Beiträge mit dem Schlagwort: Deutsche Seewarte

131 Jahre, 223 Tage: der neue Rekord der längsten „Reise“zeit einer Flaschenpost

Anfang 2018 gefunden, nun offiziell im Western Australian Museum in Perth vorgestellt:

Eine der ältesten Flaschenposten, die von der Deutschen Seewarte zur Erfoschung von Meeresströmungen ausgesetzt wurden (mehr dazu hier), ist am 21. Januar diesen Jahres am Strand von Wedge Island, ca 180 km nördlich von Perth gefunden worden.

Die Buddel  würde eine interessante Dekoration in ihrem Bücherregal abgeben, dachte die Finderin Tonya Illman. Sie war zufällig auf die vierkantige, olivgrüne Flasche mit der Profilprägung einer niederländischen Genever-Brennerei gestoßen. Sie lag zwischen jeder Menge anderem Treibgut auf dem breiten Sandstrand, ca 70 m abseits des Spülsaumes.

Ein Korken fehlte. Er war wohl verrottet. Bei näherem Hinsehen und Ausschütten des darin befindlichen Sandes (vielleicht Ballastsand, vielleicht auch eingewehter Strandsand) zeigte sich aber, dass die Buddel noch mehr sich hatte: ein zusammengrolltes und sorgfältig verschnürtes Papierröllchen. Es war eine Flaschenpost!

Die Finder Tonya und Kym Illman und ihre Familie begriffen sofort, was sie da für ein martimes Kleinod vor sich hatten. Und sie taten das Beste, was sie überhaupt tun konnten: Weiterlesen

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Die Flaschenposten der Deutschen Seewarte: Ein Besuch beim BSH.

Zugegeben: Besonders „zeitnah“ kommt dieser Artikel nicht. Aber wer wird schon ausgerechnet von einem Liebhaber von meistens nicht so eiligen Flaschenposten life blogging erwarten? 😉  Hier also der zweite Teil der Exkursion zum Hamburger Hafen, die ich am 4. Juli zusammen mit der Bloggerin Andrea  und dem Flaschenpostsammler Clint Buffington unternommen habe. Ich hatte die beiden und auch den Anlass unseres Ausflugs hier im ersten Teil der Serie schon kurz vorgestellt.

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Es ist kurz vor elf und schon heiß und und für Hamburger Verhältnisse außerordentlich stickig, als wir die breite Treppe oberhalb der Landungsbrücken hoch steigen. Vor dem Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) flattern viele Fahnen. Das Haus hat heute Tag der offenen Tür. Anlass ist das 25-jährige Bestehen der Behörde, die nach der Wiedervereinigung durch Zusammenlegung ost- und westdeutscher Institutionen neugegründet wurde.

Im Foyer treffen wir meine beiden Mädels – Frau und Tocher -, die sich uns für die nächsten Etappen unserer Exkursion anschließen. Mein Sprößling Henny macht eine Ausbildung beim BSH, aber was nun kommt, nämlich die Flaschenpostsammlung des BSH, kennt sie auch noch nicht. Also fragen wir uns zur Bibliothek durch. Breites Grinsen bei uns allen, als wir in einem der Flure auf eine Aktivität für die ganz jungen Besucher stoßen. Die Kiddies basteln – na klar, was auch sonst! – Flaschenposten! Wir scheinen auf dem richtigen Weg zu sein. Weiterlesen

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Ein Freitagsfoto. Und ein wenig Flaschenposthistorie.

