Der abgekupferte Reichsadler, oder: Das Geheimnis des Flaschenpoststempels


Manche Flaschenposten findet man nicht beim Surfen an der Küste, sondern beim Surfen im Internet. So bin ich auf dieses Bild eines Flaschenbriefes gestoßen. Auch Joachim Römer hat so ein Stück in seiner Sammlung (hier unten rechts im Bild).

„Kenn ich irgendwoher,“ dachte ich, als ich Text und Layout des Zettels betrachtete. Klar doch, der Versender hatte sich das klassische Formular der Deutschen Seewarte zum Vorbild genommen! Und als Vorlage diente genau dieses Bild von der Homepage des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie in Hamburg.

Mit Liebe zum Detail hat der anonyme Designer aus dem Malereibüro der Alanus-Hochschule in Alfter sogar den Wappenadler links oben in die Ecke gesetzt, was dem Zettel einen gewissen amtlichen Anstrich gibt. Witzig ist dabei, dass der Adler nach rechts (ein Heraldiker würde sagen: nach links) guckt. Ganz originalgetreu, denn der Reichsadler auf dem historischen Stück  guckt auch nach rechts.

Eigentümlich, denn das Wappentier des Deutschen Reiches  bevorzugt normalerweise die andere Blickrichtunng. Auch der halbwegs sportliche  Bundesadler (oder ist es ein Habicht?) und jenes Bundessuppenhuhn , das breitspurig, mit dicken Bauch, aber wenig Hirn und ohne erkennbare Fähigkeit zu irgendwelchen Höhenflügen den Parlamentssaal unserer Republik in Berlin schmückt, gucken nach links. Ebenso  dessen bereits gerupfte Variante, die uns Deutsche im Hartgeld-Sektor der Euro-Zone repräsentiert.

Wie kommts, dass dem Vogel der Kopf so verdreht ist?

Das Rätsel ist schnell gelöst, wenn man sich den Stempel auf dem historischen Original genauer ansieht. Der Stempel hat nämlich eine Umschrift. Und die ist spiegelverkehrt. Also auch der Adler. Wir sehen den Stempelabdruck sozusagen „von hinten“, also von der falschen Seite des Papiers. Mit etwas Mühe kann man dort lesen: „[Hauptagentur] der Deutschen Seewarte Stettin“.

Das heißt, die stempelfreudigen Reichsbeamten der Deutschen Seewarte haben das Dienstsiegel mit so viel Schmackes auf die Rückseite des Papiers geknallt, dass dieser Amtsakt bis auf die andere auf dem Foto des BSH sichtbare Seite duchfärbte. Typisch preußische Korrektheit: Auch eine Flaschenpost muss abgestempelt sein! 😀

Tja, und dieses kleine Detail hat  sich der Seewarten-Epigone aus der Kunsthochschule bei Bonn zu eigen gemacht. 😉

Advertisements
Kategorien: Netzfunde, Sammelsorium | Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , | Ein Kommentar

Beitragsnavigation

Ein Gedanke zu „Der abgekupferte Reichsadler, oder: Das Geheimnis des Flaschenpoststempels

  1. Pingback: Freitagsfoto. | flaschenposten

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Bloggen auf WordPress.com.

%d Bloggern gefällt das: