Chile – Kieler Förde: Ist das möglich?


Jörg Lemke wohnt in einem ehemaligen Bauernhaus* in Lutterbek, nicht weit von Laboe an der Kieler Förde.  Vor einer Woche, am 2.7.2014, so schrieb er mir, hat er ganz in der Nähe, am Strand von Stein,  seine erste Flaschenpost gefunden. Meinen ganz herzlichen Glückwunsch zu diesem Fund!

Jpeg

Der Fundort an der Kieler Bucht. Foto mit freundlicher Erlaubnis von Jörg Lemke.

Das Erstaunliche: Laut Flaschenbrief soll sie im Oktober 2012 in Chile „aufgegeben“, also ins Wasser geworfen worden sein. Nun die Preisfrage: Ist es möglich, dass eine Flasche in dieser Zeit eine so weite Strecke zurücklegt?

Chile ist ein langgestrecktes Land. Nehmen wir mal den günstigsten Fall an, also die Flasche sei bei Kap Horn ausgesetzt worden. Dann hätte sie keine Ehrenrunde mit dem Humboldtstrom drehen müssen, um mit dem Kap-Horn-Strom in den Atlantik zu gelangen. Dann wären aber immer noch mindestens 25’000 km zurückzulegen gewesen: das große atlantische S: Westwind-Trift, Benguela-Strom, Südäquatorialstrom und dann weiter über den Golf- und Nordatlantischen Strom bis in die Nordsee. Wirbel und Eddies nicht mitgerechnet. Solche Driftfahrten sind durchaus schon vorgekommen. Aber nicht in dem Tempo! 45 bis 50 km hätte die Buddel pro Tag schaffen müssen. Und das ist das Dreifache von dem, was zu erwarten gewesen wäre.

Die älteste Flaschenpost, die sich im Archiv den Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie befindet, und deren 150. Aussetzungsjubiläum am kommenden Montag gefeiert werden darf, brauchte beispielsweise knapp drei Jahre von Kap Horn bis nach Australien. Das wäre eine Reisegeschwindigkeit von ca. 15 km pro Tag.

Kap Horn - Australien in drei Jahren: Flaschenzettel von 1864

Kap Horn – Australien in drei Jahren: Flaschenzettel von 1864

Für unsere mysteriöse Flaschenpost aus Chile wären mit Skagerrak, Kattegat und den Belten in der Ostsee gleich mehrere Nadelöhre zu passieren gewesen, wo die Wahrscheinlichkeit eines Landfalls weitaus höher ist, als dass eine Flaschenpost da unbeschadet hindurchschippert.

Also, wenn ihr mich fragt: Da hat jemand noch Platz im Handgepäck gehabt und ein wenig nachgeholfen! 😉 Die Passagiere der Kreuzfahrtschiffe, die in diesen Wochen die Fördestadt anlaufen, sind auf jeden Fall schon mal unter den Hauptverdächtigen. 😀

Nachtrag 25.07.2014:

Inzwischen habe ich einen Blick auf den Text werfen können.

Jpeg

Foto mit freundlicher Erlaubnis von Jörg Lemke. Zum Vergrößern bitte auf das Bild klicken.

Danach hat der Versender eingeplant, dass die Flaschenpost vom jeweiligen Finder wieder der See übergeben wird und so nach und nach eine Weltreise mit vielen Etappen macht. Und das ist hier offensichtlich geschehen. Allerdings leider ohne Vermerk der Zwischenstation(en), was ganz bestimmt reizvoll gewesen wäre.

*Übigens, für alle die da mal schön Urlaub machen wollen: Da hat er auch  eine richtig hübsche Ferienwohnung!)

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Ein Gedanke zu „Chile – Kieler Förde: Ist das möglich?

  1. aaahhh, sowas in einer form eines „kettenbriefes“ bzw. kettenflaschenpost schoss mir auch schon durch den sinn … ich denke noch ein bisschen drüber nach, WiE ich das anstellen werde.

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