Beiträge mit dem Schlagwort: Design

Flaschenposten: Rätsel, Faszination und Form.

At the same time that we are earnest to explore and learn all things, we require that all things be mysterious and unexplorable, that land and sea be infinitely wild, unsurveyed and unfathomed by us because unfathomable.

(Henry David Thoreau, Walden.)

Seine Großmutter, so erinnert sich Bruce Chatwin, hätte in einem Schränkchen allerlei Kurositäten gehütet. Darunter sei auch ein mit einer Stecknadel auf eine Karte geheftetes Hautstück eines vorsintflutlichen Tieres gewesen. Angeblich von einem Brontosaurus. Die Dame hatte das seltsame Souvenir von ihrem Cousin, einem abenteuerlustigen Seemann, zugeschickt bekommen. Der war irgendwann in Patagonien landfest geworden und hatte dort unter anderem nach Fossilien gesucht. Das Lederstück stammte aus der Ausbeute von Funden, die er in einer Höhle in Feuerland ausgegraben hatte.

Bei näherem Hinsehen entpuppte sich der Hautfetzen mit den borstigen roten Haaren nicht als Rest eines Sauriers, sondern eines Riesenfaultiers. Aber das focht den kleinen Bruce seinerzeit nicht an, denn auch ein pleistozänes Mylodon war exotisch genug, um die Phantasie des Jungen zu beschäftigen und das Fernweh des späteren Weltreisenden zu wecken.

Bei noch näherem Hinsehen dürfte sich die Geschichte als Chatwins Erfindung erweisen, wie so vieles in der Biographie des Schriftstellers. Aber das soll uns nun wieder nicht anfechten, denn die Story ist wirklich gut. Und sie illustriert bestens das Thema, um das es hier gehen soll. Weiterlesen

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Keine Geschäftsidee?

Ich hatte ja schon mal angedeutet, dass es gar nicht so einfach ist, an gute Flaschen für Flaschenposten heranzukommen. An solche, die einigermaßen robust sind und vielleicht auch ein bischen Stil haben.

Zwar trinken meine Liebste und ich gelegentlich mal ein Schlückchen Rotwein, aber das ist doch eher selten. Außerdem sind normale Weinflaschen meistens recht dünnwandig, also für eine Reise auf dem Wasser nur zweite Wahl. Sektflaschen sind dagegen prima, da fällt vielleicht mal eine zu Sylvester an. Hochprozentiges haben wir gar nicht im Haus. Gelegentlich findet mal eine Bitter-Lemon-Flasche den Weg nicht zurück zur Pfandstation. Wieder mit Betonung auf „gelegentlich“. Was bleibt, sind Essig- und Ölflaschen, und das Dilemma damit hatte ich hier ja schon beschrieben.

Ja, Essig- und Öl, dafür gibt es sogar Fachgeschäfte. So mit exquisiten Sorten, die man sich nach Wunsch von Hand abfüllen lässt. Gestern kam ich an einem vorbei. Mein Blick blieb sofort an dem unteren Regal hängen. Ein formenreiches Sortiment an Buddeln war dort aufgereiht! Manche etwas kitschig in Form von Leuchttürmen oder Segelbooten. Aber viele auch sehr stilvoll, robust, und fast alle mit Korkstopfen. Preislich durchaus akzeptabel. Also nahm ich ein paar in Augenschein, die sicher besonders malerische Flaschenposten ergeben müssten.

Essig und Öl

Essig, Öl und jede Menge inhaltsleere Flaschen.

Der Inhaberin war aufgefallen, dass ich ihr Vinegar-Angebot keines Blickes gewürdigt hatte. Weiterlesen

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Flaschenpost-Performance und die Disposition der Finder.

Steve Meyer führte im Jahr 2000 ein interessantes Flaschenpost-Experiment durch. Er deponierte 100 Flaschenposten an verschiedenen Orten in Hamburg. Irgendwo vor Haustüren, in Treppenhäusern, an der Bushaltestelle, im Waschsalon, dem Besucher-WC eines Theaters, in Geschäften.

Das Erstaunliche: Nur von acht Findern kam eine Rückmeldung. Das ist weniger als bei den ein Jahrundert zuvor weltweit von der Seewarte Hamburg ausgesetzten Driftflaschen. Die hatten immerhin einen Rücklauf von 13 %, obwohl sicher ein großer Anteil an Klippen zerschellt ist, in Mangrovensümpfen hängen blieb oder an den Stränden der Atacama- und der Namib-Wüste von Dünen begraben wurde. Außerdem war damals der Analphabetismus weit verbreiteter als heute, so dass mancher Finder wohl nichts rechtes mit dem darin steckenden Formular anzufangen wusste. Die von Meyer in der modernen Metropole ausgesetzten Flaschen mussten dagegen zwangsläufig früher oder später gefunden werden. Und eine Antwort dürfte sicher kein Problem gewesen sein.

Woran lag es also, das so wenig Resonanz kam? Meine These: Weiterlesen

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Lück, Locke und die Philosophie der Flaschenpost.

Sauwetter da draußen! Mit stillem Vergnügen reibe ich mir die Hände. Billie, die temperamentvolle Tochter von Alexandra, leistet ganze Arbeit! Billie ist ein kleines Sturmtief, das gerade am Rande der machtvollen Nordmeer-Zyklone Alexandra (die hatte zeitweilig einen Kerndruck von 940 hPa) über Jütland hinweg in Richtung Ostsee gelenkt wird.

