Lexikalisches

Nicht immer sachliche Sachinformationen.

Flaschenpost als Kunstgattung

Immer wieder bedienen sich Künstler der Flaschenpost als Medium. Oder sie laden andere dazu ein, bei so einem Projekt mitzumachen.

Manchmal ganz klassisch, in dem sie eigene  Arbeiten in Glasbehälter verpacken, sie dem nassen Element anvertrauen oder an Land für zufällige Finder deponieren.

Manchmal wird auch das „Phänomen Flaschenpost“ selbst zum kreativen Thema, so wie bei Frank Popp und seinen „Nachrichten und Botschaften aus dem Leben“ oder der mit musealem Augenzwinkern gestaltete Setzkasten „Post-Art-Museum“ von Rolf Sturm (dort unbedingt auf das das Bild rechts klicken und angucken!).

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No. 77 und 84 von Hilke Kurzke. Die linke Flaschenpost enthält vielleicht eine Schriftrolle, die rechte in der Schublade ein richtiges kleines Buch!

Gerade hat Hilke Kurzke eine Reihe ganz zauberhafter Flaschenposten gestaltet und in diesem Zusammenhang gefragt, ob es sich bei Flaschenposten um „Bücher“  handelt.

Nun, Bücher haben für mich immer mehrere Seiten und sind gebunden oder geheftet. Jedenfalls sind sie mehr als nur ein Zettel.  Da Hilke eine ausgewiesene Expertin für den kreativen Umgang mit Papier ist, wette ich, dass sie auch so was spielend hinbekommt: ein hübsches Heftchen oder ein Leporello, dass in eine Flasche passt – und auch wieder herauszubekommen ist ;-). Wobei, da hast du Recht, liebe Hilke, natürlich auch eine Schriftrolle als Buch gelten darf. Und auch eine beschriftete oder bebilderte Origami-Schlange, falls so etwas zufällig mal aus einer deiner Buddeln krabbeln sollte. 😀

Wenn der Flaschenbrief Geschriebenes enthält, – ich meine jetzt mehr als nur eine Kontaktadresse und „bitte schreib zurück“ – , dann ist es irgendwie Lesestoff. Und damit Literatur!

Und alles von Menschenhand Geschaffene ist, wie mich mein Sprössling belehrte, Kunst. Selbst der liebevoll gekritzelte Name und die Adresse eines Kindes, das ich in einer Mineralwasserflasche fand, zeigte Kreativität, – das kleine Mädchen hatte dazu eine mehrfarbigen Buntstift gewählt. 🙂

Halten wir also fest: Jede Flaschenpost, die einen Gestaltungswillen zeigt, ist Kunst. Und weil sie an eine bestimmte Form gebunden ist, stellt die Flaschenpost eine eigene Kunstgattung dar.

Wie sollen wir sie benennen?

Für die Flaschenposten, bei denen das Textliche im Vordergrund steht, hatte ich „Driftline Readings“ vorgeschlagen. Englisch ist so schön griffig! 😉 Diejenigen Werke, die keine oder weniger  Lesekenntnisse verlangen, können wir analog „Driftline Art“ nennen. Oder, da ja nicht alle dieser Werke eine Driftfahrt zu absovieren haben,  „Bottled Art“ als übergreifenden Begriff.

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Wie hoch ist die Chance, auf eine Flaschenpost Antwort zu bekommen?

Jemand fragte heute danach. Antwort auf diese Frage bekommt man am Besten von denen, die viele Flaschenposten ausgesetzt und darüber auch Buch geführt haben.

Da wäre zunächst die Deutsche Seewarte zu nennen, die mit Flaschenposten die Erforschung von Meeresströmungen vorantrieb und auch die Archivierung der zurückgesendeten Flaschenbriefe mit preußischer Korrektheit sicherstellte. Die Sammlung, die sich heute im Bundesamt für Seeschiffahrt und Hydrographie in Hamburg befindet, enthält 662 dieser Dokumente. Das sind ca. 12 % der im Auftrag der Seewarte zwischen 1864 und 1933 weltweit ausgesetzten Flaschenposten.

