Beiträge mit dem Schlagwort: Design

Flaschen-Design.

Liebe Hersteller von Getränken und anderen flaschentauglichen Flüssigkeiten, liebe Marketingexperten, liebe Designer!

Die Idee zu meinem an Sie gerichteten Appell kam mir während einer kleinen Meditation im Supermarkt. Ich stand vor dem Regal mit Speiseessig und Salatölen und hatte zu wählen. Zur Auswahl standen Balsamiko-Essig aus Modena, Balsamiko-Essig aus Modena, Balsamiko-Essig aus Modena und, um die Sache in ihrer Vielfalt abzurunden, Balsamiko-Essig aus Modena. Nun bin ich weder Gourmet noch Vier-Sterne-Koch. Zudem waren einige der Sorten, wie ich den Etiketten entnahm, vom gleichen Hersteller, was die Entscheidung nicht einfacher machte. Fast instinktiv griff ich zu einer Flasche halbrechts im mittleren Regal. Sie, also die Flasche, hatte ein harmonisches, etwas altertümliches Aussehen, war aus klarem Glas und mit einem richtigen Korken verschlossen. Genial, dachte ich! Und dabei hatte ich nicht nur meine junggesellenhaften Küchenkünste im Kopf, für die ich den Essig brauchte. Ich meinte auch, später einmal den nostagisch wirkenden Glaskolben in eine malerische Flaschenpost verwandeln zu können.

Ich hatte die Buddel schon in der Hand, als ich zusammenzuckte und die Ware schleunigst zurückstellte. Was mir nun ins Auge stach, war das Preisschild. Und das wirkte, als hätte ich einen Aufkleber mit einem Totenkopf und der Aufschrift „Arsen“ entdeckt! Der Preis überstieg den des in Einheitsflaschen mit trivialem Schraubverschluss abgefüllten Essigs um mehr als das Zehnfache! Weiterlesen

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Die neue Masche mit der Flasche.

Die neueste Mode ist offensichtlich, Flaschenposten nicht ins Wasser zu werfen, sondern per Post zu verschicken oder persönlich zu überreichen. Wie romantisch!

Wenn man „Flaschenpost“ in irgendeine Suchmaschine, egal in welche, eingibt, stößt man zu Hauf auf so was: kommerzielle Angebote, seien das nun billige PET-Flaschen, die als Großbrief normal durch die Post gehen oder auch auf Bestellung angefertigte Designerstücke für Hochzeitseinladungen, Gratulationen oder was auch immer.

Ganz nett irgendwie, aber…

…wie heißt das so schön: – „nett ist die kleine Schwester von […]!“

Das ist etwa so, als würde man einem Adressaten eine in einem Vogelbauer eigesperrte Brieftaube mit Brief am Bein übergeben.

So schön die vorgefertigten Dinger auch gestaltet sein mögen, – eine Flaschenpost, die nie das nasse Element kennengelernt hat und auch sonst nirgendwo einem ungewissen Schicksal und einem zufälligen Finder überlassen worden ist, ist gar keine. Für echte Flaschenpostredakteure hat das keinen Stil. Da fehlt der salzige Seewind, der Geruch von Tang, das Rauschen der Wellen und das Geschrei der Möwen. Vor allem fehlt das Kribbeln, wenn man zwischen Muscheln und sonstigem Treibgut eine Buddel findet und bemerkt, dass ein von einem völlig Fremden geschriebener Zettel drin ist.

All diese in Glas verpackten postalischen Einladungen oder persönlich übergebenen Glückwünsche, also so was wie das hier (schönes Blogpost!), sind keine echten Flaschenposten, sondern Yuppie-Firlefanz.

Das Beste, was man damit machen kann, ist wegwerfen. Wenn sie dabei im Meer landen, werden sogar echte Flaschenposten draus! 😉

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Flaschenpost als Kunstgattung

Immer wieder bedienen sich Künstler der Flaschenpost als Medium. Oder sie laden andere dazu ein, bei so einem Projekt mitzumachen.

Manchmal ganz klassisch, in dem sie eigene  Arbeiten in Glasbehälter verpacken, sie dem nassen Element anvertrauen oder an Land für zufällige Finder deponieren.

Manchmal wird auch das „Phänomen Flaschenpost“ selbst zum kreativen Thema, so wie bei Frank Popp und seinen „Nachrichten und Botschaften aus dem Leben“ oder der mit musealem Augenzwinkern gestaltete Setzkasten „Post-Art-Museum“ von Rolf Sturm (dort unbedingt auf das das Bild rechts klicken und angucken!).

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No. 77 und 84 von Hilke Kurzke. Die linke Flaschenpost enthält vielleicht eine Schriftrolle, die rechte in der Schublade ein richtiges kleines Buch!

Gerade hat Hilke Kurzke eine Reihe ganz zauberhafter Flaschenposten gestaltet und in diesem Zusammenhang gefragt, ob es sich bei Flaschenposten um „Bücher“  handelt.