Handfester Südwestwind: genau richtig, um ein kleines Geschwader von sieben Flaschenposten aus der Kieler Bucht in den Fehmarnbelt zu treiben. Sieben Flaschenposten? So viele hatte ich noch nie auf einmal losgeschickt. Wie es dazu kam, will ich nun erzählen. Eine etwas längere Geschichte.

E-Mails

Es begann Anfang November mit einer E-Mail des Journalisten Oliver Lück. Er schrieb mir, dass er an einem Buch über Flaschenposten in der Ostsee arbeite, die von einer Frau in Lettland gefunden worden seien. Genauer gesagt, es ginge über die Menschen, die sie losgeschickt hätten und die er an Hand ihrer Flaschenpostgeschichten porträtieren wolle.

„Für weitere, etwas kürzere Geschichten in diesem Buch möchte ich auch Menschen besuchen, die ebenso schöne Flaschenpostgeschichten erzählen können. So wie Sie es sicherlich können… Hätten Sie Zeit, mir im November oder Dezember mehr über Ihr ungewöhnliches Hobby zu erzählen?“

Ich wurde neugierig. Weiterlesen

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Flaschenposten ins Bild gesetzt.

Die Flaschenpost am Strand scheint ein beliebtes Fotomotiv zu sein. Ganz offensichtlich verkörpert die Buddel am Spülsaum irgendetwas, wonach sich Menschen sehnen. Die Stimmung am Meer, Seefahrtsromantik, Träumereien von irgendeinem fernen, vielleicht einsamen Menschen, der einen anderen sucht…

Das Dumme ist nur, dass es so viele Flaschenposten gar nicht gibt, um den diesbezüglichen Motivhunger der Fotografen zu stillen. Und wenn doch eine gefunden wird, dann ist selten eine Kamera zur Hand. Also sehen wir von echten Flaschenposten meistens das Foto, auf dem der stolze Finder Buddel und Brief präsentiert.

Die anderen Bilder sind meistens gestellt. Oder getürkt. Die Ergebnisse sind manchmal ganz stimmungsvoll, oft aber auch irgendetwas zwischen kitschig und haarsträubend. Besonders, wenn allzu deutlich wird, dass der Fotograf noch nie eine Flaschenpost gesehen hat.

Hier ein paar Beispiele Weiterlesen

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Ein ganz und gar ungewöhnlicher Flaschenposttag.

Screenshot, NDR-Fernsehen, Sendung DAS! 16.05.2014

Screenshot, NDR-Fernsehen, Sendung DAS! 16.05.2014

 

Die Geschichte begann vor etwa drei Wochen. In meinem E-Mail-Postfach fand ich eine Nachricht, abgesandt über das Kontaktformular dieses Blogs:

Hallo,

wir bereiten für unsere Sendung DAS! verschiedene Beiträge zum 10. Mai/Hafengeburtstag vor. Ich bin Autorin und kümmere mich um Flaschenpost-Geschichten für die Sondersendung. Ich würde gerne mit Ihnen zum Thema telefonieren, wenn es geht. Gerne können Sie mich anrufen unter […]. Ich freue mich auf Ihre Rückmeldung. Herzliche Grüße aus Hamburg: Gabriella Balassa NDR Fernsehen, Redaktion DAS!,

Etwas später, nach meiner Rückmeldung, eine erste Konkretisierung:

Könnten Sie sich vorstellen, dass Sie mit uns kurz drehen und ein kurzes Interview geben zum Thema Flaschenpost?

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Flaschen-Design.

Liebe Hersteller von Getränken und anderen flaschentauglichen Flüssigkeiten, liebe Marketingexperten, liebe Designer!

Die Idee zu meinem an Sie gerichteten Appell kam mir während einer kleinen Meditation im Supermarkt. Ich stand vor dem Regal mit Speiseessig und Salatölen und hatte zu wählen. Zur Auswahl standen Balsamiko-Essig aus Modena, Balsamiko-Essig aus Modena, Balsamiko-Essig aus Modena und, um die Sache in ihrer Vielfalt abzurunden, Balsamiko-Essig aus Modena. Nun bin ich weder Gourmet noch Vier-Sterne-Koch. Zudem waren einige der Sorten, wie ich den Etiketten entnahm, vom gleichen Hersteller, was die Entscheidung nicht einfacher machte. Fast instinktiv griff ich zu einer Flasche halbrechts im mittleren Regal. Sie, also die Flasche, hatte ein harmonisches, etwas altertümliches Aussehen, war aus klarem Glas und mit einem richtigen Korken verschlossen. Genial, dachte ich! Und dabei hatte ich nicht nur meine junggesellenhaften Küchenkünste im Kopf, für die ich den Essig brauchte. Ich meinte auch, später einmal den nostagisch wirkenden Glaskolben in eine malerische Flaschenpost verwandeln zu können.

Ich hatte die Buddel schon in der Hand, als ich zusammenzuckte und die Ware schleunigst zurückstellte. Was mir nun ins Auge stach, war das Preisschild. Und das wirkte, als hätte ich einen Aufkleber mit einem Totenkopf und der Aufschrift „Arsen“ entdeckt! Der Preis überstieg den des in Einheitsflaschen mit trivialem Schraubverschluss abgefüllten Essigs um mehr als das Zehnfache! Weiterlesen

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