Historisches

Botschaften aus der Vergangenheit. Oder über die Vergangenheit.

Eine verschlüsselte Flaschenpost aus dem Amerikanischen Bürgerkrieg.

Flaschenposten sind früher ganz ernsthaft zur Nachrichtenübermittlung eingesetzt worden. Zumindest hat man es versucht. Sogar im Krieg zur Übermittlung militärischer Details. Ein nicht gerade erfolgversprechendes Verfahren. Hier ein Beispiel aus den Amerikanischen Bürgerkrieg:

1863 sollte eine geheime Nachricht in einem knapp zwei Zoll langen, mit einer Pistolenkugel beschwerten Arzneiglas über den Mississippi in die Stadt Vicksburg treiben.

Die Kleinstadt wurde damals von Generalmajor Grants Unionstruppen belagert. Unter seinem Kommando standen ihm 70’000(!) Soldaten der Tennessee-Armee, von denen er etwa die Hälfte für die Belagerung einsetzte, nebst allem, was die Kriegmaschinerie der Nordstaaten an schwerer Artillerie, Mörsern, Kanonenbooten usw. zu bieten hatte. Die gut 17’000 Konföderierten unter Generalleutnant Pemberton, die sich dort verschanzt hatten, waren vom Nachschub abgeschnitten. Ausgehungert – es kamen bereits Hunde, Katzen, Ratten und Suppe aus Tapetenkleister auf den Teller – und durch wochenlanges Geschützfeuer geschwächt, standen diese im Mai 1863 schon kurz vor der Niederlage. Die einzige Chance war ein Befreiungschlag von außen durch die von Generalleutnant Johnston geführten Konföderiertentrupppen, die einige Kilometer weiter östlich der Stadt Stellung bezogen hatten. Doch die wurden von der anderen Hälfte von Grants Armee in Schach gehalten und waren obendrein durch Malaria geschwächt.

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Grausiges Feuerwerk. (Bild: U.S Naval Academy Museum, gemeinfrei.)

Und Johnston wollte nun die Belagerten per Flaschenpost über die Situation informieren.  Als der Kurier mit dem wasserdicht verpackten Kurzbrief am Flussufer ankam, hatte die Stadt aber bereits kapituliert und er musste unverrichteter Dinge zurückkehren. Na ja, selbst wenn der Zettel mit den mageren fünf verschlüsselten Zeilen rechtzeitig bei Pemberton angekommen wäre, hätte das wenig Hoffnung für die Belagerten gebracht. Um nicht zu sagen, die Botschaft hätte ungewollt zynisch gewirkt. Sie enthielten nur die Mitteilung, dass Johnston keinen Entlastungsangriff mehr durchführen konnte. Aber man möge ihn bitte informieren, wenn ein Ausbruchsversuch geplant sei, dann würde man eventuell doch umdisponieren. Also einfach auf „Auf diese Nachricht antworten“ klicken!  – Ach so, das geht ja bei Flaschenpost nicht. Na gut, hier der Text, entschlüsselt:

„Gen’l Pemberton:

You can expect no help from this side of the river. Let Gen’l Johnston know, if possible, when you can attack the same point on the enemy’s lines. Inform me also and I will endeavor to make a diversion. I have sent some caps (explosive devices). I subjoin a despatch from General Johnston.“

Mich persönlich interessiert Militärgeschichte nicht sonderlich. Aber dass der Versuch unternommen werden sollte, eine Nachricht in einem gerade mal daumengroßen Gläschen¹ auf dem Fluss zwischen den Panzerschiffen der Belagerer hindurch zu den Eingeschlossenen treiben zu lassen, in der Hoffnung, dass diese im Kugelhagel auch gefunden und dem Adressaten zugestellt wird, finde ich schon faszinierend. Es ist eigentlich eine groteske Vorstellung.

Ungeöffnet gelangte das Fläschchen 1896 in die historische Sammlung des Museum of Confederacy in Richmond (VA) und war dort lange Zeit ausgestellt.

Erst 2008 wurde die Phiole mit großer konservatorischer Sorgfalt geöffnet, untersucht und der Text durch Militiärhistoriker nach einem bekannten Code entschlüsselt. Hier verknüpft die m. E. interessante Dokumentation über die Flaschenpost und ihren historischen Zusammenhang.

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¹ Ich besitze eine Medizinflasche in vergleichbarer Größe, die gar nicht schwimmen würde. Erst recht nicht mit einer Bleikugel darin.

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Fernsehen, Flaschenpost und Phantasie von Jungs: Noch einmal die seltsamen Unglücksbotschaften der Lusitania.

Vielleicht ein Interview…?

Wieder begann es mit einer E-Mail. Maja Weber schrieb mir, sie recherchiere für das ZDF über Flaschenposten, insbesondere über die aus dem Schwielowsee. Und dazu würde sie mich gerne sprechen, evtl. auch interviewen.

