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Wie lange hält ein Korken dicht?

In meiner Bastelanleitung hatte ich erwähnt, dass Korken ziemlich lange halten. Also erhalten bleiben, weil der hohe Anteil von Suberin in der Korkeichenrinde die Zersetzung durch Mikroben verzögert. Aber heißt „lange halten“ auch so „lange dicht halten“? Ich hatte sicherheitshalber  offen gelassen, ob eine verkorkte Flasche, die beispielsweise mit der Titanic ein Jahrhundert auf dem Meeresgrund verbracht hat, wirklich noch Wein enthält. Eine Gustation eines solchen benthischen Tropfens stand ja noch aus.

Nun kann ich nachliefern.  Eine Weinflasche aus dem Wrack des Dampfers Marie-Celestia, der 1864 vor den Bermudas auf ein Riff gelaufen und gesunken war, ist geöffnet worden. Und ein paar Wagemutige haben tatsächlich an der trüben Soße genippt. Na ja, reiner Wein war es jedenfalls nicht mehr, sofern man das schweflige Zeugs überhaupt noch Wein nennen darf. 😉 Ein kräftiges Meersalzaroma und auch eine Note von Benzin (wo kommt auf einem Dampfer Benzin her?) waren nicht zu verleugnen. Immerhin, es war sogar noch Alkohol nachweisbar! Hier die Pressenotiz.

Wer also mit einer so langen Reise seiner Flaschenpost rechnet, der sollte verschlusstechnisch zusätzliche Vorkehrungen treffen, damit die Buddel kein Wasser zieht. Oder eine Flasche mit Porzellanschnappverschluss nehmen. Die haben sich bewährt.

Vor allem aber für die Rückantwort des Finders an einen Nachsendeauftrag bei der Post denken! In 100 oder 150 Jahren kann es ja mal sein, dass man irgendwohin umzieht. 😉

Nachtrag:

Hier ist noch so eine Geschichte, die es sogar zu akademischen Ehren gebracht hat: 2010 bargen Taucher 170 Jahre alte wohlverkorkte Champagnerflaschen aus dem Wrack eines vor der finnischen Küste gesunkenen Handelsschoners. Darunter war auch die heute noch weltbekannte Marke Veuve Cliquot, erkennbar an der gut erhaltenen Prägung der Korken. Biochemiker analysierten – und probierten! – den so lange gut und kühl gelagerten Edeltropfen. Ergebnis: etwas weniger Alkohol als sein heutiges Pendant, aber erheblich mehr Zucker. Sommeliers attestierten dem Schaumwein vom Meeresgrund zunächst ein käsigen Geschmack mit einer animalischen Note, auch nach feuchten Haaren, beim zweiten Anlauf beschrieben sie das Aroma als rauchig, würzig und ledrig. 😀 Ich gehe mal davon aus, dass das Ergebnis nicht auf der Werbeseite der Kellerei erscheinen wird. 😉

Kategorien: Historisches, Sammelsorium | Schlagwörter: , , , , , , , , , , , | 2 Kommentare

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