Zwar ist die von den damaligen Ozeanographen benutzte Methode längst nicht mehr auf dem akutellen Stand der wissenschaftlichen Möglichkeiten, aber sie findet immer wieder Nachahmer. Einige Lehrer versuchen ihren Schülern ein Verständnis für die Bedeutung der Meeresströmungen zu vermitteln, in dem sie sie wie Anno dazumals Flaschenposten verschicken lassen. Einer von ihnen ist der Japaner Toshio Enjo. Seine  Schüler aus Tottori an der Westküste von Honshu setzten in den 70er Jahren rund 5500 Seeflaschen aus und erhielten 760 Antworten. Weiterlesen

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Der Plural von Flaschenpost

Sind Sie auch darüber gestolpert? Über das Wort Flaschenposten als Titel dieses Weblogs?

Dabei gibt es von „Post“ an sich keine Mehrzahl. Der Duden gibt folglich für „Flaschenpost“ auch keinen Plural an, ebenso wenig das Internet-Wörterbuch Wiktionary. Auf Internet-Foren wird dann munter herumgeraten, wie es richtig heißt. Mit ganz drolligen Ergebnissen, „Flaschenpöster“ usw. 😀

Und doch: „Flaschenposten“ ist der offizielle Plural von Flaschenpost. In die Deutsche Sprache eingeführt wurde er – wie übrigens auch der Singular! – durch keinen Geringeren als Georg Balthasar von Neumayer, den Begründer der systematischen Ozeanographie in Deutschland und von 1876 bis 1903 ersten Direktor der Deutschen Seewarte.

Flaschenpost von 1864

Kap Horn – Australien in drei Jahren: Flaschenzettel von 1864

Seit 1887 übergab Neumayer Flaschenposten mit vorgedruckten Formularen an Kapitäne mit der Bitte, diese auf ihren Reisen an bestimmten Positionen auf den Weltmeeeren auszusetzen. Von der Rücksendung der von den Seefahrern und den Findern ausgefüllten Postkarten erhoffte er sich Aufschlüsse über die Meeresströmungen. Rund 12 % der Formularkarten kamen auf dem Postwege wieder bei der Deutschen Seewarte an.   662 dieser maritim-philatelistischen Rariäten lagern heute im Bibliotheksarchiv des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrograpie, das aus der Deutschen Seewarte hervorgegangen ist. Darunter auch ein Zettel, den Neumayer 1864 – damals war noch das Observatorium Hamburg für solche Fragen zuständig –  selbst bei Kap Hoorn über Bord geworfen hatte und dessen Reise bis nach Australien ging. Die Sammlung gilt als die größte ozeanographische Flaschenpostsammlung weltweit.

Auf der Homepage des BSH wird deshalb der Plural „Flaschenposten“ ganz selbstverständlich benutzt. Bei Flaschenpostsammlern und -versendern hat er sich allenthalben etabliert.

So, nun sind wir schlauer als die gelehrten Bücher!

Und da wir gerade dabei sind: Der Zettel, der sich in einer Flaschenpost befindet, heißt Flaschenbrief. Irgendwo hatte ich mal den plattdeutschen Begriff Boddelbreef aufgeschnappt. Den finde ich schön! Analog also „Flaschenbrief“ für den papiernen Anteil des Objektes.

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Nachtrag 31.05.2014:
Wiktionary hat inzwischen Nachgebessert! Duden noch nicht. Aber wir arbeiten dran!  😉

Nachtrag 15.09.2016:
Der Kölner Journalist Victor Gojdka hat bei der Sprachberatung des Duden und jener der Gesellschaft für deutsche Sprache nachgefragt. Dort sträubt man sich noch gegen „Flaschenposten“. – Wartet, wir kriegen euch noch! 😉

Titelbild mit freundlicher Erlaubnis von Larry Trotter.

 

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