Die Schwielowsee-Flaschenpost gehörte zu jenen ominösen Botschaften, die mit der Versenkung der RMS Lusitania im Ersten Weltkrieg in Verbindung stehen. Darüber hatte ich einmal etwas in diesem Blogpost geschrieben. Aber mehr wusste ich dazu auch nicht. Ich hatte auch keine weiteren Quellen als die dort verknüpften Internetartikel. Das war es auch, was ich der Journalistin dann am Telefon mitzuteilen hatte: Nein, ich bin kein Seefahrts- oder Weltkriegshistoriker, ich wüsste dazu gar nicht viel zusagen.

RMS Lusitania

Beim Untergang dieses Schiffes sollen vier Flaschenposten geschrieben worden sein. (Bild gemeinfrei.)

Aber Weber ließ nicht locker. Weiterlesen

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„BREAK THIS BOTTLE“: Rekord-Flaschenpost vollendet nach 108 Jahren planmäßig ihre Reise.

„Älteste Flaschenpost der Welt gefunden!“

Meldungen wie diese überschlagen sich in letzter Zeit. Okay, sie sind nicht so häufig wie Rekorde in Sportnachrichten, aber gemessen an der eher gemächlichen Fortbewegungsweise von Driftflaschen sind es recht viele Berichte in einer relativ kurzem Spanne. Wobei „älteste Flaschenpost“ nicht das absolute Alter des Dokumentes in der Buddel meint, sondern den größten zeitlichen Abstand zwischen Aussetzen und Finden. Aber schauen wir uns mal die Liste an: Weiterlesen

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Die Flaschenposten der Deutschen Seewarte: Ein Besuch beim BSH.

Zugegeben: Besonders „zeitnah“ kommt dieser Artikel nicht. Aber wer wird schon ausgerechnet von einem Liebhaber von meistens nicht so eiligen Flaschenposten life blogging erwarten? 😉  Hier also der zweite Teil der Exkursion zum Hamburger Hafen, die ich am 4. Juli zusammen mit der Bloggerin Andrea  und dem Flaschenpostsammler Clint Buffington unternommen habe. Ich hatte die beiden und auch den Anlass unseres Ausflugs hier im ersten Teil der Serie schon kurz vorgestellt.

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Es ist kurz vor elf und schon heiß und und für Hamburger Verhältnisse außerordentlich stickig, als wir die breite Treppe oberhalb der Landungsbrücken hoch steigen. Vor dem Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) flattern viele Fahnen. Das Haus hat heute Tag der offenen Tür. Anlass ist das 25-jährige Bestehen der Behörde, die nach der Wiedervereinigung durch Zusammenlegung ost- und westdeutscher Institutionen neugegründet wurde.

Im Foyer treffen wir meine beiden Mädels – Frau und Tocher -, die sich uns für die nächsten Etappen unserer Exkursion anschließen. Mein Sprößling Henny macht eine Ausbildung beim BSH, aber was nun kommt, nämlich die Flaschenpostsammlung des BSH, kennt sie auch noch nicht. Also fragen wir uns zur Bibliothek durch. Breites Grinsen bei uns allen, als wir in einem der Flure auf eine Aktivität für die ganz jungen Besucher stoßen. Die Kiddies basteln – na klar, was auch sonst! – Flaschenposten! Wir scheinen auf dem richtigen Weg zu sein. Weiterlesen

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Die mysteriösen Flaschenposten der RMS Lusitania.

RMS Lusitania

Die RMS Lusitania, ein seinerzeit hochmoderner Ozeanriese. Quelle: Wikipedia (gemeinfrei).

Vor 100 Jahren, am 7. Mai 1915 um 14:10 Uhr, erschütterte eine Detonation den britischen Passagierdampfer RMS Lusiania. Kurz darauf erfolgte eine weitere Explosion. Der 239 m lange und 44.000 t verdrängende Transatlantik-Liner der Cunard-Rederei, eines der größten und modernsten Schiffe seiner Zeit, versank innerhalb von 18 Minuten. 1198 Menschen wurden in den Tod gerissen.

Der Irrsinn des Krieges.

Die deutsche Kriegsmarine hatte Unterseeboote als neue technische Wunderwaffe entdeckt.  Im Ersten Weltkrieg wurden sie zum ersten Mal in großem Maßstab eingesetzt. Neben Kriegs- und Handelsschiffen waren auch Passagierschiffe zu Zielen des Seekrieges deklariert worden. Als die Lusitania, nach einwöchiger Reise von New York kommend, im Seerohr der vor der irischen Küste lauernden U-20 sichtbar wurde, war sie für den deutschen U-Bootkommandanten ein gefundenes Fressen. Weiterlesen

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Ein Freitagsfoto. Und ein wenig Flaschenposthistorie.

Das Helmholz-Zentrum Geesthacht betreibt neben dem offiziellen Website noch ein Weblog, in dem mit Beiträgen für „ganz normale“ Leser die Arbeit des Institutes zur Küstenforschung allgemeinverständlich vorgestellt wird. Die Texte sind also nicht in einem Fachchinesisch geschrieben, sondern bietet sehr anschaulich und kurzweilig einen Einblick in den Alltag der Küstenforscher. Der Charme zeigt sich auch darin, dass Frau Frings, die das Blog betreut, die Leserschaft immer mit einem „Freitagsfoto“, verbunden mit einer kleinen Rätselfrage, ins Wochenende schickt. 🙂

Und heute hat sie dabei mit lieben Worten auf meinen Blog Flaschenposten hingewiesen!
Oh, da fühle ich mich jetzt richtig gebartpinselt! 😀

„… thematisch hängen Küstenforschung und Flaschenpost eng zusammen. Küste und Flaschenpost erzählen von Lebensgeschichten und Flaschenpost ohne Forschung (woher kommt sie, welchen Weg nahm sie, wie lange war sie unterwegs, wer ist der Absender?) ist undenkbar“, schreibt Frau Frings.

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Historische Flaschenpost im Friesenmusem in Wyk auf Föhr.

Ja, dass kann ich auch als Flaschenpostliebhaber nur bestätigen. Schließlich begann mein Faible für dieses altertümliche und doch immer noch faszinierende Kommunikationsmittel damit, dass ich in einem Museum eine von Meeresforschern ausgesetzte Flaschenpost entdeckte und zu gern gewusst hätte, wo sie ins Wasser geworfen wurde und welchen Weg sie bis zu ihre „Landung“ im Nordfriesischen Wattenmeer genommen hatte. Davon hatte ich ja mal ganz zu Anfang in meinem allerersten Blogpost erzählt.

Neben der Auswertung von Wetter-, Eis- und Seegangaufzeichnungen aus den Logbüchern der Seefahrer waren diese Flaschenposten eines der ersten Mittel, denen sich die frühe Ozeanographie im 19. Jahrhundert bediente. Weiterlesen

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Wie lange hält ein Korken dicht?

In meiner Bastelanleitung hatte ich erwähnt, dass Korken ziemlich lange halten. Also erhalten bleiben, weil der hohe Anteil von Suberin in der Korkeichenrinde die Zersetzung durch Mikroben verzögert. Aber heißt „lange halten“ auch so „lange dicht halten“? Ich hatte sicherheitshalber  offen gelassen, ob eine verkorkte Flasche, die beispielsweise mit der Titanic ein Jahrhundert auf dem Meeresgrund verbracht hat, wirklich noch Wein enthält. Eine Gustation eines solchen benthischen Tropfens stand ja noch aus.

Nun kann ich nachliefern.  Eine Weinflasche aus dem Wrack des Dampfers Marie-Celestia, der 1864 vor den Bermudas auf ein Riff gelaufen und gesunken war, ist geöffnet worden. Und ein paar Wagemutige haben tatsächlich an der trüben Soße genippt. Na ja, reiner Wein war es jedenfalls nicht mehr, sofern man das schweflige Zeugs überhaupt noch Wein nennen darf. 😉 Ein kräftiges Meersalzaroma und auch eine Note von Benzin (wo kommt auf einem Dampfer Benzin her?) waren nicht zu verleugnen. Immerhin, es war sogar noch Alkohol nachweisbar! Hier die Pressenotiz.

Wer also mit einer so langen Reise seiner Flaschenpost rechnet, der sollte verschlusstechnisch zusätzliche Vorkehrungen treffen, damit die Buddel kein Wasser zieht. Oder eine Flasche mit Porzellanschnappverschluss nehmen. Die haben sich bewährt.

Vor allem aber für die Rückantwort des Finders an einen Nachsendeauftrag bei der Post denken! In 100 oder 150 Jahren kann es ja mal sein, dass man irgendwohin umzieht. 😉

Nachtrag:

Hier ist noch so eine Geschichte, die es sogar zu akademischen Ehren gebracht hat: 2010 bargen Taucher 170 Jahre alte wohlverkorkte Champagnerflaschen aus dem Wrack eines vor der finnischen Küste gesunkenen Handelsschoners. Darunter war auch die heute noch weltbekannte Marke Veuve Cliquot, erkennbar an der gut erhaltenen Prägung der Korken. Biochemiker analysierten – und probierten! – den so lange gut und kühl gelagerten Edeltropfen. Ergebnis: etwas weniger Alkohol als sein heutiges Pendant, aber erheblich mehr Zucker. Sommeliers attestierten dem Schaumwein vom Meeresgrund zunächst ein käsigen Geschmack mit einer animalischen Note, auch nach feuchten Haaren, beim zweiten Anlauf beschrieben sie das Aroma als rauchig, würzig und ledrig. 😀 Ich gehe mal davon aus, dass das Ergebnis nicht auf der Werbeseite der Kellerei erscheinen wird. 😉

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