Nun, Bücher haben für mich immer mehrere Seiten und sind gebunden oder geheftet. Jedenfalls sind sie mehr als nur ein Zettel.  Da Hilke eine ausgewiesene Expertin für den kreativen Umgang mit Papier ist, wette ich, dass sie auch so was spielend hinbekommt: ein hübsches Heftchen oder ein Leporello, dass in eine Flasche passt – und auch wieder herauszubekommen ist ;-). Wobei, da hast du Recht, liebe Hilke, natürlich auch eine Schriftrolle als Buch gelten darf. Und auch eine beschriftete oder bebilderte Origami-Schlange, falls so etwas zufällig mal aus einer deiner Buddeln krabbeln sollte. 😀

Wenn der Flaschenbrief Geschriebenes enthält, – ich meine jetzt mehr als nur eine Kontaktadresse und „bitte schreib zurück“ – , dann ist es irgendwie Lesestoff. Und damit Literatur!

Und alles von Menschenhand Geschaffene ist, wie mich mein Sprössling belehrte, Kunst. Selbst der liebevoll gekritzelte Name und die Adresse eines Kindes, das ich in einer Mineralwasserflasche fand, zeigte Kreativität, – das kleine Mädchen hatte dazu eine mehrfarbigen Buntstift gewählt. 🙂

Halten wir also fest: Jede Flaschenpost, die einen Gestaltungswillen zeigt, ist Kunst. Und weil sie an eine bestimmte Form gebunden ist, stellt die Flaschenpost eine eigene Kunstgattung dar.

Wie sollen wir sie benennen?

Für die Flaschenposten, bei denen das Textliche im Vordergrund steht, hatte ich „Driftline Readings“ vorgeschlagen. Englisch ist so schön griffig! 😉 Diejenigen Werke, die keine oder weniger  Lesekenntnisse verlangen, können wir analog „Driftline Art“ nennen. Oder, da ja nicht alle dieser Werke eine Driftfahrt zu absovieren haben,  „Bottled Art“ als übergreifenden Begriff.

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Der abgekupferte Reichsadler, oder: Das Geheimnis des Flaschenpoststempels

Manche Flaschenposten findet man nicht beim Surfen an der Küste, sondern beim Surfen im Internet. So bin ich auf dieses Bild eines Flaschenbriefes gestoßen. Auch Joachim Römer hat so ein Stück in seiner Sammlung (hier unten rechts im Bild).

„Kenn ich irgendwoher,“ dachte ich, als ich Text und Layout des Zettels betrachtete. Klar doch, der Versender hatte sich das klassische Formular der Deutschen Seewarte zum Vorbild genommen! Und als Vorlage diente genau dieses Bild von der Homepage des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie in Hamburg.

Mit Liebe zum Detail hat der anonyme Designer aus dem Malereibüro der Alanus-Hochschule in Alfter sogar den Wappenadler links oben in die Ecke gesetzt, was dem Zettel einen gewissen amtlichen Anstrich gibt. Witzig ist dabei, dass der Adler nach rechts (ein Heraldiker würde sagen: nach links) guckt. Ganz originalgetreu, denn der Reichsadler auf dem historischen Stück  guckt auch nach rechts.

Eigentümlich, denn das Wappentier des Deutschen Reiches  bevorzugt normalerweise die andere Blickrichtunng. Auch der halbwegs sportliche  Bundesadler (oder ist es ein Habicht?) und jenes Bundessuppenhuhn , das breitspurig, mit dicken Bauch, aber wenig Hirn und ohne erkennbare Fähigkeit zu irgendwelchen Höhenflügen den Parlamentssaal unserer Republik in Berlin schmückt, gucken nach links. Ebenso  dessen bereits gerupfte Variante, die uns Deutsche im Hartgeld-Sektor der Euro-Zone repräsentiert.

Wie kommts, dass dem Vogel der Kopf so verdreht ist?

Das Rätsel ist schnell gelöst, wenn man sich den Stempel auf dem historischen Original genauer ansieht. Der Stempel hat nämlich eine Umschrift. Und die ist spiegelverkehrt. Also auch der Adler. Wir sehen den Stempelabdruck sozusagen „von hinten“, also von der falschen Seite des Papiers. Mit etwas Mühe kann man dort lesen: „[Hauptagentur] der Deutschen Seewarte Stettin“.

Das heißt, die stempelfreudigen Reichsbeamten der Deutschen Seewarte haben das Dienstsiegel mit so viel Schmackes auf die Rückseite des Papiers geknallt, dass dieser Amtsakt bis auf die andere auf dem Foto des BSH sichtbare Seite duchfärbte. Typisch preußische Korrektheit: Auch eine Flaschenpost muss abgestempelt sein! 😀

Tja, und dieses kleine Detail hat  sich der Seewarten-Epigone aus der Kunsthochschule bei Bonn zu eigen gemacht. 😉

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