Presse, Funk und Fernsehen.


Ein offener Brief an Journalisten und Redakteure.

Es freut mich riesig, wenn mein Blog und das Thema, über das ich schreibe, auf Interesse stößt. Manchmal gibt es sogar Anfragen nach Interviews oder die Bitte um Mitwirkung an Fernsehbeiträgen. Das ist natürlich etwas ganz Besonderes!

Etwas Besonderes in mehrfacher Hinsicht. Einerseits ist es eine besondere Form der Aufmerksamkeit, die mir da zuteil wird. Und wer freut sich nicht über ein so positives Echo!

Andererseits gibt es auch ein Zuviel von Aufmerksamkeit, und das könnte ungesund sein. Gerade für so einen Zeitgenossen wie mich, der mit seiner Person doch lieber in Deckung bleibt. So kommt es, dass ich in letzter Zeit mehrmals Interviewwünsche von Fernsehredaktionen abgelehnt habe. Warum das?

Reportage

Mit Maja Weber und Team im Internationalen Maritimen Museum in Hamburg

Zunächst mal: Ich bin Flaschenpostredakteur und Gelegenheitsblogger. Und manchmal auch Briefeschreiber. Das heißt, meine Ausdrucksform sind Texte, die im Wasser treiben. Als zweites Medium wäre da dieses Blog. Ebenfalls Schrifttext. Ich bin nicht der große Redner vor dem Herrn. Besonders, wenn es sich nicht um natürliche Dialoge, sondern um künstliche Sprechsituationen handelt. Und ich bin nicht der Typ, der vor der Kamera nur so vor Charme und Eloquenz sprüht. Da wirke ich hölzern. Die laufenden Bilder sind nicht so mein Ding. Jedenfalls solange ich da mit drauf bin.

Mit der Zustimmung zu Fernsehaufnahmen gibt man sich ein Stück weit aus der Hand. Aufbau, Moderationstext, Schnitt, – das wir dann unwiderruflich mit der eigenen Person verbunden. Und man hat nichts mehr in der Hand. Nicht mal, was man selbst an Stuss von sich gibt, wenn der Redakteur eine unerwartete Frage stellt. Bei einem Textinterview kann man ja noch mal drübergucken. Auch, wann und in welchem Zusammenhang der Beitrag gezeigt wird, ist letztlich ungewiss.

Das heißt nicht, dass ich die Mitwirkung an Medienprojekten rundheraus ablehne. Ich habe ja auch schon ganz tolle Erfahrungen gemacht. Dazu gehören Begegnungen mit Menschen, die etwas zu erzählen haben oder einfach sympathisch sind. Mit der Social-Media-Verantwortlichen eines wissenschaflichen Institutes verbindet mich seit einer Einladung zu einer Fahrt auf einem Forschungsschiff, wo ein kleines Interview entstand, eine knuffige Freundschaft. Ich denke auch gern an gemeinsame Flaschenpostbasteleien und Strandspaziergänge mit Oliver Lück. Wenn dann in einem Rundfunkbeitrag zu seinem Buch „Flaschenpostgeschichten“ Kernsätze aus dem Gespräch mit mir zitiert werden, das ist schon ein besonderes Gefühl (hier ab Minute 11:45).

Auch Dreharbeiten selbst können spannend sein. Das erste mal, so wie hier, ist es das sowieso. Und was bei meinem bisher letzten Drehtag Björn Kurtenbach mit seiner Unterwasserkamera und Brit Hansen mit den Einstellungen vom Slider aus eingefangen haben, finde ich schon faszinierend. Überhaupt eine tolle Truppe, das Team um Carsten Prehn vom NDR, wir hatten richtig Spaß zusammen und ich erinnere mich gern.

Und doch sehe ich die Gefahr, das sich zu viel wiederholt. Besonders in dem, was ich zu sagen oder zu tun habe. Das Thema ist irgendwann abgelutscht. Kaum etwas ist so langweilig wie Wiederholungen im Fernsehen. Da muss also schon eine originelle Filmidee her.

Aber auch eine einzigartige Geschichte kann in die Hose gehen, wenn das Thema beim Dreh falsch gesetzt wurde. Alles schon erlebt. Einmal investierte ich einen ganzen Tag (Vorbereitung nicht mitgerechnet) für einen Film über die historische Flaschenpost aus dem Schwielowsee, wusste aber am Ende gar nicht, was mein eigenes Auftreten in dieser an sich hochinteressanten Story überhaupt bezwecken sollte.

Wer mich zum erzählen bringen will, der muss auch selbst etwas erzählen wollen. Er muss sich auf das Thema einlassen. Auch auf den gemächlichen Charakters des ganzen Sujets. Und auf die Landschaft, in der das Stück spielt, – wobei die Landschaft manchmal, wie die Maler  es nennen, ein „Seestück“ ist.

„Sie lässt sich Zeit,“ schreibt Oliver Lück über die Flaschenpost. Wer darüber berichtet, muss sich auch Zeit lassen. Wenn ein Flaschenabwurf teil der Geschichte sein soll, muss er auch auf das richtige Wetter warten. Richtiges Wetter, das ist ablandiger Wind, noch besser: Sturm. Wolken. Natur als Drama. Oder, ganz anders: Nebel. Stille. Geheimnis.

Hochdruckwetter, Ostwind, Hitze, massenweise Badegäste am Strand und „…es wäre schön, wenn sie nächste Woche am Soundsovielten Zeit für ein paar Aufnahmen hätten,“ – nee, das geht irgendwie nicht.

Lohnende Erinnerungen. Hier ging es um ein von Schülern vorbereitetes Interview und eine Mitmachaktion für Kinder.

Lohnende Erinnerungen. Hier ging es um ein von Schülern vorbereitetes Interview und eine Mitmachaktion für Kinder.

Wenn ich Gedanken, Zeit und Mühe in ein journalistisches Projekt investiere, dann möchte ich etwas dafür haben. Kein Honorar und keine Freikarten für ein Open-Air-Konzert. Die pure Tatsache, ins Fernsehen oder in die Zeitung zu kommen, ist ebenfalls kein Anreiz.

Aber das Mitmachen bei einer richtig tollen Story, – das kann auch eine pädagogische Aktion sein -, damit kann man mich ködern. Oder mit einer Exkursion zu einem interessanten Drehort, einer landschaftlich schönen Küste, einem Seefahrtsmuseum,  einem besonderen Schiff. Leute Kennenlernen – Künstler, Historiker, Wissenschaftler, Menschen, die irgendwas erlebt haben -, auch da bin ich gerne mit von der Partie!

Also, liebe Redakteure, lasst euch was einfallen, wenn ihr ausgerechnet mich bei so einer Sache dabei haben wollt. Überlegt, worauf euer Beitrag hinauslaufen soll und schreibt mir, was ich dazu tun kann. Aber lasst es bitte nicht so nach Spachtelmasse für das Sommerloch klingen! 😉

Mit kollegialen Grüßen

Peter S.
Flaschenpostredakteur

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Kategorien: Persönliche Geschichten, Sammelsorium | Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , , , , , | 2 Kommentare

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2 Gedanken zu „Presse, Funk und Fernsehen.

  1. Pingback: Kontaktformular | flaschenposten

  2. ein sehr ehrlicher und tief gehender offener brief – meinen vollsten respekt! ich wünsche dir, dass die journalisten, denen du eine absage gegeben hast, diesen brief lesen. dann können sie erkennen, was authentizität bedeutet. und das wirft gleich ein ganz anderes licht auf den menschen und auf die sache. das müsste sie ins grübeln bringen und zu höchstleistungen in sachen kreativer filmidee anspornen!

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