Beiträge mit dem Schlagwort: Aufmerksamkeit

Mit 216 km/h gegen die Zeit. Gedanken im Zug.

ICE 1173, 4. September 2016. Durch die Glaswand am Ende des Großraumwagens kann ich einen Flachbildschirm sehen. Abwechselnd mit dem nächsten Haltebahnhof des Zuges wird immer wieder die Geschwindigkeit angezeigt. 160 km/h sind es gerade. Der Zug ist zu schnell, um die Stationsschilder der kleineren Bahnhöfe entlang der Strecke zu lesen. Einen Blick auf den von Hundertwasser umgestalteten Bahnhof in Uelzen erhaschen zu wollen, ist aussichtslos. Ich versuche es gar nicht erst.

Wie im vorletzten Beitrag geschildert, hat man mich zur Ausstellung mit dem Titel „Mit dem Strom gegen die Zeit: TREIB_GUT FLASCHENPOST“ im Museum für Kommunikation nach Frankfurt eingeladen. Joachim Römer, Künstler, Flaschenpostsammler und Gestalter der Ausstellung, hatte mir dazu ein Manuskript seines Freundes, des Philosophen Thomas Seibert zugeschickt. Es sind „Sieben Annäherungen an das Sammeln von Flaschenposten“. Und da ackere ich mich, der ich von Philosophie und Kunst kaum Ahnung habe, gerade durch. Weiterlesen

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Presse, Funk und Fernsehen.

Ein offener Brief an Journalisten und Redakteure.

Es freut mich riesig, wenn mein Blog und das Thema, über das ich schreibe, auf Interesse stößt. Manchmal gibt es sogar Anfragen nach Interviews oder die Bitte um Mitwirkung an Fernsehbeiträgen. Das ist natürlich etwas ganz Besonderes!

Etwas Besonderes in mehrfacher Hinsicht. Einerseits ist es eine besondere Form der Aufmerksamkeit, die mir da zuteil wird. Und wer freut sich nicht über ein so positives Echo!

Andererseits gibt es auch ein Zuviel von Aufmerksamkeit, und das könnte ungesund sein. Gerade für so einen Zeitgenossen wie mich, der mit seiner Person doch lieber in Deckung bleibt. So kommt es, dass ich in letzter Zeit mehrmals Interviewwünsche von Fernsehredaktionen abgelehnt habe. Warum das?

Reportage

Mit Maja Weber und Team im Internationalen Maritimen Museum in Hamburg

Zunächst mal: Weiterlesen

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Stumme Fundmeldungen

Über mit Sicherheit gefundene, aber nicht beantwortete Flaschenposten hatte ich mir auch schon mal Gedanken gemacht: => hier.

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Flaschenposten: Rätsel, Faszination und Form.

At the same time that we are earnest to explore and learn all things, we require that all things be mysterious and unexplorable, that land and sea be infinitely wild, unsurveyed and unfathomed by us because unfathomable.

(Henry David Thoreau, Walden.)

Seine Großmutter, so erinnert sich Bruce Chatwin, hätte in einem Schränkchen allerlei Kurositäten gehütet. Darunter sei auch ein mit einer Stecknadel auf eine Karte geheftetes Hautstück eines vorsintflutlichen Tieres gewesen. Angeblich von einem Brontosaurus. Die Dame hatte das seltsame Souvenir von ihrem Cousin, einem abenteuerlustigen Seemann, zugeschickt bekommen. Der war irgendwann in Patagonien landfest geworden und hatte dort unter anderem nach Fossilien gesucht. Das Lederstück stammte aus der Ausbeute von Funden, die er in einer Höhle in Feuerland ausgegraben hatte.

Bei näherem Hinsehen entpuppte sich der Hautfetzen mit den borstigen roten Haaren nicht als Rest eines Sauriers, sondern eines Riesenfaultiers. Aber das focht den kleinen Bruce seinerzeit nicht an, denn auch ein pleistozänes Mylodon war exotisch genug, um die Phantasie des Jungen zu beschäftigen und das Fernweh des späteren Weltreisenden zu wecken.

Bei noch näherem Hinsehen dürfte sich die Geschichte als Chatwins Erfindung erweisen, wie so vieles in der Biographie des Schriftstellers. Aber das soll uns nun wieder nicht anfechten, denn die Story ist wirklich gut. Und sie illustriert bestens das Thema, um das es hier gehen soll. Weiterlesen

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Flaschenpostgeschichten. Ein Abend mit „Käpt’n Kork“.

