Beiträge mit dem Schlagwort: Floater

131 Jahre, 223 Tage: der neue Rekord der längsten „Reise“zeit einer Flaschenpost

Anfang 2018 gefunden, nun offiziell im Western Australian Museum in Perth vorgestellt:

Eine der ältesten Flaschenposten, die von der Deutschen Seewarte zur Erfoschung von Meeresströmungen ausgesetzt wurden (mehr dazu hier), ist am 21. Januar diesen Jahres am Strand von Wedge Island, ca 180 km nördlich von Perth gefunden worden.

Die Buddel  würde eine interessante Dekoration in ihrem Bücherregal abgeben, dachte die Finderin Tonya Illman. Sie war zufällig auf die vierkantige, olivgrüne Flasche mit der Profilprägung einer niederländischen Genever-Brennerei gestoßen. Sie lag zwischen jeder Menge anderem Treibgut auf dem breiten Sandstrand, ca 70 m abseits des Spülsaumes.

Ein Korken fehlte. Er war wohl verrottet. Bei näherem Hinsehen und Ausschütten des darin befindlichen Sandes (vielleicht Ballastsand, vielleicht auch eingewehter Strandsand) zeigte sich aber, dass die Buddel noch mehr sich hatte: ein zusammengrolltes und sorgfältig verschnürtes Papierröllchen. Es war eine Flaschenpost!

Die Finder Tonya und Kym Illman und ihre Familie begriffen sofort, was sie da für ein martimes Kleinod vor sich hatten. Und sie taten das Beste, was sie überhaupt tun konnten: Weiterlesen

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Iceland 1 und Iceland 2: treue Gefährten.

Am 10. Januar diesen Jahres startete das isländische Fernsehen ein spannendes Experiment. Es wurden südlich von Reykjanes per Hubschrauber gleichzeitig zwei mit GPS-Sendern ausgestattete Flaschenposten ausgesetzt. Der Startpunkt lag ca 40 km vor der Küste.

Den Reiseweg der Drifter kann man im Internet auf dieser Karte verfolgen (evtl. etwas nach unten scrollen). Sie namen zunächst westwärts Kurs auf Grönland, um dann mit dem Ostgrönlandstrom Richtung Süden abzubiegen. Gemeinsam drehten sie eine große Ehrenrunde zwischen den Beiden Inseln, schipperten dann an Kap Farwell vorbei und in einem Kringelkurs durch die Labradorsee. Der Labradorstrom brachte sie dann zum Nordatlantischen Strom, mit dem sie nun den Ozean in Richtung Europa überqueren.

islandische-flaschenposten

Screenshot. Credit http://www.krakkarúv.is

Iceland 1 (auf der Karte rot markiert) hat bis heute 12802.7 km zurückgelegt, Bei Iceland 2 (grün) sind es 12399.8 km. Für mich faszinierend: Auf der ganzen Strecke sind sie einander treu geblieben. Auch nach nun fast einem Jahr sind sie vielleicht gerade mal 400 km voneinander getrennt.

Man darf gespannt sein, wie es weitergeht!

Wer mal vergleichen möchte: Hier ein ähnliches Experiment, das Arved Fuchs von Ostgrönland aus durchführte. Und hier ein weiteres, das nördlich von Spitzbergen begann und an der südgrönlandischen Küste endete, – übrigens streckenweise mit einem ganz ähnlichen Kursverlauf wie bei unseren beiden Isländern!

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Riskante Rekordsucht: Norweger bauen Mega-Flaschenpost

Heute ist der 7. März, nicht der 1. April. Trotzdem wünschte ich, die Meldung wäre ein Fake und keine Realität.

Als Werbegag des Getränkeherstellers „Solo“ soll am 13. März eine fast acht Meter lange Megaflaschenpost mit einer Wasserverdrängung von 2,5 t bei Teneriffa ausgebracht werden. Das Ungetüm hat damit das Format eines Seezeichens, dient aber nicht der Sicherheit, sondern der Gefährdung der Seefahrt.

Eigentlich nicht vorstellbar, dass die Seefahrtsbehörden es zulassen, dass dieses Monstrum tatsächlich ungesteuert über den Ozean treibt, nach einer Runde mit dem Kanaren- und Äquatorialstrom via Golfstrom die transatlantischen Wasserstraßen kreuzt, um dann womöglich bei Orkan gegen das Fördergeschirr einer Ölplattform oder bei Sturmflut gegen einen Deich geschleudert zu werden. In so einem Falle würden die Initiatoren tatsächlich berühmt werden.

Selbst wenn der Landfall glimpflich ablaufen sollte und auch nicht irgendwelche Muschelbänke durch das Ungetüm plattgewalzt werden, so ist des doch eine Zumutung für die betroffene Küstengemeinde, das Ding vom Strand, womöglich aus dem Watt oder einem Vogelschutzgebiet bergen zu müssen.

Ich kann  nur hoffen, dass die Megabuddel nach der Show des Zuwasserlassens alsbald an den Haken eines Schleppers kommt und in Sicherheit gebracht wird. Nur sieht es nach dem technischen Aufwand nicht danach aus. Das unbemannte und ungesteuerte Wasserfahrzeug ist ohnehin keine wirkliche Flaschenpost und deshalb auch nicht würdig, als Rekord in die Annalen der Flaschenposten einzugehen. Denn eine echte Flaschenpost ist nach dem Aussetzen tatsächlich herrenlos und der Reiseweg ein Geheimnis. Dieses mit Positionslichtern, GPS-Sendern, Kameras und sonstiger Technik  ausgestattete Ding gehört nicht dazu. Es ist viel mehr ein unbemanntes, permanent manövrierunfähiges Wasserfahrzeug, ein modernes Geisterschiff. Die Erfinder setzten mit einem unverständlichen Aufwand von Geld und Technik auf Masse, um gewaltsam einen medien-, vor allem aber werbewirksamen Rekord aufzustellen. Der Sinn für Seefahrtsromantik oder Poesie, der wirklichen Flaschenpostautoren eigen ist, geht ihnen dabei ab.

Den Urhebern dieses Reklamespektakels wünsche ich ein Strafverfahren vor dem Internationalen Seegerichtshof  in Hamburg wegen Gefährdung der Schifffahrt und eine fette Rechnung für den Einsatz der Mellum oder der Nordic, die diesen Schwimmkörper hoffentlich rechtzeitig aus dem Wasser ziehen, bevor er bei uns an der Küste irgenwas kaputtschlägt.

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