Ein Freitagsfoto. Und ein wenig Flaschenposthistorie.


Das Helmholz-Zentrum Geesthacht betreibt neben dem offiziellen Website noch ein Weblog, in dem mit Beiträgen für „ganz normale“ Leser die Arbeit des Institutes zur Küstenforschung allgemeinverständlich vorgestellt wird. Die Texte sind also nicht in einem Fachchinesisch geschrieben, sondern bietet sehr anschaulich und kurzweilig einen Einblick in den Alltag der Küstenforscher. Der Charme zeigt sich auch darin, dass Frau Frings, die das Blog betreut, die Leserschaft immer mit einem „Freitagsfoto“, verbunden mit einer kleinen Rätselfrage, ins Wochenende schickt. 🙂

Und heute hat sie dabei mit lieben Worten auf meinen Blog Flaschenposten hingewiesen!
Oh, da fühle ich mich jetzt richtig gebartpinselt! 😀

„… thematisch hängen Küstenforschung und Flaschenpost eng zusammen. Küste und Flaschenpost erzählen von Lebensgeschichten und Flaschenpost ohne Forschung (woher kommt sie, welchen Weg nahm sie, wie lange war sie unterwegs, wer ist der Absender?) ist undenkbar“, schreibt Frau Frings.

Flaschenpost 5148

Historische Flaschenpost im Friesenmusem in Wyk auf Föhr.

Ja, dass kann ich auch als Flaschenpostliebhaber nur bestätigen. Schließlich begann mein Faible für dieses altertümliche und doch immer noch faszinierende Kommunikationsmittel damit, dass ich in einem Museum eine von Meeresforschern ausgesetzte Flaschenpost entdeckte und zu gern gewusst hätte, wo sie ins Wasser geworfen wurde und welchen Weg sie bis zu ihre „Landung“ im Nordfriesischen Wattenmeer genommen hatte. Davon hatte ich ja mal ganz zu Anfang in meinem allerersten Blogpost erzählt.

Neben der Auswertung von Wetter-, Eis- und Seegangaufzeichnungen aus den Logbüchern der Seefahrer waren diese Flaschenposten eines der ersten Mittel, denen sich die frühe Ozeanographie im 19. Jahrhundert bediente. Angefangen hatte es mit einem 1843 erschienenen Artikel über bottle papers im Nautical Magazine and Naval Chronicle, in welchem Rear Admiral Alexander Becher die Reisewege von 174 seinerzeit bekanntgewordenen Flaschenposten untersuchte.  Matthew Fontaine Maury, Offizier der US-Marine und Direktor des U. S. Naval Observatory in Washington, setzte die Arbeit fort. Gefördert wurde er dabei durch den Staatsmann und Erfinder Benjamin Franklin. 1845 erschienen dann Wind und Strömungskarten für den Nordatlantik, mit deren Hilfe die Kapitäne den Nordatlantischen Strom ausnutzen oder, je nach Fahrtrichtung, umgehen konnten.

Klipper Norfolk

Klipper Norfolk

Vor gut 150 Jahren  begann dann die systematische Erforschung von Strömungen durch Flaschenposten auf weltweiter Ebene. Initiator dafür war der Begründer der wissenschaftlichen Ozeanographie in Deutschland Georg von Neumayer, den ich ab und zu schon mal erwähnt hatte. Er war übrigens der Erfinder des Wortes „Flaschenpost“.  Am 14. Juli 1864 warf er selbst eine mit einem kleinen Antwortformular bestückte Buddel nicht weit von Kap Horn über die Reeling des Klippers Norfolk. Drei Jahre später kam sie an der australischen Küste an. Der Zettel ist heute der älteste Buddelbrief, der in der Sammlung des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrograpie in Hamburg gehütet wird. Fast so etwas wie die eine Gründungsurkunde der deutschen Meereskunde.

FP 58

Eine Flaschenpost als Hommage für Georg von Neumayer.

Das Jubiläum dieser Reise war für mich als Flaschenpostredakteur natürlich ein Anlass, diesem Ereignis ein paar eigene Driftbuddeln zu widmen (z. B. Nr. 58 und 59 hier). Auch andere Flaschenpostler haben sich von den Aktionen der damaligen „Deutschen Seewarte“ inspirieren lassen (ein drolliges Detail dazu hier).

Bis in die 60er Jahre wurden Flaschenposten zur Untersuchung von Meeresströmungen benutzt. Freilich war das nicht gerade ein besonders präzises Verfahren. Zwar konnte man Ort und Zeit von Abwurf und Wiederauffinden festhalten, aber nicht den genauen Weg. Die Flaschen konnte ja auch ein paar extra Runden über Ringströme, Wirbel und Eddies gedreht haben. Oder sie konnten ein paar Jahre unbeachtet an einsamen Gestaden herumgelegen haben, wie sich hier gezeigt hat.

Also haben die Ozeanographen sinnvoller Weise von dieser archaischen Methode Abschied genommen und versenden Flaschenposten bestenfalls zum Spaß.

Oder?
– Tja, dieses „Oder?“ lässt mich nun selbst mal eine Freitagsfrage stellen:

Was habe ich hier fotografiert?

Drifter

Was mag das hier sein? Zum Vergrößern auf das Bild klicken.

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Kategorien: Historisches, Lexikalisches, Sammelsorium | Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , | 2 Kommentare

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2 Gedanken zu „Ein Freitagsfoto. Und ein wenig Flaschenposthistorie.

  1. ein sehr interessantes Mess(?)Gerät, eine Art „Driftometer“ vielleicht?! 😉

    • Schon mal nicht schlecht! Heißt zwar offiziell etwas anders, aber mit „Drift…“ fängt’s auf jeden Fall an! 🙂

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