Das Helmholz-Zentrum Geesthacht betreibt neben dem offiziellen Website noch ein Weblog, in dem mit Beiträgen für „ganz normale“ Leser die Arbeit des Institutes zur Küstenforschung allgemeinverständlich vorgestellt wird. Die Texte sind also nicht in einem Fachchinesisch geschrieben, sondern bietet sehr anschaulich und kurzweilig einen Einblick in den Alltag der Küstenforscher. Der Charme zeigt sich auch darin, dass Frau Frings, die das Blog betreut, die Leserschaft immer mit einem „Freitagsfoto“, verbunden mit einer kleinen Rätselfrage, ins Wochenende schickt. 🙂

Und heute hat sie dabei mit lieben Worten auf meinen Blog Flaschenposten hingewiesen!
Oh, da fühle ich mich jetzt richtig gebartpinselt! 😀

„… thematisch hängen Küstenforschung und Flaschenpost eng zusammen. Küste und Flaschenpost erzählen von Lebensgeschichten und Flaschenpost ohne Forschung (woher kommt sie, welchen Weg nahm sie, wie lange war sie unterwegs, wer ist der Absender?) ist undenkbar“, schreibt Frau Frings.

Flaschenpost 5148

Historische Flaschenpost im Friesenmusem in Wyk auf Föhr.

Ja, dass kann ich auch als Flaschenpostliebhaber nur bestätigen. Schließlich begann mein Faible für dieses altertümliche und doch immer noch faszinierende Kommunikationsmittel damit, dass ich in einem Museum eine von Meeresforschern ausgesetzte Flaschenpost entdeckte und zu gern gewusst hätte, wo sie ins Wasser geworfen wurde und welchen Weg sie bis zu ihre „Landung“ im Nordfriesischen Wattenmeer genommen hatte. Davon hatte ich ja mal ganz zu Anfang in meinem allerersten Blogpost erzählt.

Neben der Auswertung von Wetter-, Eis- und Seegangaufzeichnungen aus den Logbüchern der Seefahrer waren diese Flaschenposten eines der ersten Mittel, denen sich die frühe Ozeanographie im 19. Jahrhundert bediente. Weiterlesen

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Lück, Locke und die Philosophie der Flaschenpost.

Sauwetter da draußen! Mit stillem Vergnügen reibe ich mir die Hände. Billie, die temperamentvolle Tochter von Alexandra, leistet ganze Arbeit! Billie ist ein kleines Sturmtief, das gerade am Rande der machtvollen Nordmeer-Zyklone Alexandra (die hatte zeitweilig einen Kerndruck von 940 hPa) über Jütland hinweg in Richtung Ostsee gelenkt wird.

Handfester Südwestwind: genau richtig, um ein kleines Geschwader von sieben Flaschenposten aus der Kieler Bucht in den Fehmarnbelt zu treiben. Sieben Flaschenposten? So viele hatte ich noch nie auf einmal losgeschickt. Wie es dazu kam, will ich nun erzählen. Eine etwas längere Geschichte.

E-Mails

Es begann Anfang November mit einer E-Mail des Journalisten Oliver Lück. Er schrieb mir, dass er an einem Buch über Flaschenposten in der Ostsee arbeite, die von einer Frau in Lettland gefunden worden seien. Genauer gesagt, es ginge über die Menschen, die sie losgeschickt hätten und die er an Hand ihrer Flaschenpostgeschichten porträtieren wolle.

„Für weitere, etwas kürzere Geschichten in diesem Buch möchte ich auch Menschen besuchen, die ebenso schöne Flaschenpostgeschichten erzählen können. So wie Sie es sicherlich können… Hätten Sie Zeit, mir im November oder Dezember mehr über Ihr ungewöhnliches Hobby zu erzählen?“

Ich wurde neugierig. Weiterlesen

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Wie hoch ist die Chance, auf eine Flaschenpost Antwort zu bekommen?

Jemand fragte heute danach. Antwort auf diese Frage bekommt man am Besten von denen, die viele Flaschenposten ausgesetzt und darüber auch Buch geführt haben.

Da wäre zunächst die Deutsche Seewarte zu nennen, die mit Flaschenposten die Erforschung von Meeresströmungen vorantrieb und auch die Archivierung der zurückgesendeten Flaschenbriefe mit preußischer Korrektheit sicherstellte. Die Sammlung, die sich heute im Bundesamt für Seeschiffahrt und Hydrographie in Hamburg befindet, enthält 662 dieser Dokumente. Das sind ca. 12 % der im Auftrag der Seewarte zwischen 1864 und 1933 weltweit ausgesetzten Flaschenposten.

Zwar ist die von den damaligen Ozeanographen benutzte Methode längst nicht mehr auf dem aktellen Stand der wissenschaftlichen Möglichkeiten, aber sie findet immer wieder Nachahmer. Einige Lehrer versuchen ihren Schülern ein Verständnis für die Bedeutung der Meeresströmungen zu vermitteln, in dem sie sie wie Anno dazumals Flaschenposten verschicken lassen. Einer von ihnen ist der Japaner Toshio Enjo. Seine  Schüler aus Tottori an der Westküste von Honshu setzten in den 70er Jahren rund 5500 Seeflaschen aus und erhielten 760 Antworten. Weiterlesen

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Der abgekupferte Reichsadler, oder: Das Geheimnis des Flaschenpoststempels

Manche Flaschenposten findet man nicht beim Surfen an der Küste, sondern beim Surfen im Internet. So bin ich auf dieses Bild eines Flaschenbriefes gestoßen. Auch Joachim Römer hat so ein Stück in seiner Sammlung (hier unten rechts im Bild).

„Kenn ich irgendwoher,“ dachte ich, als ich Text und Layout des Zettels betrachtete. Klar doch, der Versender hatte sich das klassische Formular der Deutschen Seewarte zum Vorbild genommen! Und als Vorlage diente genau dieses Bild von der Homepage des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie in Hamburg.

Mit Liebe zum Detail hat der anonyme Designer aus dem Malereibüro der Alanus-Hochschule in Alfter sogar den Wappenadler links oben in die Ecke gesetzt, was dem Zettel einen gewissen amtlichen Anstrich gibt. Witzig ist dabei, dass der Adler nach rechts (ein Heraldiker würde sagen: nach links) guckt. Ganz originalgetreu, denn der Reichsadler auf dem historischen Stück  guckt auch nach rechts.

Eigentümlich, denn das Wappentier des Deutschen Reiches  bevorzugt normalerweise die andere Blickrichtunng. Auch der halbwegs sportliche  Bundesadler (oder ist es ein Habicht?) und jenes Bundessuppenhuhn , das breitspurig, mit dicken Bauch, aber wenig Hirn und ohne erkennbare Fähigkeit zu irgendwelchen Höhenflügen den Parlamentssaal unserer Republik in Berlin schmückt, gucken nach links. Ebenso  dessen bereits gerupfte Variante, die uns Deutsche im Hartgeld-Sektor der Euro-Zone repräsentiert.

Wie kommts, dass dem Vogel der Kopf so verdreht ist?

Das Rätsel ist schnell gelöst, wenn man sich den Stempel auf dem historischen Original genauer ansieht. Der Stempel hat nämlich eine Umschrift. Und die ist spiegelverkehrt. Also auch der Adler. Wir sehen den Stempelabdruck sozusagen „von hinten“, also von der falschen Seite des Papiers. Mit etwas Mühe kann man dort lesen: „[Hauptagentur] der Deutschen Seewarte Stettin“.

Das heißt, die stempelfreudigen Reichsbeamten der Deutschen Seewarte haben das Dienstsiegel mit so viel Schmackes auf die Rückseite des Papiers geknallt, dass dieser Amtsakt bis auf die andere auf dem Foto des BSH sichtbare Seite duchfärbte. Typisch preußische Korrektheit: Auch eine Flaschenpost muss abgestempelt sein! 😀

Tja, und dieses kleine Detail hat  sich der Seewarten-Epigone aus der Kunsthochschule bei Bonn zu eigen gemacht. 😉

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