Wie ich zum Flaschenpostbriefträger wurde…


Ich kenne Peters Faszination für Flaschenposten  – oder aus meiner jugendlichen Warte „Flaschenposttick“ – schon sehr  lange. So kam es, dass ich schon häufig bei Strandabwürfen dabei war, aber eigentlich nie eine selbst gebastelt habe. Peter war da ja Profi und seine Kunst entwickelte sich mit den Jahren immer weiter zu einem ausgefeilten, spezifischen Gesamtbild. Ich fand es schön, am Strand zu stehen und noch eine Weile zuzusehen, wie die Flasche langsam (idealerweise) seewärts dümpelte. Nach einiger Zeit kam dann immer der typische Satz „Siehst du sie noch?“

Doch eine Sache hat mich schon damals gestört: Die Sache mit dem Land. Es war einfach zu nah. Und wenn sich der Wind drehte, war die Flasche schwuppdiwupp wieder am Ausgangspunkt. Eine Buddel von einer Fähre abzusetzen schien mir zu riskant mit Schiffsschrauben en masse in der Nähe.

Flaschentiger #55 Ausschnitt

Wie sich dieses Fläschchen wohl auf offener See machen würde? (#55)

Dass ich die Chance haben würde, mal „so richtig“ eine Flaschenpost abzuschicken, habe ich lange nicht gedacht. Nun kommt Hilke Kurzke mit ihrem Flaschenpostprojekt  ins Spiel. Sie beschreibt meinen Flaschenpostabwurf auch auf ihrer Website. Peter hatte ein Paket ihrer Fläschchen bekommen und schon einige selbst abgeschickt. Nun fragte er mich, ob ich Lust und die Gelegenheit hätte, die letzten zwei vom Schiff aus zu versenden.

Ich hatte. So verschwanden die kleinen Flaschenbriefe erst mal in meiner Seekiste, die auf das Schiff verfrachtet wurde, auf dem ich mehrmals im Jahr beruflich auf Nord- und Ostsee zu tun habe. Der erste Schritt meiner Briefträgerkarriere war also geschafft.

Als Perfektionistin suchte ich mir natürlich Punkte auf unserer Route aus, die möglichst weit vom Land entfernt waren.

Im Winter auf der Nordsee. Nicht gerade eine Kaffeefahrt.

Eine Kaffeefahrt geht anders: Winter auf der Nordsee.

Am 4.2. um 18.30 Uhr war dann der große Moment für Flasche 55 gekommen: Doggerbank,  55°40’70“ N,  04°20’63“ E. Ich wusste nicht einmal, was die Flasche enthielt, aber das machte es ja spannend. Keine Ahnung, wohin die Flasche treiben würde und ich stellte fest: Ich würde sie noch nicht mal auf der ersten Wegstrecke verfolgen können.

Schon in den Tagen davor hatte es abends immer aufgefrischt und wir waren bei etwa 8 Windstärken gelandet. Auf der Nordsee kann das je nach Kurs schon eine ganz schöne Schaukelei bedeuten. Auch an diesem Abend hatten wir einen annehmbaren Wellengang. Die Flasche muss also entweder im nächsten Wellenberg oder -hügel verschwunden sein. Die Wellen hoben sich durch die Dunkelheit nur wenig vom Horizont ab, etwas beschienen durch den Vollmond. Obwohl ich die Flasche sofort nach ihrem Flug nicht mehr sehen konnte, ließ ich mir den Wind noch etwas um die Nase wehen, alles andere eingepackt im dicken Anorak.

Die nächste  Flasche hatte ihren Auftritt in der Ostsee, im Seegebiet zwischen Rügen und Mön (54°46’08“ N, 12°57’10“ E). Bei Tageslicht hat diese im Gegensatz zum Tiefgrün oder eher -türkis  der Nordsee und ihren langen Wellen eher einen Blauton (oder bei schlechtem Wetter typisch grau) und kurze Wellen („kabbelig“, wie ich als Seglerin lieber sage).

Am 8.2. um kurz vor Mitternacht war aber auch hier nur wenig von der Farbe zu sehen, vielleicht ein sehr dunkles Blau. Der Wind hatte uns an diesem Tag einige „Einsteiger“ beschert (das sind Wellen, die immer dann über die Bordwand schlagen, wenn man gerade  auf sein Ölzeug verzichtet hat 😉 )

Nachtschicht für die Flaschenpostbotin.

Nachtschicht für die Flaschenpostbotin.

Jetzt war also gutes Timing gefragt. Glücklicherweise hatte sich das Wetter schon etwas beruhigt und ich konnte die Nr. 58 von Bord werfen. Ohne Land in Sicht!! Ob man mal hört, ob und wie sie überlebt haben, wird man erfahren, bis dahin:

Gute Reise…

Meine Postkutsche kehrt heim.

Die Postkutsche kehrt heim.

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Kategorien: Persönliche Geschichten | Schlagwörter: , , , , | 2 Kommentare

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2 Gedanken zu „Wie ich zum Flaschenpostbriefträger wurde…

  1. Hat dies auf Das Flaschenpost Projekt rebloggt und kommentierte:
    Nochmal die Abwurfgeschichte von Flaschen Nr. 55 und Nr. 58, von der Flaschenpostwerferin persönlich erzählt.

    For all who can read German, you can read here the story of the dispatch of bottles numbered 55 and 58, written by the post-lady herself.

  2. gefällt mir! gruß an die flaschenpostbriefträgerin und immer eine handbreit wasser unterm kiel!

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