Ansteckend anachronistisch.


Es scheint einen Flaschenpostvirus zu geben. Einmal fasziniert, lässt einen der Reiz von stockfleckigen Zetteln in schwimmenden Glaskolben nicht mehr los.

Inzwischen gibt es sogar eine kleine Szene von Flaschenpostautoren und Künstlern, die – jeder auf seine Weise – Botschaften, Verse oder sogar kleine Kunstwerke auf dem Wasserwege auf die Reise schicken. Ein subtiler Protest gegen das “immer schneller, immer größer, immer mehr, immer ich” in unserer Zeit.

Flaschenposten sind etwas ganz Besonderes: Auch wenn sie immer mit der Strömung des Wassers treiben, so schwimmen sie doch gegen den Strom der heutigen Zeit!

 

P. s.: Bitte auch die Diskussion unten beachten! 🙂

 

 

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Kategorien: Sammelsorium | Schlagwörter: , , , | 4 Kommentare

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4 Gedanken zu „Ansteckend anachronistisch.

  1. Wie man auf Englisch so schön sagt: Sorry to contradict, but – ich denke anders darüber. Ich bin nicht sicher, ob das „mittlerweile“ stimmt, ob es nicht schon immer etwa gleich viele Leute gegeben hat, die dieses Ausdrucksmedium suchen. Vielleicht gibt es auch mal mehr oder weniger, aber „mittlerweile“ klingt nach einer Entwicklung, von der ich nicht glaube, dass sie da ist. Und ich glaube auch nicht, dass Flaschenposten ein Ausdruck von Protest gegen irgendwas sind. Vielleicht der Ausdruck einer Sehnsucht, die vom „immer schneller, immer größer, immer mehr“ nicht befriedigt wird, aber ich halte das gar nicht so sehr den Ausdruck „unserer Zeit“. Ich denke, wir stehen am Ende dieser Zeit. Ich könnte das jetzt an vielen Dingen festmachen, aber will hier keine Vorlesung halten. Denken wir nur an die Raumfahrt, die noch vor 40 Jahren so sehr als Ausdruck des „immer schneller, immer größer, immer weiter“ stand. – Der Etat der dafür ausgegeben wird ist zusammengeschrumpft, die Amerikaner haben kein bemanntes Raumfahrprogramm mehr…

    Ich jedenfalls für meinen Teil protestiere überhaupt nicht mit meinen Flaschenposten. Da gibt es überhaupt kein negatives „Dagegen!“, kein revolutionäres oder reaktionäres „langsam ist besser“. Eher ein vertrauensvolles „zufall ist auch mal gut“ und das Vertrauen, dass meine Schätzchen schon in gute Hände gelangen werden. Ein Aufgeben von Kontrolle, nicht ein Protest…

    • Nun, „Protest“ als eine explizite „Ich-bin-dagegen-Haltung“ ist sicher zu hoch gegriffen, vielleicht liegst du mit dem Begriff „Sehnsucht“ tatsächlich richtiger.

      Aber als alternative Verhaltensweise sehe ich das schon. Alternativ zu „etwas“, was ich ziemlich deutlich verspüre. Ich erinnere mich an einen Radio-Werbespot vor einigen Jahren, der gezielt Angst machen wollte: „Was macht ihr Kunde, wenn er Sie anruft und Sie nach 20 Sekunden nicht erreicht hat? – Er legt auf!“ Und ruft bei der Konkurrenz an, so sollte der Text suggerieren. Heute ist die Rufumleitung auf das Mobiltelefon, für die damals geworben wurde, selbstverständlich. Immer und überall erreichbar sein: Selbst die Teenies in der U-Bahn hört man nörgeln: „Ich hab dich heute schon dreimal angeschrieben und du hast nicht reagiert!“

      So etwas meine ich. Und ich nehme mich dabei nicht einmal aus. Keine Reaktion auf die E-Mails von den Ausstellungsmachern in Swansea letzte Woche, und ich begann an der Ernsthaftigkeit des Projektes zu Zweifeln. Ich hätte an den Einstellungen meines E-Mail-Profiles zweifeln sollen, denn daran lag es, dass ich keine Antwort bekam.

      Unter diesen Maximen empfinde ich die Flaschenposterei als deutlichen Kontrast. So wie ich auch viele Formen der Kunst als Kontrast dazu empfinde. Peter Donnelly fällt mir spontan ein, – seine in den Strand geharkten Bilder bleiben nur bis zur nächsten Flut. Oder die Steintürmchen von Bernd Standhardt. Sie sind phantastisch: man steht da, staunt, – und der nächste Windstoß bringt alles zum Einsturz! Hier ist offensichtlich, dass es sich um Spiel, um Freude um der Freude willen handelt. Bei den eben Genannten sicher auch um Meditation, aber das ist ein anderes Kapitel.

      Aber die Flaschenpost gibt, wie der Name sagt, vor, ein Kommunikationsmittel zu sein. Und hält sich nicht an die Ansprüche, die, wie oben geschildert, an Kommunikationsmittel gestellt werden. Das macht für mich den Reiz aus.

      „Ein Aufgeben von Kontrolle“ ist es, wie du schreibst. Aber ist nicht gerade das irgendwie…
      …revolutionär? Oder zumindest konträr? 😉

      Ich empfinde es zumindest so. 🙂

      • Nun ja, ich will nicht öffentlich durch Haarspalten auffallen 😉 Aber Protest ist für mich immer ein „dagegen“, Revolution ein „weg mit dem anderen“ und beiden meine ich explizit nicht, wenn ich Flaschenposten meine. Ich will auf gar keinen Fall auf Email verzichten, und auch nicht einmal Ansatzweise mit dem Versenden von Flaschenposten der Sehnsucht nach einer Welt ohne Email Ausdruck geben, oder auch nur einer Welt in der die Post noch Wochen brauchte.

        Wenn du so denkst, und für dich das so ist, habe ich da gar kein Problem mit – kann es, auch wenn ich das Sentiment so nicht teile, verstehen. Aber durch den Titel fühle mich mich in dieser Weise interpretiert, und da will ich doch ganz deutlich machen, dass das nicht so ist. Auch teile ich die Einschätzung, dass es heute schlimmer ist als damals ganz und gar nicht.

        Also nichts für ungut, aber als Revolutionär gegen einen Zustand, den ich selbst als sehr positiv bewerte, will ich mich nicht einspannen lassen.

        P.S.: Ich hoffe, das Geschriebene klingt nicht verärgert, das bin ich nämlich nicht. Ich versuche nur deutlich zu sein, weder zu ärgern, noch einem Ärger Ausdruck zu geben. Da ich meine Aktion als eine Kunstaktion verstehe, ist es mir extra wichtig, verstanden zu werden. Allerdings gehört es auch zu meinem Kunstverständnis, dass ich dir nicht vorgeben kann, was die „richtige“ Interpretation meiner Aktion ist. Wenn es für dich das bedeutet, dann darf es das. Nur dass ich es anders sehe, möchte ich doch deutlich gesagt haben 🙂

      • Hach, ich liebe den Diskurs! 🙂

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