liegen könnte. Das gleiche Thema möchte ich noch einmal aufgreifen und dabei von der Ausstellung, die sich aus dem Projekt ergeben hat, ausgehen.

Meyer hatte 100 Flaschenposten im Stadtgebiet von Hamburg verteilt. Von acht Findern kamen Antworten, jeweils mit einem im Flaschenbrief erbetenen Foto des Finders bzw. der Finder. Die Fotos wurden dann in Flaschen im Museum für Kommunikation ausgestellt. Die Finder bekamen damit für den Künstler und die Besucher der Ausstellung ein Gesicht, – ihr eigenes Gesicht.

Auch die anderen 92 Flaschenpsten müssen gefunden worden sein, denn sonst wären sie ja immer noch dort, wo Meyer sie deponiert hat. Aber die Finder bleiben unbekannt und damit gesichtslos. Die Hoffnung auf eine Interaktion von Sender und Empfänger hat sich hier zerschlagen. So war es konsequent, dass sie in der Ausstellung durch 92 zerschlagene Flaschen repräsentiert wurden. Meyer hat die Scherben in jeweils einen 30 x 30 cm großen Betonklotz eingegossen.

Ich hatte darüber spekuliert, woran es gelegen haben könnte, dass die Resonanz so gering war. Vielleicht waren es die ungewöhnlichen (oder allzu gewöhnlichen) Orte weswegen die Passanten nicht in Stimmung waren, sich damit zu befassen. Oder es laufen in der Stadt zu viele Leute herum, die sich von so einem Fund einfach nicht faszinieren lassen.

Aber wie ist es an der See, mit „richtigen“ Flaschenposten und dem dafür passenen landschaftlichen Ambiente, also dem Geräusch der Wellen, dem Geruch der Seeluft und dem weiten Blick zum Horizont?

Kliff

Eine Steilküste: die Geschichte von Werden und Vergehen.

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Lück, Locke und die Philosophie der Flaschenpost.

Sauwetter da draußen! Mit stillem Vergnügen reibe ich mir die Hände. Billie, die temperamentvolle Tochter von Alexandra, leistet ganze Arbeit! Billie ist ein kleines Sturmtief, das gerade am Rande der machtvollen Nordmeer-Zyklone Alexandra (die hatte zeitweilig einen Kerndruck von 940 hPa) über Jütland hinweg in Richtung Ostsee gelenkt wird.

Handfester Südwestwind: genau richtig, um ein kleines Geschwader von sieben Flaschenposten aus der Kieler Bucht in den Fehmarnbelt zu treiben. Sieben Flaschenposten? So viele hatte ich noch nie auf einmal losgeschickt. Wie es dazu kam, will ich nun erzählen. Eine etwas längere Geschichte.

E-Mails

Es begann Anfang November mit einer E-Mail des Journalisten Oliver Lück. Er schrieb mir, dass er an einem Buch über Flaschenposten in der Ostsee arbeite, die von einer Frau in Lettland gefunden worden seien. Genauer gesagt, es ginge über die Menschen, die sie losgeschickt hätten und die er an Hand ihrer Flaschenpostgeschichten porträtieren wolle.

„Für weitere, etwas kürzere Geschichten in diesem Buch möchte ich auch Menschen besuchen, die ebenso schöne Flaschenpostgeschichten erzählen können. So wie Sie es sicherlich können… Hätten Sie Zeit, mir im November oder Dezember mehr über Ihr ungewöhnliches Hobby zu erzählen?“

Ich wurde neugierig. Weiterlesen

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Flaschenposten ins Bild gesetzt.

Die Flaschenpost am Strand scheint ein beliebtes Fotomotiv zu sein. Ganz offensichtlich verkörpert die Buddel am Spülsaum irgendetwas, wonach sich Menschen sehnen. Die Stimmung am Meer, Seefahrtsromantik, Träumereien von irgendeinem fernen, vielleicht einsamen Menschen, der einen anderen sucht…

Das Dumme ist nur, dass es so viele Flaschenposten gar nicht gibt, um den diesbezüglichen Motivhunger der Fotografen zu stillen. Und wenn doch eine gefunden wird, dann ist selten eine Kamera zur Hand. Also sehen wir von echten Flaschenposten meistens das Foto, auf dem der stolze Finder Buddel und Brief präsentiert.

Die anderen Bilder sind meistens gestellt. Oder getürkt. Die Ergebnisse sind manchmal ganz stimmungsvoll, oft aber auch irgendetwas zwischen kitschig und haarsträubend. Besonders, wenn allzu deutlich wird, dass der Fotograf noch nie eine Flaschenpost gesehen hat.

Hier ein paar Beispiele Weiterlesen

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Ein ganz und gar ungewöhnlicher Flaschenposttag.

Screenshot, NDR-Fernsehen, Sendung DAS! 16.05.2014

Screenshot, NDR-Fernsehen, Sendung DAS! 16.05.2014

 

Die Geschichte begann vor etwa drei Wochen. In meinem E-Mail-Postfach fand ich eine Nachricht, abgesandt über das Kontaktformular dieses Blogs:

Hallo,

wir bereiten für unsere Sendung DAS! verschiedene Beiträge zum 10. Mai/Hafengeburtstag vor. Ich bin Autorin und kümmere mich um Flaschenpost-Geschichten für die Sondersendung. Ich würde gerne mit Ihnen zum Thema telefonieren, wenn es geht. Gerne können Sie mich anrufen unter […]. Ich freue mich auf Ihre Rückmeldung. Herzliche Grüße aus Hamburg: Gabriella Balassa NDR Fernsehen, Redaktion DAS!,

Etwas später, nach meiner Rückmeldung, eine erste Konkretisierung:

Könnten Sie sich vorstellen, dass Sie mit uns kurz drehen und ein kurzes Interview geben zum Thema Flaschenpost?

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Meine Flaschenpost-Zielgruppe.

Der Wind schüttelt die Eicheln, Kastanien und auch schon einige Blätter von den Bäumen. Gänsescharen ziehen südwärts. Bei uns kann man beobachten, wie sie, von der Ostsee kommend, den Förden folgen, um dann nur eine kurze Landstrecke bis zum Nordfriesischen Wattenmeer überfliegen zu müssen. Auf jeden Fall: Es ist Herbst. Und damit Flaschenpostsaison.

Kliff

Flaschenpostsaison? So was gibts? Weiterlesen

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