Die Königin der Flaschenpostkunst.


Uns „Fischköppen“ sagt man nach, dass wir nicht besonders viele Emotionen zeigen. Als gebürtiger Hanseat bringt mich tatsächlich nicht so schnell irgendwas aus der Ruhe. Erstaunlich, dass mich gerade Flaschenposten trotzdem mit einem inneren Kribbeln erfüllen, egal ob ich welche finde oder versende. Es gibt aber eine Sorte von Flaschenpost, da bekäme ich wirklich Herzklopfen und zitternde Hände, wenn ich so was mal fände. (Was bislang aber noch nicht geschehen ist.) Ich meine Flaschenposten, die keine Schatzkarte enthalten, sondern die selbst Schätze sind!

Ursprünglich ist die Künstlerin Hilke Kurzke Expertin für spezielle Buchbindearbeiten. Einmal gepackt vom Reiz all dessen, was sich blättern lässt, hat die promovierte Mathematikerin eine akademische  Laufbahn an den Nagel gehängt und sich das Falzen, Heften und Leimen von Papier selbst beigebracht. Für Leute, die sich so was leisten können, macht sie individuell gestaltete Tagebücher, Gästebücher usw. Interessanter finde ich aber Werke, die sie um ihrer selbst willen fertigt und mit denen sie auf internationalen Ausstellungen vertreten ist. Mir fällt da spontan ein Buch ein, dass gebunden ist wie jene frühchristlichen Schriften, die man in der ägyptischen Wüste bei Nag Hammadi gefunden hat. Hilke hat es stilecht mit geheimnisvollen Schriftzeichen vollgeschrieben. Und – jetzt gut festhalten! – als Buchdeckel des mappenartigen Einbandes Motherboards von Computern verwendet! Da muss ich grinsen, komme aber auch mächtig ins Grübeln…

Auch ihre Flaschenposten sind für Hilke „Bücher“! Schließlich ist etwas auf Papier zu Lesendes drin. Manchmal Geschichten (Hilke ist auch Autorin!), manchmal Geheimbotschaften, die erst entschlüsselt werden müssen, manchmal etwas, was wohl nur die Nereiden entziffern können. Oder Gedrucktes, z. B. Naturselbstdrucke oder lustige bunte Fische. Wenn der Stempel mit drin ist, kann der Finder sich gleich selbst als Drucker betätigen.  Die meisten dieser „Bücher“ haben einen „Einband“ aus Stoff, der den Inhalt verhüllt. Einige sehen aus, als enthielten sie Medizin aus einer geheimnisvollen chinesischen Wunderapotheke. Ob wohl jemand eine Flaschenpost in so einer exotischen Verpackung vermutet? 😉

An Stelle klassischer Flaschen verwendet Hilke die Gläschen spezieller Babynahrung. Als Mutter von Zwillingen hat sie eine guten Vorrat davon. Die erste Serie, die sie bei Bonn in den Rhein warf,  war einfach nur mit wachsgetränktem Tuch verschlossen. Dann wurde die Ausstattung immer professioneller. Für fast alle gibt es eine Dokumentation mit schönen Fotos. Und immer dann, wenn sich ein Finder bei Hilke meldet, dürfen ihre Fans an der Freude teilhaben, dann gibt sie den Inhalt des Fläschchens und die Fundgeschichte in ihrem Blog preis!

Inzwischen schwimmen die kleinen Kunstwerke nicht nur im Rhein, sondern auch in der Elbe, der Leine, im Mississippi, im Delaware River,  im Firth of Forth und im Humber. Fast alle sind Unikate, jedes einzelne ist mit viel Liebe gemacht!

Ich kenne Hilke nicht persönlich. Aber es kann nicht anders sein: Wer mit so viel Sorgfalt so zauberhafte Dinge gestaltet und sie dann einfach „wegwirft“, um sie völlig fremden Menschen zu schenken, der ist ein wundervoller Mensch! Die junge Frau ist für mich die Königin der Flaschenpostkunst!

Ja, ich gebe zu, ich bin ein wenig euphorisch! Aber ich bin nun mal ihr Fan. Und Fans dürfen das! 😉

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Kategorien: Kunst - Projekte, Sender und Sammler | Schlagwörter: , , , , , , , , | 4 Kommentare

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4 Gedanken zu „Die Königin der Flaschenpostkunst.

  1. Oh, diesen Blogpost sehe ich gerade erst. Da wird mir ja ganz anders und ich bekomme rote Ohren. Danke fürs Lob. Es ist schön, einen Fan zu haben. 🙂
    Mal schauen, vielleicht schaffe ich es ja mal, eine Flasche extra an dich abzusetzen… Mhm, mhm, da kommen mir schon ein paar Ideen.

  2. Pingback: Happy New Year! | verzwirnt und zugeleimt

  3. Pingback: Library Bottle Found | flaschenposten

  4. hier ist fan nr. 2!!!! ja, ja …. es gibt mittlerweile bestimmt schon hunderte, tausende fans – ich reihe mich ganz brav hinten in der schlange ein 😉
    wundervoll geschrieben der artikel. chapeau!

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