Beiträge mit dem Schlagwort: Phantasie

Die Flaschenpost

Über den Zauber in einer Kinderseele. Und wie man diesen Zauber – und die Seele! – kaputt machen kann, wird hier rückblickend von Stella Oogst geschildert. Der Beitrag ist so anschaulich und treffend, dass ich ihn hier unbedingt rebloggen möchte.

Stella Oogst

In irgendeiner Kindersendung damals hatte ich das mit der Flaschenpost aufgeschnappt, und es ließ mich einfach nicht mehr los. Flaschenpost! Eine Nachricht in eine Flasche stecken und die Flasche in das Meer werfen und warten, wer antwortet. Ich konnte meine Nachricht gar nicht schnell genug verfassen.

Ich schrieb keine Nachricht, sondern malte ein Pony, das gerade ein Maul voll Gras verspeiste. Natürlich musste mir der Finder auch antworten können, und so schrieb ich noch meine Adresse auf die Rückseite vom Bild. Meine Mutter war da wenig begeistert. „Wer weiß denn, wer da plötzlich bei uns vor der Tür steht?“ Aber mein Vater meinte ganz ungeniert in meiner Hörweite, dass die Flasche wahrscheinlich sowieso in der nächsten Flussbiegung an einem Stein zerschellen und kaputt gehen würde. Letztendlich hielt mich diese frustrierende Aussicht aber nicht davon ab, doch eine Flaschenpost zu basteln, nachdem meine Mutter noch gekonnt sowas wie „Ach, macht doch…

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Flaschenposten: Rätsel, Faszination und Form.

At the same time that we are earnest to explore and learn all things, we require that all things be mysterious and unexplorable, that land and sea be infinitely wild, unsurveyed and unfathomed by us because unfathomable.

(Henry David Thoreau, Walden.)

Seine Großmutter, so erinnert sich Bruce Chatwin, hätte in einem Schränkchen allerlei Kurositäten gehütet. Darunter sei auch ein mit einer Stecknadel auf eine Karte geheftetes Hautstück eines vorsintflutlichen Tieres gewesen. Angeblich von einem Brontosaurus. Die Dame hatte das seltsame Souvenir von ihrem Cousin, einem abenteuerlustigen Seemann, zugeschickt bekommen. Der war irgendwann in Patagonien landfest geworden und hatte dort unter anderem nach Fossilien gesucht. Das Lederstück stammte aus der Ausbeute von Funden, die er in einer Höhle in Feuerland ausgegraben hatte.

Bei näherem Hinsehen entpuppte sich der Hautfetzen mit den borstigen roten Haaren nicht als Rest eines Sauriers, sondern eines Riesenfaultiers. Aber das focht den kleinen Bruce seinerzeit nicht an, denn auch ein pleistozänes Mylodon war exotisch genug, um die Phantasie des Jungen zu beschäftigen und das Fernweh des späteren Weltreisenden zu wecken.

Bei noch näherem Hinsehen dürfte sich die Geschichte als Chatwins Erfindung erweisen, wie so vieles in der Biographie des Schriftstellers. Aber das soll uns nun wieder nicht anfechten, denn die Story ist wirklich gut. Und sie illustriert bestens das Thema, um das es hier gehen soll. Weiterlesen

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