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Riskante Rekordsucht: Norweger bauen Mega-Flaschenpost

Heute ist der 7. März, nicht der 1. April. Trotzdem wünschte ich, die Meldung wäre ein Fake und keine Realität.

Als Werbegag des Getränkeherstellers „Solo“ soll am 13. März eine fast acht Meter lange Megaflaschenpost mit einer Wasserverdrängung von 2,5 t bei Teneriffa ausgebracht werden. Das Ungetüm hat damit das Format eines Seezeichens, dient aber nicht der Sicherheit, sondern der Gefährdung der Seefahrt.

Eigentlich nicht vorstellbar, dass die Seefahrtsbehörden es zulassen, dass dieses Monstrum tatsächlich ungesteuert über den Ozean treibt, nach einer Runde mit dem Kanaren- und Äquatorialstrom via Golfstrom die transatlantischen Wasserstraßen kreuzt, um dann womöglich bei Orkan gegen das Fördergeschirr einer Ölplattform oder bei Sturmflut gegen einen Deich geschleudert zu werden. In so einem Falle würden die Initiatoren tatsächlich berühmt werden.

Selbst wenn der Landfall glimpflich ablaufen sollte und auch nicht irgendwelche Muschelbänke durch das Ungetüm plattgewalzt werden, so ist des doch eine Zumutung für die betroffene Küstengemeinde, das Ding vom Strand, womöglich aus dem Watt oder einem Vogelschutzgebiet bergen zu müssen.

Ich kann  nur hoffen, dass die Megabuddel nach der Show des Zuwasserlassens alsbald an den Haken eines Schleppers kommt und in Sicherheit gebracht wird. Nur sieht es nach dem technischen Aufwand nicht danach aus. Das unbemannte und ungesteuerte Wasserfahrzeug ist ohnehin keine wirkliche Flaschenpost und deshalb auch nicht würdig, als Rekord in die Annalen der Flaschenposten einzugehen. Denn eine echte Flaschenpost ist nach dem Aussetzen tatsächlich herrenlos und der Reiseweg ein Geheimnis. Dieses mit Positionslichtern, GPS-Sendern, Kameras und sonstiger Technik  ausgestattete Ding gehört nicht dazu. Es ist viel mehr ein unbemanntes, permanent manövrierunfähiges Wasserfahrzeug, ein modernes Geisterschiff. Die Erfinder setzten mit einem unverständlichen Aufwand von Geld und Technik auf Masse, um gewaltsam einen medien-, vor allem aber werbewirksamen Rekord aufzustellen. Der Sinn für Seefahrtsromantik oder Poesie, der wirklichen Flaschenpostautoren eigen ist, geht ihnen dabei ab.

Den Urhebern dieses Reklamespektakels wünsche ich ein Strafverfahren vor dem Internationalen Seegerichtshof  in Hamburg wegen Gefährdung der Schifffahrt und eine fette Rechnung für den Einsatz der Mellum oder der Nordic, die diesen Schwimmkörper hoffentlich rechtzeitig aus dem Wasser ziehen, bevor er bei uns an der Küste irgenwas kaputtschlägt.

Kategorien: Sammelsorium | Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , , , , , , | 7 Kommentare

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