Das Buch ist ist nun da! Seit Ostern ist es auf dem Markt. Heute hat es der Autor mit einer Lesung in Kiel-Friedrichsort vorgestellt. Ich meine dieses:

Oliver Lück, Flaschenpostgeschichten: Von Menschen, ihren Briefen und der Ostsee. (Hamburg 2016: Rowohlt). TB 240 S.

Vor einiger Zeit hatte ich in diesem Blogartikel geschrieben, wie der reiselustige Journalist mit dem Spitzbart mich in sein Buchprojekt involvierte. Deswegen würde es für mich nicht so richtig passen, eine Rezension zu schreiben. Aber ein bischen über den heutigen Abend plaudern, das will ich mir nicht nehmen lassen.

Die Buchhandlung Almut Schmidt ist einer jener Läden, die sich mit Engagement, Mut und dem Charme des Individuellen gegen die mehrstöckigen Buchkaufhäuser der Innenstädte stemmen. Hoffentlich mit Erfolg! Hier, ganz nah an der Ostsee, sollte Oliver Lücks Lesereise beginnen. Weiterlesen

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Botschaften in das Jenseits und Briefe an die Nereïden. Die religiöse Facette der Flaschenpost.

Am Strand von Cape Cod findet Theresa Osborn eine Flaschenpost. Der Inhalt ist nicht etwa die Bitte eines Kindes um eine Nachricht des Finders, wie die Journalistin mit Rückblick auf ihre Kindheit vermutet hatte, sondern ein ergreifender Liebesbrief. Gerichtet ist er an eine Verstorbene: Catherine. Absender: G. Keine weiteren Angaben, die eine Antwort an den Flaschenpostschreiber möglich machen.

So die Ausgangssituation, aus der Nicholas Sparks seinen Roman „Message in a Bottle“ (deutsch: Weit wie das Meer) entwickelt. Bekannt wurde die Erzählung 1999 durch die Verfilmung mit Kevin Costner und Robin Wright in den Hauptrollen.

Flaschenbriefe an Menschen, die nicht mehr unter uns sind, sind gar nicht mal selten. So wie hier.  Oft offenbaren sie eine feine und ausdrucksvolle Art der Trauer. Wer einen Menschen loslassen muss, braucht eine Form, um den Gefühlen Ausdruck zu geben. Weiterlesen

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Schon mal eine Botellanovela gelesen?

„Was hängst du bei dem schönen Wetter die ganze Zeit vor der Flimmerkiste rum?! Statt diese Seifenoper zu gucken solltest du lieber an die frische Luft gehen und die neue Botellanovela suchen!“

So oder so ähnlich könnte demnächst die Aufforderung zu einem Spaziergang in der Natur klingen. Aber vielleicht streifen bald einige Leute mehr von sich aus das Flussufer entlang, auch ohne dass der Hund sie vorher eindringlich anstupsen muss.

Aber was soll das denn sein, eine Botellanovela?

Literatur im Treibgut. Foto mit freundlicher Erlaubnis von Feodora Federkiel.

Literarisches Treibgut. Foto mit freundlicher Erlaubnis von Feodora Federkiel.

Okay, das kann keiner wissen, das Wort habe ich mir gerade ausgedacht. Aber die Sache, um die es geht, ist eine Erfindung von Feodora Federkiel. Eine eigene Literaturgattung nämlich: Fortsetzungsgeschichten als Flaschenpost. Seit dieser Woche sind sie auf dem Markt – äh – in der Strömung, wollte ich sagen. Feodoras Flaschenbriefe sind kleine in sich geschlossene Episoden, die aber jeweils die Kapitel einer längeren Erzählung bilden. Nach und nach treiben sie in Flaschen den Fluss, an dem die Autorin in einem Bauernhof lebt, hinunter. Je nach dem, wie sich die Gelegenheit zum Anfertigen und Auswerfen der liebevoll gemachten Flaschenposten ergibt, kommt eine neue Folge in den Strom.

Für die Finder gibt es allerdings eine besondere Herausforderung. Die Geschichten sind nämlich in „Sütterlin“ geschrieben, einer alten Handschrift, die in den zwanziger und dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts üblich war. Da muss dann wohl erst einmal die Uroma konsultiert werden. Oder sonst irgendjemand, der das noch bzw. wieder kann. Im Zweifelsfall hilft sicher auch Feodora, denn so altmodisch, dass sie nicht über das Internet erreichbar wäre, ist die Dame ja nicht. 😉

Vielleicht ist es ja auch ein Ansporn, selbst diese Schrift zu lernen! Oder die Finder tauschen sich bald untereinander auf Webforen aus:

„Ich hab das Ostufer von Flusskilometer soundso bis soundso abgesucht und Folge 8 und 11 gefunden. Hat jemand 9 und 10? Biete im Gegenzug Transskription an!“ 😉 😀

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