Flaschenposten ins Bild gesetzt.


Die Flaschenpost am Strand scheint ein beliebtes Fotomotiv zu sein. Ganz offensichtlich verkörpert die Buddel am Spülsaum irgendetwas, wonach sich Menschen sehnen. Die Stimmung am Meer, Seefahrtsromantik, Träumereien von irgendeinem fernen, vielleicht einsamen Menschen, der einen anderen sucht…

Das Dumme ist nur, dass es so viele Flaschenposten gar nicht gibt, um den diesbezüglichen Motivhunger der Fotografen zu stillen. Und wenn doch eine gefunden wird, dann ist selten eine Kamera zur Hand. Also sehen wir von echten Flaschenposten meistens das Foto, auf dem der stolze Finder Buddel und Brief präsentiert.

Die anderen Bilder sind meistens gestellt. Oder getürkt. Die Ergebnisse sind manchmal ganz stimmungsvoll, oft aber auch irgendetwas zwischen kitschig und haarsträubend. Besonders, wenn allzu deutlich wird, dass der Fotograf noch nie eine Flaschenpost gesehen hat.

Hier ein paar Beispiele (da ich keine Bildrechte besitze, verknüpfe ich die Bildquellen aus dem Internet):

Extrem plump, aber sie zierte lange den deutschen Wikipediaartikel (kein Scherz!) zum Stichwort Flaschenpost: eine unverstöpselte klare Flasche mit ohne Rücksicht auf den Maßsstab hineinkopierten Luftpostumschlägen. Was mag der Schöpfer dieses Werkes bloß für eine Vorstellung vom Thema gehabt haben?! Warum hat er nicht wenigstens in den Altglaskarton im Keller gegriffen, einen Zettel bekritzelt, den in die Buddel gesteckt und das Objekt dann fotografiert? Manchmal scheint die Arbeit am Computer wirklich zu Realitätsverlust zu führen.

Wenigstens handwerklich ist dieses Bild besser, aber auch nicht gerade überzeugend. Natürlich auch voll und ganz aus der Abteilung Photoshop. Ebenso diese Buddel, der der Tiefgang fehlt und deren Größe so garnicht zu der Wasseroberfläche passen will.

Übrigens: Eine Flaschenpost treibt normalerweise waagerecht. So wie hier, endlich mal ein echtes Foto! Gar nicht so einfach, das Motiv in den Wellen scharf zu bekommen.

Bei diesem Bild ist mir ein Rätsel, wie sich die Flasche mit dem „Heck“ so in den Sand einbetten konnte, dass sie derart malerisch aus der Szenerie aufragt. D. h. es ist mir natürlich kein Rätsel. Sie wurde für die Aufnahme so eingegraben. Irgendwie scheint das Mode zu sein. Ich habe so was schon häufiger gesehen.

Kein Fake ist das hier: eine Flaschenpost „in situ“, parallel zum Spülsaum liegend, wie es sich gehört. Sie liegt schon länger da: Durch Regen ist Sand an die Flasche hochgespritzt un dort angetrocknet. Der hässliche Kunststoffstopfen wurde auch nicht durch einen stilvolleren Korken ersätzt. Authentisch, echt!

Das originale Fundambiente ist oftmals wenig romantisch, so wie diese Situation zeigt.  Meistens findet man Flaschenposten zwischen angetriebenem Tang und jeder Menge Schiet und Dreck.

Unter den Suchergebnissen für Flaschenpost-Fotos im Internet sind solche authentischen Aufnahmen aber selten. Für Fotografen, die nicht irgendein Strand-Stilleben inszenieren wollen, gibt es also noch jede Menge Herausforderungen!

Ich habe mir unterdessen erlaubt, das komische Etwas aus dem (inhaltlich übrigens schwachen) Artikel bei Wikipedia rauszukicken und durch eine echte Flaschenpost zu ersetzen. Die musste zu diesem Zweck vor Reiseantritt allerdings erstmal probeschwimmen.

Flaschenpost 75

Die neue Flaschenpost bei Wikipedia.

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Ein Gedanke zu „Flaschenposten ins Bild gesetzt.

  1. gabiwendtland

    Es stimmt schon: wann auch immer ich eine Flaschenpost im Watt entdeckt habe, lag sie flach und war so muddelig, dass ich – nachdem ich sie aufgehoben und in Augenschein genommen hatte – so schmutzige Finger hatte, dass ich nicht mehr in den Rucksack langen und den Fotofixi herausangeln wollte. Zu teuer ist das Gerät, um es zu verdrecken … und so kommt es dann, genau wie Du es beschreibst, zu Fotos, die später entstehen. Wenn wenigstens die Finger wieder abgespült sind. 🙂 Schade eigentlich, im Nachhinein betrachtet.

    Dein Driftbuddelfoto sieht seeehr gut und authentisch aus!Gut gemacht.

    Liebe Grüße, Gabi

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